Düren: Die Zentrale Desinfektionsstelle, die beste Innenraumreinigung im Kreis

Düren : Die Zentrale Desinfektionsstelle, die beste Innenraumreinigung im Kreis

Seit genau einer Woche läuft in der neuen Zentralen Desinfektionsstelle an der Rettungswache West der „Probe-Scharfbetrieb“. So nennt es Johannes Rothkranz, Amts- und Wehrleiter der Dürener Feuerwehr. Hier werden die Einsatzfahrzeuge von der Stadt Düren und vom Rettungsdienst des Kreises gereinigt und desinfiziert. Aber wie genau funktioniert die Arbeit in der Halle?

Rothkranz und sein Kollege Stephan Erdmann, Koordinator des Rettungsdienstes, geben Einblicke hinter die Kulissen.

Eine Besonderheit der Halle fällt schon vor dem Betreten auf: Die Tür an der Seite des Gebäudes lässt sich nur extrem schwer öffnen. Beim Eintreten spürt und hört man, dass Luft von außen in die Halle strömt. Rothkranz: „In der Halle wird ein Unterdruck erzeugt, damit keine Keime nach außen dringen.“ Die Luft aus der Halle wird durch Filter nach draußen gepumpt. Denn was in der Halle von den Rettungsfahrzeugen des gesamten Kreises gewaschen wird, ist mit Vorsicht zu behandeln.

Wenige Erreger reichen aus

Wird beispielsweise ein infizierter Patient mit einem Rettungswagen (RTW) transportiert, so ist das Fahrzeug danach nicht direkt wieder einsetzbar, sondern muss gereinigt werden. Beispiel Norovirus: Nur wenige Erreger reichen aus, um die ansteckende Magen-Darm-Erkrankung zu verbreiten. In einem Ampelsystem werden die Fahrzeuge abhängig vom Ausmaß der Infektionsgefahr eingestuft.Tritt ein Norovirus-Fall ein, wird das Gefährt in die gelbe Kategorie eingestuft. Ab dieser Einordnung geht es zur Zentralen Desinfektionsstelle.

Bei weniger gefährlichen Bakterien und einer grünen Kategorisierung werden Fahrzeuge auf der jeweiligen Rettungswache gereinigt. Bei der roten Kategorie besteht höchste Infektionsgefahr. Ein Beispiel für einen solchen Extremfall wäre, wenn ein transportierter Patient mit Ebola infiziert wäre. Dann müssen andere Desinfektionsmittel und Reinigungstechniken angewandt werden, die Einwirkzeit der Mittel ist deutlich länger, und das Abwasser, das bei der Reinigung anfällt, wird gesammelt und gesondert entsorgt. „Wir hoffen, dass es zu keinem roten Fall kommt“, sagt Johannes Rothkranz.

Standard in der Dürener Desinfektionshalle ist also die gelbe Kategorie. Die Besatzung des jeweiligen Fahrzeugs greift selbst zu Lappen und Reinigungsmittel und bearbeitet im Innenraum sowie in der Fahrerkabine alle Oberflächen und Geräte. Damit die Einsatzkräfte mit ihrer infizierten Kleidung das desinfizierte Fahrzeug nicht wieder verunreinigen, tragen sie Ganzkörperanzüge.

Erst wenn das ganze Fahrzeug gereinigt ist — was etwa eine halbe Stunde dauert — verlässt die Putzkolonne die Halle und reinigt sich selbst. Dafür gibt es eine spezielle Personalschleuse, die im Einbahnstraßenprinzip funktioniert, damit keine Keime verschleppt werden. Niemand kommt, nachdem er die Halle verlassen hat, wieder hinein, ohne die ganze Schleuse durchlaufen zu haben.

Spezielle Entsorgung

In einem Raum entledigen sich die Einsatzkräfte ihrer Schutzanzüge und Kleidung — beides wird anschließend speziell entsorgt beziehungsweise gereinigt —, im nächsten Raum gibt es eine Dusche und frische Kleidung. Wenn das auf dem Wagen aufgebrachte Desinfektionsmittel nur eine Einwirkzeit von einer Viertelstunde hat, fährt die Besatzung mit ihrem Wagen weiter. Falls es länger dauert, stehen in der Rettungswache West Ersatzfahrzeuge bereit.

So lief es seit dem Startschuss für die Desinfektionshalle im Schnitt einmal am Tag ab. Zukünftig rechnet Rothkranz mit mehr Bedarf: „Insgesamt ist die Zahl der Einsätze im Kreis Düren stark gestiegen. Waren es vor zehn Jahren noch rund 14.300, so liegt die Prognose für dieses Jahr bei 41.000 Einsätzen. Das wäre eine Steigerung von 40 Prozent.“ Zusätzlich habe auch die Vielfalt der Desinfektionsereignisse zugenommen, und die Hygienestandards seien erhöht worden.

All diese Aspekte hätten den Bau der Desinfektionsstelle nötig gemacht, meint Rothkranz und Erdmann ergänzt: „Wir haben mit der Desinfektionshalle etwas auf die Beine gestellt, das auch in einigen Jahren noch auf dem aktuellen Stand ist.“

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