Die SWD Poertvolleys vor dem Start in die Rückrunde

Vor dem Rückrundenstart : Interview mit Björn Andrae und Lukas Maase von den Powervolleys

Zum Start der Rückrunde treffen die SWD Powervolleys Mittwochabend auf Herrsching (Anpfiff 19 Uhr, Arena Kreis Düren). Vor dem Spiel haben der älteste Dürener Volleyballer Björn Andrae (38) und der jüngste, Lukas Maase (20), mit Sandra Kinkel über die Situation der Powervolleys gesprochen.

Sie stehen Rede und Antwort zu Themen wie den großen Altersunterschied, ihre bisherige Zeit an der Rur, ihre Stärken und die Möglichkeiten der Powervolleys in der laufenden Saison.

Björn Andrae: „Depeche Mode“.

Und Sie, Herr Maase?

Lukas Maase: Ich habe keine bestimmte Band, die ich besonders mag. Ich höre, was gerade aktuell in den Charts ist.

Aber „Depeche Mode“ sagt Ihnen etwas?

Maase: Ja, das habe ich schon einmal gehört.

Andrae: Ich bin nur froh, dass er nicht „Tokio Hotel“ geantwortet hat.

Ich habe die Musikfrage deswegen gestellt, weil zwischen Ihnen 18 Jahre Altersunterschied, also etwa eine Generation, liegen. Das ist im Leistungssport schon ungewöhnlich. Hat der relativ große Altersunterschied Auswirkungen auf die tägliche Arbeit?

Andrae: Nein. Ich denke, beide Seiten profitieren voneinander. Lukas und ich teilen uns bei den Auswärtsspielen ein Zimmer. Ich finde es schön, wegen der jüngeren Spieler immer up to date zu bleiben, was Trends und so angeht. Und umgekehrt erzähle ich eben ein paar alte Geschichten.

Maase: Wir sind alle hier, um Volleyball zu spielen und wollen gemeinsam ein Ziel erreichen. Da spielt das Alter keine Rolle.

Andrae: Wir sind insgesamt schon eine sehr erfahrene Mannschaft. Und natürlich ist es so, dass die Älteren mehr Tipps geben als die Jüngeren. Ich empfinde es als Glück, dabei auf junge Leute wie Lukas zu treffen, der diese Tipps positiv aufnimmt und versucht umzusetzen.

Herr Maase, was sind Björn Andraes Stärken?

Maase: Sicherlich seine enorme Erfahrung, aber auch seine Ruhe. Außerdem spielt Björn technisch sehr stabil. Wenn man einmal nicht weiß, was man mit dem Ball machen soll, kann man ihn immer Björn zuspielen, dem fällt schon etwas ein.

Herr Andrae, was sind Lukas Maases Stärken?

Andrae: Lukas ist ein Spieler mit unglaublich viel Potenzial. Trotz seines jungen Alters spielt er schon sehr konstant, hat einen super Aufschlag und ist allein schon wegen seiner Größe ein wichtiger Mann im Block. Außerdem ist er ein Perfektionist und sehr selbstkritisch. Ich bin mir sehr sicher, dass Lukas bald in der Nationalmannschaft spielt. Das gucke ich mir dann an.

Herr Maase, Sie sind von der Zweiten Bundesliga nach Düren gewechselt. Wie heben Sie den Sprung zum Profisport gemeistert?

Maase: Ich habe das erst so richtig vor zwei Wochen realisiert, dass ich jetzt Erste Bundesliga spiele. Für mich hat der Wechsel perfekt funktioniert. Und das nicht nur, weil ich deutlich mehr Spielanteile habe, als ich gedacht hatte.

Aufgrund der Wadenverletzung von Tim Broshog mussten Sie sehr früh Verantwortung übernehmen.

Maase: Das stimmt, war aber überhaupt kein Problem. Ich habe eigentlich nie wirklich Druck verspürt, weil die Mannschaft mich mit offenen Armen empfangen und mich immer unterstützt hat.

War der Wechsel vom zweimal wöchentlichen Training in Liga 2 zum zweimal täglichen in der Bundesliga schwierig?

Maase: Eigentlich auch nicht. Trainer und Physiotherapeuten haben mich immer unterstützt. Das hat gut geklappt.

Herr Andrae, Sie mussten auch erst wieder fit werden, immerhin haben Sie sechs Monate nicht gespielt, bevor Sie nach Düren gekommen sind.

Andrae: Ja, das ist richtig. Trotzdem bin ich natürlich nicht nur nach Düren gekommen, um zu trainieren, sondern auch um zu spielen. Dass ich so schnell wieder richtig fit werden würde, dass ich schon beim Spiel gegen Frankfurt Anfang Januar in der Startaufstellung war, hätte ich allerdings nicht gedacht.

Wie haben Sie die Mannschaft erlebt, als sie Ende November nach Düren gekommen sind?

Andrae: Ich habe selten so eine homogene Mannschaft kennengelernt wie diese. Die Stimmung ist toll, die Atmosphäre beim Training mit einer Mischung aus Fördern und Fordern wirklich gut. Gleichzeitig ist das ein Team mit sehr viel Potenzial, das manchmal aber eben doch noch nicht so richtig an sich glaubt. Eine Fünf-Punkte-Führung sorgt nicht immer dafür, dass auf dem Spielfeld wirklich Sicherheit herrscht.

Wenn man Sie sieht, hat man den Eindruck, dass Sie nichts wirklich aus der Ruhe bringen kann.

Andrae: Das stimmt so nicht ganz.

Maase: Aber man merkt Dir Deine Nervosität nicht an. Du wirst nie hektisch.

Hängt das mit Ihrem Alter zusammen?

Andrae: Ganz bestimmt. Aber auch mit meiner Erfahrung. Ich habe im Volleyball sehr viel erlebt, viele Jahre im Ausland, zum Beispiel in Italien, Griechenland und in Russland gespielt. Dort ist der Druck viel höher als in der Bundesliga. Ich glaube, mit 38 Jahren habe ich gelernt, dass Selbstzweifel mich nicht wirklich weiterbringen. Ich kann Fehler schneller abhaken.

Ein Wort zum Spiel heute Abend gegen Herrsching.

Andrae: Wir dürfen Herrsching nicht unterschätzen. Wir müssen, wirklich gut spielen, um gewinnen zu können. Die können die drei Punkte genauso gut gebrauchen  wie wir. Das wird ein heißer Kampf. Wir haben im Hinspiel schmerzhaft erfahren müssen, dass wir Herrsching nicht auf die leichte Schulter nehmen dürfen.

Maase: Wir müssen heute Abend unsere beste Leistung abrufen – aber das müssen wir immer.

Was ist in dieser Saison für die Powervolleys noch drin?

Andrae: Alles. Ich habe noch nie eine so ausgeglichene Bundesliga erlebt wie in dieser Saison. Sechs Mannschaften liegen sehr dicht beieinander und alle spielen hervorragenden Volleyball. Ich glaube, da ist wirklich alles drin: Du kannst im Viertelfinale ausscheiden, du kannst aber auch Deutscher Meister werden. Da hängt ganz viel von der Tagesform ab.

Ist auch für Sie alles drin? Ihr Vertrag geht erst einmal nur bis Ende Februar.

Andrae: Das stimmt. Aber es läuft gut für mich in Düren.