Die "Springmäuse aus Bonn" gastieren im Haus der Stadt

„Meine Mutter sitzt im Publikum“: Das Publikum wird auch in Düren mit einbezogen

Bis dato führten Anke und Olaf ein eher ruhiges Leben. Die Sozialarbeiterin und der Elektro-Ingenieur aus Jülich haben vier Kinder, die mittlerweile bis auf eines flügge sind. Irgendwann möchten sie einmal nach Schweden reisen.

Das erzählen die beiden den „Springmäusen“ auf Nachfrage. Und damit werden sie dann zu einem wichtigen Programmpunkt des Weihnachtsprogramms „Auf die Tanne, fertig, los! Merry Christmas“ im Haus der Stadt in Düren. Die „Springmäuse“ aus Bonn bringen Improvisationstheater auf die Bühnen des Landes. Da ist jede Show anders. Anke und Olaf gibt es natürlich nur in Düren. Und für das Paar, das sich dereinst bei Chorproben in Aachen kennenlernte, dürfte die eigens für sie inszenierte Showeinlage, angereichert mit Ereignissen ihres Lebens und ein bisschen Abba und AC/DC, unvergessen werden.

Springmaus Vera Passy gibt sich sofort als ehemalige Dürenerin zu erkennen und will wissen, von wo die Leute im Publikum denn so herkämen. „Hürtgenwald, Kreuzau, Aldenhoven, Nideggen ...“, wird ihr zugerufen. Ob denn auch hier Menschen aus dem Ausland vertreten seien? „Kelmis“, ruft einer. Und fortan taucht der belgische Ort in vielen Sketchen auf. So auch als „dunkle Seite der Macht“ bei einer Einlage mit einer pornografischen Paketbombe.

Auf Nachfrage von Springmaus Gilly Alfeo erfahren die Zuschauer auch, dass eine Gruppe aus dem St.-Marien-Krankenhaus in Birkesdorf und eine Gruppe aus der Jugendherberge Nideggen im Publikum sitzt. Die Veranstaltung ist restlos ausverkauft. Wirklich restlos!

Vera aus dem Publikum schaltet, sich, im wahrsten Sinne des Wortes, in eine Unterhaltung der anderen Vera und Alexis Kare einschalten. Mittels Screentouch bestimmt sie, wann die beiden von deutsch auf „neuarabisch“ und zurück wechseln.

An anderer Stelle lassen Freiwillige aus dem Publikum die Marionetten tanzen. Dass Ben Hartwig dabei ins Stolpern gerät und sogar hinfällt, sorgt für weitere Lacher. Zimperlich darf man als Springmaus nicht sein. Und als Springmaus Vera vom Publikum aufgefordert wird, beim Abholen ihres Kindes „erotisch“ zu sein, hilft auch folgender Einwand nicht: „Meine Mutter sitzt im Publikum.“

Zurück zu Anke und Olaf. Die Inszenierung deren Lebens nimmt fast die zweite Halbzeit in Anspruch. Olaf, der Durchorganisierte, mit den vielen Listen für alle Lebenssituationen. Und Anke, die Sozialarbeiterin, die Elend gewohnt ist, aber dann doch an Düsseldorf scheiterte. Was Vera Passy als Anke und Ben Hartwig als Olaf sich da alles einfallen lassen ist phänomenal. Sie schaffen es, das Publikum Tränen lachen zu lassen, und dabei aber auch das echte Paar Anke und Olaf nicht blöd, sondern sympathisch rüberkommen zu lassen. Jeder gönnt ihnen die anstehende Schweden-Reise von Herzen. Auch wenn die, anders als auf der Bühne, nicht zu Weihnachten, sondern erst im Sommer stattfinden soll.

Klar, dass die „Springmäuse“ nicht ohne Zugabe von der Bühne kommen. Klar auch, dass sie die Chance nutzen, für weitere Veranstaltungen zu werden. Und wer sich mittlerweile von seinem Lachmuskelkater erholt hat, kann sich ja darüber informieren unter www.springmaus-theater.de.

(wey)
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