Düren: Die neue Integrationsbeauftragte ist neugierig, offen und weiter mittendrin

Düren : Die neue Integrationsbeauftragte ist neugierig, offen und weiter mittendrin

Viele kennen sie noch aus ihrer Zeit als „mobile Jugendarbeiterin”, immer dort mit dem Bulli zu finden, wo sich Jugendliche und junge Erwachsene treffen. Seit Juni 2017 ist Sabine Kieven die Integrationsbeauftragte der Stadt Düren. Immer noch viel unterwegs. „Der aufsuchende Aspekt ist geblieben.”

Integrationsbeauftragte: ein sperriger Begriff. „Was machst du denn da jetzt eigentlich?”, wollen viele von ihr wissen, vor allem Jugendliche und junge Erwachsene, die sie noch aus ihrer Zeit bei der mobilen Jugendarbeit kennen. Auch die Frage „Bist du jetzt für die Flüchtlinge zuständig?” wird öfter gestellt.

„Ja”, antwortet Sabine Kieven dann, „aber auch für Dich als Deutscher.” Das ist ihr wichtig, immer wieder zu betonen, „dass Integration nicht nur was für Migranten ist. Denn Integration beginnt auf beiden Seiten.”

Ängste will sie abbauen. Räume schaffen für Begegnungen, bei der auch Ängste ausgesprochen werden dürfen. Sie selbst hat wenig Angst. „Die Arbeit auf der Straße hat mich sehr geprägt”, erzählt Kieven. Und weiter: „Ich habe mich 15 Jahre draußen wohl gefühlt, jetzt fühle ich mich in den Begegnungsstätten der unterschiedlichen Kulturen wohl.”

Die Menschen, mit denen Sabine Kieven arbeitet, kommen aus vielen verschiedenen Herkunftsländern. Aber ein Schwerpunkt ist offensichtlich: „In Düren leben rund 8000 Türkischstämmige“, sagt die Expertin. „Viele mit deutschem Pass.” Gerade junge Menschen bezeichneten sich gerne als „Deutsche mit türkischen Wurzeln“.

In Düren sei man schon ganz früh durch das Islam-Forum in den Dialog miteinander gekommen, lobt Kieven. „Und den Ruf des Muezzins gibt es hier schon seit 30 Jahren.“ Aber als damals die Gastarbeiter kamen, habe man sich über Integration keine Gedanken gemacht, „die sollten ja zurück“. Und jetzt gehe es um individuelle Themen, wie zum Beispiel die Betreuung von Demenz-Kranken, die nur wenig Deutsch sprechen, oder Sportangebote für muslimische Frauen.

Zurzeit lernt Sabine Kieven Türkisch. Einige Wörter kennt sie natürlich schon aus ihrer Zeit als mobile Jugendarbeiterin. Da hatten einige der Jugendlichen, die sie betreute, türkische Wurzeln. „Die haben mir unheimlich viel beigebracht über ihre Kultur, ich konnte immer Fragen stellen.” Jetzt hat sie manchmal mit den Eltern zu tun — sie steht auch schon mal mit Schürze in der Küche der Moschee. Und macht das, was sie eigentlich immer schon gemacht hat: neugierig, offen und mittendrin sein.

(wey)
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