Düren: Die Liebe zur Natur spielerisch vermittelt

Düren: Die Liebe zur Natur spielerisch vermittelt

Gegen Reizüberflutung und Stress bei Kindern setzt die Evangelische Familien- und Erwachsenenbildung auf das Naturangebot vor der eigenen Haustür. Die Waldpädagogik-Gruppe bietet nun eine dritte Gruppe an.

Es ist früh. Immer wieder erfüllt das Zwitschern der Vögel die Luft. Die Natur erwacht und Sonnenstrahlen bahnen sich ihren Weg durch die Äste und Blätter der Bäume und tauchen den Burgauer Wald in ein frühlingshaftes Licht. Fünf Frauen, bepackt mit Rucksack, ausgestattet mit wettertauglicher Kleidung von oben bis unten, balancieren über umgefallene Bäume, die über Bäche führen, laufen über knackende Äste und genießen die Natur.

Doris Breuer, Alexandra Helbing-Schmidtlein, Bianca Janssen, Andrea Schneider und Doris Unsleber sind der Kern der so genannten Waldpädagogik-Gruppe. Seit knapp 20 Jahren ist die Evangelische Familien- und Erwachsenenbildung auf diesem Feld tätig und bietet zwei Waldspielgruppen für Eltern/Großeltern und Kindern bis drei Jahren an. Nun soll nach den Osterferien eine dritte Gruppe für den Nachwuchs vom vierten bis zum sechsten Lebensjahr angeboten werden.

Das Grundprinzip der Waldpädagogik ist erstaunlich simpel, wie Bianca Janssen erklärt: „Wir wollen den Kindern spielerisch die Liebe zur Natur zeigen.” Diese Aufgabe klingt fast schon banal, doch zeigt eine zunehmend bequemer werdende Gesellschaft, die in einem Meer aus medialen Angeboten badet, wie vielen Menschen und gerade Kindern der Zugang zur Natur fehlt und verwehrt bleibt.

„Mitwelt” öffnen

Im Burgauer Wald hoffen die Frauen, die „Mitwelt” zu öffnen und die Achtsamkeit sowie die Sinneswahrnehmung des Nachwuchses für das eigentliche Leben zu gewinnen. „Es ist besonders wichtig”, erklärt Alexandra Helbing-Schmidtlein, „wie man das Ganze rüber bringt.” Vor jeder Erlebnistour, die Dienstag- und Donnerstagvormittag starten, findet eine Begrüßung statt. Hierbei wird auf den Boden gestampft, Hände und Arme werden gelockert, ein Lied wird gesungen. „In der Natur haben wir das Problem, dass es nicht so wie Drinnen klare Grenzen gibt. Kinder brauchen feste Punkte, an denen sie sich orientieren können und die Sicherheit geben. Von daher haben wir eine ganz bestimmte Strecke mit kleineren Stationen, die wir abgehen”, informiert Janssen.

Und wenn die Frauen an Bäumen vorbei gehen, zeigen sie abgenagte Zapfen von Eichhörnchen und Mäusen. Sie machen auf kleine Details aufmerksam, die überall beobachtet werden können. Doris Breuer: „Wir machen das bewusst nicht in der Eifel, sondern wollen das Naturangebot vor der Tür zeigen. Das, was direkt in der Nachbarschaft liegt.” Auf dem Weg durch den Burgauer Wald werden die Gruppen von vier kleinen, fingergroßen Puppen begleitet, „die unser Sprachrohr sind und den Kindern die Sachen erklären”, so Helbing-Schmidtlein. Da ist beispielsweise „Wurzel”, der die verschiedenen Jahreszeiten erklärt und somit auch den natürlichen Kreislauf in der Natur.

„Man braucht keine Großen Aktionen, sondern kann die Kinder schon mit kleinen Dingen faszinieren und auch zur Beteiligung animieren”, sagt Andrea Schneider. Egal ob sie Käfer über die Finger krabbeln lassen, mit nasser Erde matschen oder auf umgestürzte Bäume klettern - Doris Unsleber spricht von einer „Qualitätszeit” im Wald, zwei Stunden frei von Handys, Computern und Fernsehen. Die Kinder werden in ihrer Kreativität gefördert, aber auch im Bereich der Disziplin und Manieren.

Als die Frauen auf dem „Waldsofa”, selbst übereinander gelegte und im Kreis angeordnete Baumstämme, Platz nehmen, um ein Picknick zu veranstalten, geht Helbing-Schmidtlein, Ergotherapeutin, auf einen anderen Punkt ein: „Es gibt immer mehr Kinder, die wegen Reizüberflutungen an Stress leiden.” Und auch wegen mangelnder Koordinations- und Bewegungsfähigkeiten erachten die Frauen eine solche Einrichtung wie die Waldpädagogik als notwendig.

Wichtig sei aber zudem, nicht nur die Kinder in ihrer Kreativität und in ihrem Bewusstsein zu fördern, sondern auch die Eltern aktiv in diesen Prozess mit einzubeziehen. „Denn nur wenn die Eltern Interesse zeigen, melden sie die Kinder an. Und oftmals entwickeln sie, je länger sie hier sind, selber Spaß”, freut sich Doris Breuer im Rückblick. In diesem Zusammenhang fällt auch der Begriff „Mehrgenerationen” und das gegenseitige, dynamische beibringen und erleben in jeder Gruppe. „Nachhaltigkeit” - für die Frauen steht dieser Auftrag im Mittelpunkt. Ihre Erfahrung: Die Kinder kehren immer wieder zurück, um noch einmal den Abenteuerweg zu gehen, oder zu gucken, wie sich die Natur verändert hat. Die fünf Frauen demonstrieren zum Schluss einen Weg der besonderen Art: Steine, Erde, Stöcke werden mit den nackten Füßen wahrgenommen, es herrscht Ruhe, die Sonne scheint immer stärker - „total schön”.

Waldentdecker in Birgel, Start: Montag, 23. April, 14.30 bis 16.45 Uhr, Infoabend am Freitag, 20. April, um 20 Uhr im „Brauhaus”. Weitere Infos: Doris Breuer: Tel. 02421/992681.

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