Die Kreisdürener Polizei stellt die Verkehrsunfallstatistik 2018 vor

Kreis Düren : Mehr Unfälle und deutlich mehr Unfallflüchtige im Jahr 2018

Die Bilanz fällt durchwachsen aus, wie Landrat Wolfgang Spelthahn als Leiter der Kreispolizeibehörde bei der Vorstellung der Verkehrsunfallstatistik einräumen musste. Zwar hat die Polizei im Kreis Düren 2018 ein selbst gestecktes Ziel erreicht:

Die Zahl der im Straßenverkehr verunglückten Kinder ist mit 99 (2017: 115) unter die 100er-Marke gefallen. Insgesamt aber spiegelt das Zahlenwerk mehr Schatten als Licht wider, trotz der guten Arbeit der Direktion Verkehr um ihren Leiter Wolfgang Heimbach, wie Spelthahn ausdrücklich betonte.

Nicht nur die Zahl der Verkehrsunfälle insgesamt ist im vergangenen Jahr erneut gestiegen – mit einem Plus von 2,7 Prozent auf nunmehr 8729 sogar stärker als im NRW-Durchschnitt. Auch die Zahl der Unfälle mit Verletzten ist höher ausgefallen. Bei 1015 Kollisionen waren 1310 Personen involviert: acht starben, 258 wurden schwer, 1044 leicht verletzt.

Und wieder sind mehr Zweiradfahrer bei Unfällen zu Schaden gekommen. 125 verunglückte Motorradfahrer haben den Zehn-Jahres-Spitzenwert aus dem Jahr 2017 (119) noch einmal getoppt. Spelt­hahn führt dies auf den Rekordsommer und die ständig steigende Leistung der Motoren zurück, die nicht immer zum fahrerischen Können passe. Wolfgang Heimbach sieht aber auch in den im Vergleich beispielsweise zu den Niederlanden sehr moderaten Geld­strafen einen Grund für die Raserei in der Eifel und auf den Zufahrtstrecken.

Hier wünschen sich Spelthahn und Heimbach, die Landesregierung würde die sogenannte „Section Control“, mit der das Tempo auf einem längerem Abschnitt gemessen werden kann, auch in NRW ermöglichen. Derzeit läuft eine Testphase in Niedersachsen. Im Kampf gegen rasende Motorradfahrer plädiert Spelthahn zudem für eine Umkehr der Beweislast. Heute muss die Polizei einem geblitzten, aber nicht direkt gestoppten Halter eines Motorrads nachweisen, dass er auch gefahren ist. Umgekehrt wäre sinnvoller, sieht Spelthahn den Gesetzgeber in der Pflicht.

An die Allgemeinheit appelliert der Landrat mit Blick auf die weiterhin besorgniserregende Entwicklung bei der Zahl der Verkehrsunfallfluchten, die 2018 noch einmal angestiegen ist: 1841 Fälle, in denen sich die Verursacher aus dem Staub machten, ohne sich um den Schaden zu kümmern, sind ein Plus von 7,35 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Besonders kritisch: In 95 Fällen wurden Personen verletzt, ein Plus von 20,25 Prozent. Zwar werden weiterhin mehr als Zweidrittel aller Unfallfluchten mit Personenschaden aufgeklärt, insgesamt aber sank die Ermittlungsquote von 45,2 auf 42,6 Prozent.

Sie würde sich verbessern, wenn mehr Bürger Beobachtungen an die Polizei weitergeben und auch Parkrempler melden würden, sind Spelthahn und Heimbach überzeugt. Sich als Verursacher vom Unfallort zu entfernen, sei ein kriminelles Verhalten, dass für den Geschädigten oft mit einem Rattenschwanz an Kosten verbunden ist. Wenn sich immer mehr Menschen um die Verantwortung drückten, sei dies ein „alarmierendes Signal für den Zustand der Gesellschaft“, betonte Spelthahn.

Während die Zahl der verunglückten Kinder gesunken ist, musste die Polizei einen Anstieg bei den Senioren feststellen, deren Beteiligung an Unfällen um knapp 30 Prozent auf 181 gestiegen ist. Allerdings wachse auch ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung weiter, ordnete Spelthahn diese Zahl ein.

Auffallend ist der Anstieg der Unfälle mit Pedelec-Fahrern, deren Zahl sich mit 36 (2017: 19) fast verdoppelt hat. Spelthahn und Heimbach appellieren an die Pedelec-Fahrer, einen Helm zu benutzen, sich langsam an die höhere Geschwindigkeit der Räder mit elektrischem Hilfsmotor heranzutasten, vor allem im Stadtgebiet, und das Angebot der Trainingsseminare, die es auch für Motorradfahrer gibt, anzunehmen.

Die Hauptunfallursache war auch im Jahr 2018 wieder überhöhte Geschwindigkeit, gefolgt von Vorfahrtverstößen. Dann aber schon kam wie schon 2017 das Fahren unter Alkohol- und Drogeneinfluss, das zu 130 Unfällen geführt hat. Dementsprechend wird die Polizei auch in diesem Jahr ihre Schwerpunkte setzen. Wolfgang Heimbach kündigte angesichts des Vorfrühlings zudem an, bereits vor Ostern in Kooperation mit Nachbarbehörden und Kollegen aus den Niederlanden und Belgien mit Motorradkontrollen zu beginnen.

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