Die Kabarettistin Andrea Volk gastiert im "Komm"-Zentrum

Das Programm lautet „Feier-Abend! Büro und Bekloppte“ : Großraumbüros sind schlicht Galeeren

Büro ist Krieg. Daran ließ Andrea Volk im Dürener „Komm“-Zentrum keinen Zweifel. Vor allen in Großraumbüros, die schon in den 70er Jahren nicht funktioniert haben. Bei den Römern hießen Großraumbüros schlichtweg Galeere.

Nur der Takt des Trommlers, der die Arbeitssklaven, Pardon, die Angestellten synchronisiert, hat sich seitdem um ein Vielfaches erhöht. Es ist schon nicht leicht, diesen täglichen Kampf und Krampf zu überleben. Wie es möglichst ohne Blessuren geht, erklärte Andrea Volk mit ihrem Programm „Feier-Abend! Büro und Bekloppte“ im Rahmen der SWD.KOMMedy-Abende.

Das Wichtigste ist, Zuhause ein optisches Zeichen für den Feierabend zu setzen. In ihrem Fall ein rosa/orangefarbener Ganzkörper-Plüschanzug, den sie im Teleshopping erworben hat. Bloß kein Homeoffice, kein E-Mail-Checken, keine Rufumleitung. Im Prinzip auch kein Sexleben mehr, es sei denn, der Partner fängt schon einmal alleine an, da er eh weiß, wo alles ist. Zuhause wird abgeschaltet auf allen Ebenen – und vor allem im Gehirn. „Schwachsinn im Fernsehen“ lautet das Gebot der Stunde, um wieder Kraft zu schöpfen. Sei es bei „Bauer sucht Frau“, wo der Stammbaum aller Teilnehmer nur aus einem Ast zu bestehen scheint, oder eben Teleshopping, wenn schon tagsüber für Einkäufe keine Zeit mehr bleibt.

Psychischer Schaden

Es ist aber auch schwer geworden, im Büro ohne psychischen Schaden zu überleben, findet Andrea Volk. Acht Sorten Milch im Kühlschrank der viel zu kleinen Teeküche, schlaue Sprüche als Kühlschrankmagneten, der tägliche Machtkampf und vor allem die Tatsache, dass mittlerweile vier Leute die Arbeit erledigen, für die es vor 20 Jahren noch vier Mal so viele Angestellte gab. „Schon komisch: Die Firmen haben kein Geld mehr für Personal, aber alle zwei Jahre eine neue Telefonanlage, die nicht funktioniert“, wunderte sich die Kabarettistin.

Anstatt miteinander zu reden, werden munter E-Mails verschickt, die Probleme schaffen, aber niemals welche lösen. Was wohl passiert, wenn jede innerbetriebliche Mail mit drei Cent vom Lohn abgezogen wird? Andrea Volk kannte die Antwort: „Die Menschen würden wieder anfangen, selber zu denken.“

Mit ihren Schilderungen des (Büro-)Alltags und der Überspitzung allseits bekannter Situationen und Kollegen-Konstellationen lag Andrea Volk beim Publikum im ausverkauften „Komm“ goldrichtig. Was sie da vortrug und in Szene setze, kennt vermutlich jeder. Sei es der Azubi „Jason-Patrick“, der die Schnelligkeit nicht erfunden hat, aber gerne schon einmal den halben Tag auf der Toilette verbringt, oder die Aufstellung von Flächennutzungsplänen für den Kühlschrank der Bürogemeinschaft, der mehrfach im Jahr zum Schauplatz erbitterter Auseinandersetzungen um Hygiene und Weltanschauung wird. Getoppt wird das alles nur noch von Achtsamkeitstraining und Team-Building. Oder mit den Worten der Expertin: „Team-Building hieß früher Kegeln. Mitternacht den Kopf des Kollegen über der Kloschüssel festzuhalten, schafft auch Nähe.“

(sj)
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