Düren: Die Griechen in Düren fürchten um ihren guten Ruf

Düren: Die Griechen in Düren fürchten um ihren guten Ruf

Das Ansehen der Griechen befindet sich im Sinkflug, auch in Düren. Das Land ist auf eine milliardenschwere Finanzhilfe aus der EU angewiesen.

Täglich ist in den Zeitungen, in Radio und TV von Lug und Trug und Korruption im Zusammenhang mit Griechenland die Rede. „Das tut weh”, sagen fünf Männer, die die „DN” im Café Elliniko in Düren antreffen, immer wieder.

Erst jeweils im Spaß und dann - im Verlaufe eines Gesprächs - im vollen Ernst müssten sie sich jetzt „Lügner” und „Betrüger” nennen lassen. Das haben die beiden Nikos, Theo und die beiden Panos in den letzten Tagen erlebt. Schlagzeilen der Regenbogen-Presse („Die faulen Griechen”) gehen ihnen nicht mehr aus dem Kopf. Die Bezeichnung „Hetzkampagne” halten sie nicht für übertrieben.

Athen müsste die Kredite mit einem kräftigen Zinsaufschlag zurückzahlen, Deutschland verdiene an der Sache doch nur, so ist zu hören. Und: Schließlich seien von dem Geld, das jetzt in den Staatskassen fehle, auch U-Boote und Waffen in Deutschland gekauft worden. Wie es scheint, ist Finanzpolitik das Thema Nummer 1 bei den Griechen geworden.

In der Runde befindet sich auch Ratsherr Niko Theodoridis. „Was kann das Volk dafür, wenn die Regierungen das Geld veruntreuen?”, fragt er. Viele Griechen in Deutschland „tun seit Jahren ihre Pflicht”, da sei es doch sehr verwunderlich, in wie kurzer Zeit ein guter Ruf sich ins Gegenteil verkehre. Dabei hätten Spanien und England ähnliche Probleme.

„Kritisieren ja, aber nicht hetzen”, ist die einhellige Meinung. Und den Vorschlag, das Land könne sich doch durch den Verkauf der einen oder anderen Insel sanieren, halten alle schlicht für „unverschämt”.

Dürens Ex-Bürgermeister Josef Vosen verfolgt derzeit mit großem Interesse das Hin und Her um das milliardenschwere Rettungspaket. „Nicht zu helfen, das würde für Deutschland sehr, sehr viel teurer”, davon ist Vosen überzeugt. Er hat erlebt, dass in seiner zweiten Heimat die Gehälter der Beamten gekürzt und die Mehrwertsteuer erhöht wurden, der Benzinpreis um 40 Cent je Liter erhöht und Zigaretten teurer wurden. Das tue den kleinen Leuten weh, „und ist alles noch nicht ausreichend.” Erhöhung der Grundsteuer und am Ende sogar ein Mentalitätswechsel, was den im ganzen Mittelmeerraum üblichen Umgang mit Bakschisch betreffe, stehen laut Vosen den Griechen bevor.

Thomas Rachel, mit einer Griechin verheirateter Dürener Bundestagsabgeordneter, meint, den EU-Behörden seien offenbar falsche Zahlen genannt worden, und die EU habe es versäumt, alles ordentlich zu kontrollieren. Griechische Regierungen hätten „eindeutig große Fehler gemacht”. Die Beschimpfungen des gesamten griechischen Volkes durch die Regenbogenpresse „sind fehl am Platz”. Man sollte „nie Stimmung gegen ein anderes Volk machen”. In einem Punkt ist Rachel mit Vosen einig: Wenn man jetzt zulasse, dass Spekulanten ein ganzes Land aus dem europäischen Währungsverbund rausschießen, „würde dies für uns alle noch viel teurer”.

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