Düren: Die ganze Stadt swingt und groovt bei den Dürener Jazztagen

Düren : Die ganze Stadt swingt und groovt bei den Dürener Jazztagen

„Jazzkosmopolit“ steht auf der Visitenkarte von Oliver Mark. Jazz ist Marks große Leidenschaft, der 54-Jährige besucht um die 150 Konzerte jedes Jahr auf der ganzen Welt. Mark kennt sich aus in der Jazzszene. Und genau das ist den 28. Dürener Jazztagen sehr zugutegekommen.

Mark ist zweiter Vorsitzender des fusionierten „Planet Jazz Clubs Düren“ und in dieser Funktion zum ersten Mal für das Programm der Jazztage verantwortlich. Mit Erfolg. Die Jazztage sind wieder deutlich jazziger geworden, musikalisch anspruchsvoller — aber manchmal auch ein kleines bisschen gewöhnungsbedürftig. „Jazz“, sagt Oliver Mark, „ist unglaublich vielseitig. Je mehr man hört, desto mehr will man entdecken. Es gibt immer etwas Neues.“

Eine City voller Musik: Saxofonist Thomas L‘Etienne (kleines Foto oben), die Band „Muckefuck“ (unten Mitte) bei der offiziellen Marktplatz-Eröffnung, Airto Moreira (unten rechts) zum Abschluss der Jazztage, Sänger des Gospelchores „Crescendo“, die Dürener Band „Shakers“ und der österreichische Pianist David Helbock (großes Bild), der die Jazzfreunde auf dem Kaiserplatz immer wieder in Erstaunen versetzte. Foto: Sandra Kinkel

So wie bei dem österreichischen Pianisten David Helbock, der mit Johannes Bär und Andi Broger am Samstagabend auf der Bühne am Kaiserplatz auftrat. Bewusst hatten sich die Verantwortlichen vom „Planet Jazz Club Düren, die nach dem Tod des langjährigen Jazzclub-Vorsitzenden Rolf Delhougne innerhalb weniger Wochen das Jazztage-Programm auf die Beine stellen mussten, entschieden, das Konzert am Samstagabend in die fast schon legendäre Kneipentour zu integrieren.“ „Deswegen“, sagt Mark, „haben die Kneipenkonzerte deutlich früher angefangen. Und deswegen haben wir mit David Helbock zwar einen absoluten Könner nach Düren geholt, aber eben keinen, der die Massen anzieht. Es war unser Ziel, dass Helbock und die Bands in den 15 Kneipen der Innenstadt alle ein interessiertes Publikum hatten, ohne sich gegenseitig etwas wegzunehmen.“

... Airto Moreira zum Abschluss der Jazztage, ... Foto: Sandra Kinkel

Genau das ist gelungen. Die Cafés und Kneipen der City waren voll, überall genossen gut gelaunte Menschen den herrlichen Sommerabend mit Musik und guten Gesprächen. Genossen haben die Jazzfans sicher auch den Auftritt von „David Helbock‘s Random Control“, auch wenn die drei jungen Musiker zum Teil ungewöhnliche Klänge im Gepäck hatten, auf die man sich erst einstellen musste. Klar, die drei Männer kommen aus der Alpenregion, da ist ein Alphorn nichts Besonderes — bei den Jazztagen hatte dieses Instrument aber Premiere. Johannes Bär beherrscht das Alphorn, übrigens genau wie die Tuba, unglaublich virtuos und entlockte ihm Klänge, die man so von einem Alphorn keinesfalls erwartet.

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Helbock und seine Band präsentierten in Düren Jazz-Hits, die eigentlich jeder kennt — unter anderem „Spain“ von Chick Correa, „African Marketplace“ von Abdullah Ibrahim, „Take Five“ von Paul Desmond und „In an sentimental mood“ von Duke Ellington. Allesamt Lieder, die auch auf den ausgetrampeltesten Jazzpfaden immer wieder zu finden sind, denen Helbock, Bär und Broger völlig neue Ideen abgerungen haben. Nur ganz selten waren die Songs auf den ersten Ton zu erkennen. Die Österreicher boten keine „einfache Kost“, aber sehr wohl Musik, die es wert war, sich darauf einzulassen.

Eine City voller Musik: Saxofonist Thomas L‘Etienne (kleines Foto oben), die Band „Muckefuck“ (unten Mitte) bei der offiziellen Marktplatz-Eröffnung, Airto Moreira (unten rechts) zum Abschluss der Jazztage, Sänger des Gospelchores „Crescendo“, die Dürener Band „Shakers“ und der österreichische Pianist David Helbock (großes Bild), der die Jazzfreunde auf dem Kaiserplatz immer wieder in Erstaunen versetzte. Foto: Sandra Kinkel

Musik in der Innenstadt

dsdsdsd. Foto: Sandra Kinkel

Bereits den ganzen Samstag hatte es in der Innenstadt Musik gegeben. Bei der offiziellen Marktplatzeröffnung spielten die Dixielandband „Muckefuck“ und „Los Masis“ aus Bolivien, ab 18 Uhr gestaltete der Gospelchor „Crescendo“ einen Gottesdienst in der Marienkirche und bereitete die Dürener so auf den weiteren Jazztageabend vor. Am Sonntag gab es diverse Jazz-Frühshoppen, bevor die Jazztage am Abend mit einem fulminanten Konzert mit dem Brasilianer Airto Moreira und seiner Band endeten. Unglaublich rhythmisch, abwechslungsreich und mit vielen brasilianischen Einflüssen, feierte der Percussionist, der in diesem Jahr nur viermal in Europa, nämlich in London, Paris, Düren und München zu erleben ist, mit rund xxx Jazzfans in der Marienkirche ein großartiges Jazzfest und bescherten damit den 28. Jazztagen einen perfekten Abschluss.

„Wir hatten nur sehr wenig Zeit für die Vorbereitung dieses Festivals“, sagt Oliver Mark. „Gerade auch vor diesem Hintergrund können wir mit dem Ablauf zufrieden sein.“ Gleichwohl gebe es natürlich Verbesserungspotenzial. „Sowohl freitags als auch samstags waren bei den Gruppen, die gegen 18 Uhr gespielt haben, nur sehr wenig Zuschauer“, erklärt Mark. Man habe sich für den frühen Konzertbeginn entschieden, weil man zunächst nur eine Konzertgenehmigung bis 22 Uhr von der Stadt bekommen habe.

„Die ist kurzfristig um eine Stunde, also bis 23 Uhr, verlängert worden. Bekommen wir im nächsten Jahr wieder die längere Genehmigung, starten wir erst um 19 Uhr.“ In den nächsten Tagen wollen sich die Verantwortlichen des „Planet Jazz Clubs Düren“ an einen Tisch setzen — auch mit den Sponsoren. „Wir setzen weiter“, sagt Mark, „auf eine Mischung aus kostenlosen und Bezahl-Konzerten. Dafür ist es wichtig, dass unsere Sponsoren uns treu bleiben. Das wünschen wir uns sehr.“ Der genaue Termin für die Jazztage 2019 steht noch nicht fest.

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