Die Energiewende kommt im Niederauer Mehrfamilienhaus an

Pilotprojekt in Niederau : Die Energiewende kommt im Mehrfamilienhaus an

Mit dem Bau von Windrädern und großflächigen Photovoltaikanlagen hat die Energiewende vor Jahren begonnen, auf den Dächern vieler Einfamilienhäuser hat sie ihre Fortsetzung gefunden. Mit Bruno Caspers haben die Stadtwerke Düren nun in einem nach eigenen Angaben „einzigartigen Pilotprojekt“ in Niederau eine Lösung für Mehrfamilienhäuser gefunden.

167 Solarmodule, in unterschiedliche Himmelsrichtungen ausgerichtet, zwei Batteriespeicher, drei Wärmepumpen und zwei Ladeboxen für Elektroautos bilden in Kombination mit einer intelligenten und von den Stadtwerken eigens für das Projekt entwickelten Steuerung das Herzstück des sogenannten „Energiewendehauses“, in dem „jeder Mieter seinen Beitrag zur Energiewende leisten und ganz nebenbei auch noch sparen kann“, wie SWD-Geschäftsführer Heinrich Klocke und Bauherr Bruno Caspers betonen.

Rund 100.000 Euro haben die Stadtwerke in das Projekt investiert, das die 15 Mietparteien mehr als 80 Prozent unabhängig von Fremdstrom macht. Die 167 Solarmodule liefern jährlich rund 50.000 Kilowattstunden Strom. Strom, der entweder sofort im Haus verbraucht oder in den beiden Batterien zwischengespeichert wird. „Diese sind so ausgelegt, dass sie alle Mieter und auch die beiden E-Ladestationen eine Nacht lang mit Strom versorgen können“, erklärt SWD-Projektleiter Simon Köhler. Und weil beim sogenannten Mieterstrom weder Stromsteuer noch Netzentgelte oder andere Umlagen anfallen, ergibt sich ein Preisvorteil von etwa fünf Cent pro Kilowattstunde, im Jahr zwischen 80 und 100 Euro, rechnet Köhler vor.

Bauherr Bruno Caspers hat das „Energiewendehaus“ mit den Stadtwerken realisiert und auf den Dächern seines Objekts 167 Solarmodule installiert. Foto: ZVA/Jörg Abels

An sonnenreichen Tagen wird der überschüssige Strom aus der hauseigenen Photovoltaikanlage nicht direkt ins Netz eingespeist, sondern dazu genutzt, um mit den drei Wärmepumpen auch die im Haus benötigte Wärme zu erzeugen. Erst wenn dann noch etwas übrig ist, wird Reststrom auch noch ins Netz abgegeben. Intelligente Zähler dokumentieren dabei sekundengenau, wie viel Strom jeder einzelne Mieter verbraucht hat.

Bauherr Bruno Caspers ist begeistert von dem Pilotprojekt, das ihm zusätzliche Vermietungsanreize liefert und das von den SWD ständig optimiert wird. Schon jetzt sind Heinrich Klocke und Simon Köhler überzeugt, die Investitionskosten bei künftigen Projekten weiter senken zu können. Klocke könnte sich zum Beispiel vorstellen, dass das Modell „Energiewendehaus“ in Zukunft als Beitrag zur Energiewende nicht nur bei Mehrfamilienhäusern, sondern auch bei Wohnquartieren mit mehreren Objekten zum Einsatz kommen könnte, immer individuell auf die jeweiligen Bedürfnisse angepasst.

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