Düren: Die Annakirmes ist in diesem Jahr „hoch und hochwertig“

Düren : Die Annakirmes ist in diesem Jahr „hoch und hochwertig“

Überall auf dem Annakirmesplatz wird geschraubt und gewerkelt — noch zwei Tage, dann muss alles fertig sein. Riesige Kräne, große Maschinen und vor allem viel Muskelkraft sind im Einsatz, damit auf dem großen Platz an der Aachener Straße die Annakirmes entsteht. Nur da, wo ab Samstag der „Breakdance“, also das Fahrgeschäft von Claudia Vespermann-Dreher, seine Runden drehen soll, ist alles ruhig.

Der Schaustellerin aus Bremen war eine einstweilige Verfügung des Oberverwaltungsgerichtes (OVG) Münster zugestellt worden. Darin stand, dass sie erst dann mit dem Aufbau beginnen darf, wenn geklärt ist, welcher „Breakdance“ auf der Annakirmes stehen darf.

Wie berichtet, hatte nämlich die Schaustellerfamilie Kinzler aus Waiblingen beim OVG Beschwerde eingelegt und auf nachträgliche Zulassung für die Annakirmes geklagt. Erst gegen 16.45 Uhr lag Mittwoch eine Entscheidung des Gerichts vor: Claudia Vespermann-Dreher und ihr Team dürfen aufbauen, der Antrag der Familie Kinzler wurde abgelehnt. Die Begründung für seine Entscheidung wird das Gericht nachliefern. Vespermann-Dreher war sehr erleichtert über das Urteil aus Münster und hat sofort mit dem Aufbau ihres Fahrgeschäftes begonnen.

Schlecht für die Stimmung

Um die Schaustellerin am Aufbau ihres Fahrgeschäftes zu hindern, hatte die Kirmesverwaltung der Stadt Düren zeitweise ihr Annakirmesauto so geparkt, dass der „Breakdance“ total blockiert war. „Das ist ein Unding“, sagte Hans-Bert Cremer, Vorsitzender des Dürener Schausteller-Verbandes am Mittwoch. „Es geht nicht, dass mit einer Kollegin, die einen gültigen Vertrag für die Annakirmes hat, so umgegangen wird.“

Der eine Schausteller konnte in Düren nicht aufbauen, der andere saß auf gepackten Koffern in Düsseldorf und hoffte, noch eine Zulassung für die Annakirmes zu bekommen. „Das ist für beide“, so Hans-Bert Cremer, „eine blöde Situation. Die Emotionen sind gestern wirklich hochgekocht.“

Überhaupt zeigte sich der Schausteller-Chef nicht erfreut, dass es vor der Annakirmes 2018 erneut so viele Klagen gegeben hat. „Ich hatte geglaubt, dass wir in diesem Jahr in dieser Frage eine ruhige Kirmes haben, aber genau das Gegenteil ist der Fall. Das sind Schlagzeilen, die wir uns nicht wünschen. Und die ganze Geschichte ist auch für die Stimmung bei den Schaustellern alles andere als gut.“

Für Hubert Cremer (FDP), Vorsitzender des Steuerausschusses der Stadt Düren und damit verantwortlich für die Platzvergabe auf der Annakirmes, sind die Klagen „hausgemacht“. „Wir haben in unserer Sondersitzung am Dienstag noch einmal die Zulassung des Fahrgeschäftes von Frau Vespermann-Dreher bekräftigt. Ihr ‚Breakdance‘ ist moderner, technisch auf neuestem Stand.“ Die Verwaltung, ergänzt Hubert Cremer, habe mit den Absagen an die Schausteller alte Begründungen verschickt. „Das waren Formbriefe und nur deswegen ist es überhaupt zu den Klagen gekommen.“

Einen Vorwurf, den die zuständige Dezernentin Christine Käuffer weit von sich weist. „Wir haben genau die Begründungen genommen, die der Steuerausschuss formuliert und die unser Anwalt noch einmal geprüft hat.“ Zudem, so Käuffer weiter, seien nicht einzelne Formulierungen der Begründungen Grund für die Klagen gewesen. „Die Schausteller haben vielmehr bemängelt, dass ihr Fahrgeschäft grundsätzlich nicht genug gewürdigt worden sei und die Begründungen für die Absage nicht ausreichend gewesen seien.“

In einem Fall hatte das Verwaltungsgericht Aachen bemängelt, die Stadt hätte bei der Vergabe nicht berücksichtigt, dass von dem Fahrgeschäft im vergangenen Jahr ein Bauteil herabgefallen sei und ein Mitarbeiter eine junge Kirmesbesucherin sexuell belästigt habe. „Beide Vorwürfe sind im Ausschuss besprochen wurden“, sagte Hubert Cremer am Mittwoch. Bei dem heruntergefallenen Bauteil habe es sich um „eine Lapalie“, nämlich ein 19 Zentimeter Plastik-Dekoteil gehandelt, das niemanden verletzt habe. „Die Anzeige wegen sexueller Beleidigung wurde meines Wissens zurückgenommen“, so Hubert Cremer. „Ich bin Vorsitzender des Steuerausschusses und nicht Erfüllungsgehilfe der Staatsanwaltschaft.“

Allen Querelen, Klagen und Diskussionen zum Trotz erwartet die Annakirmes-Freunde ab Samstag ein besonderer Rummel. „So eine Kirmes-Skyline wie in diesem Jahr hatten wir noch nie“, freute sich Jörg Henke vom Schausteller-Verband. „Die ist wirklich einzigartig.“ Und in der Tat: Ob der 80 Meter Freifall-Turm oder der genauso hohe Kettenflieger, das Riesenrad, der 55 Meter hohe „XXL Propeller“ und die beiden Achterbahnen „Spinning Racer“ und „XXLMaus“ — der Dürener Rummel wird schneller und vor allen Dingen höher.

„Leider“, sagt Hubert Cremer, „ist es uns nicht gelungen, mit drei 80 Meter hohen Türmen das Oktoberfest zu übertrumpfen, aber immerhin sind wir mit München gleichgezogen.“ Auch Schausteller-Chef Hans-Bert Cremer spricht von einer sehr guten Kirmes-Bestückung. „Die Annakirmes 2018 ist nicht nur hoch, sie ist auch hochwertig“, sagt er. „Und wir freuen uns sehr auf unsere Heimatveranstaltung.“

Grund zur Freude hatte auch Peter Borsdorff, der „Läufer mit der Sammelbüchse“. Er bekam für seine Aktion „Running for Kids“ den Erlös eines Kirmesinfostandes in der Innenstadt — immerhin 342 Euro.

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