Düren: Die Annakirmes: „Ein großer Pluspunkt im Stadtmarketing”

Düren: Die Annakirmes: „Ein großer Pluspunkt im Stadtmarketing”

Profitiert die Stadt Düren eigentlich von der Annakirmes? Am Samstag öffnet der große Rummel an der Aachener Straße wieder für neun Tage seine Pforten und Hunderttausende Menschen strömen auf den Platz. Aber was hat die Stadt davon? Bringt die Kirmes in Zeiten knapp(st)er Kassen dem Stadtsäckel einen finanziellen Vorteil? Tut sie nicht, jedenfalls nicht direkt.

Die Schausteller, die mit ihren Fahrgeschäften und Imbissbuden auf den Rummel kommen, zahlen natürlich Standgebühren, aber es gibt einen Ratsbeschluss, der besagt, dass Einnahmen und Ausgaben der Annakirmes sich decken müssen - jedenfalls noch bis zum Jubiläumsrummel im kommenden Jahr, wenn die Annakirmes zum 375. Mal stattfindet. Für die Stadt Düren kostet die Kirmes etwas mehr als 200.000 Euro, diese Summe wird durch die Standgelder wieder reingeholt.

Bernd Kürten, Leiter des Amtes für Stadtentwicklung, erklärt, wie diese Summe zusammenkommt: „Zunächst einmal stellen wir den Platz zur Verfügung, der ist alt und muss hin und wieder erneuert werden. Es gibt bestimmte Ausrüstungsgegenstände, wie zum Beispiel die Feuerwache, die wir nur für die Annakirmes brauchen.”

Hinzu kommt das städtische Personal, das auf dem Kirmesplatz im Einsatz, allen voran Platzmeister Achim Greiff, aber auch andere Mitarbeiter aus dem Vermessungsamt. „Die Werbekosten sind auch sehr hoch”, sagt Bern Kürten. Nach der Love-Parade-Katastrophe in Duisburg habe es zudem ein neues Sicherheitskonzept gegeben. „Wir haben zum Beispiel den privaten Sicherheitsdienst auf dem Platz sehr verstärkt”, sagt Kürten. „Auch diese Kosten trägt die Stadt.”

Bürgermeister Paul Larue ist davon überzeugt, dass man die Kirmes nicht darauf reduzieren darf, was die der Stadtkasse bringt. „Da müssen wir die ganze Stadt sehen”, so Larue. Die Annakirmes bringe neun Mal so viele Menschen nach Düren, wie in der Stadt leben. „Und zumindest auf den Wegen zum Kirmesplatz kaufen die auch ein oder gehen in Gaststätten.”

Nicht zu vergessen, die knapp 1000 Leute, die im Schnitt drei Wochen in Düren sind, weil sie auf dem Rummel arbeiten. Natürlich ist der finanzielle Nutzen, den diese Menschen der Stadt bringen, nur schwer konkret in Euro messbar. Laut statistischem Bundesamt verbraucht ein Vier-Personen-Haushalt im Monat durchschnittlich 290 Euro für Lebensmittel, Getränke und Tabak. Würde man das einfach auf die 1000 Kirmesarbeiter hochrechnen, kämen in den drei Wochen immerhin auch über 50 000 Euro zusammen.

Genau messbar ist dagegen der Stromverbrauch des Rummels und der damit verbundene pekuniäre Nutzen für die Stadtwerke: In neun Tagen werden auf der Kirmes etwa 350.000 Kilowattstunden Strom verbraucht. Das entspricht in etwa dem Stromverbrauch von 350 Drei-Personen-Haushalten im Jahr. Und die wiederum zahlen jährlich 920 Euro. Das bedeutet einen finanziellen Gewinn von über 320.000 Euro.

„Die Kirmes”, bekräftigt Paul Larue, „bringt der gesamten Stadt und der Region einen Gewinn. In manchen Bereichen finanzieller Art, vor allen Dingen aber ist die Annakirmes genau wie übrigens auch die Annaoktav ein sehr großer Pluspunkt im Stadtmarketing. Die Kirmes ist prägend für unser Stadtprofil.”

Darüber hinaus gibt der Bürgermeister noch zu bedenken, dass die Anzahl großer Fahrgeschäfte immer weniger und die Konkurrenz durch Freizeitparks mit ihren verlockenden Angeboten immer größer würde. „Wenn wir gute Fahrgeschäfte nach Düren bekommen wollen, müssen wir auch attraktive Bedingungen für die Schausteller schaffen.”

Ein Satz, den Hans-Bert Cremer vermutlich sofort unterschreiben würde. „Es gibt den Ratsbeschluss”, so der Vorsitzende des Dürener Schaustellerverbandes”, dass die Veranstaltung kostendeckend sein muss. Man könnte aber darüber nachdenken, ob die Stadt den Schaustellern nicht einen Zuschuss zahlen müsste wegen des großen Imagegewinns. Dass die Stadt an der Kirmes verdienen soll, ist absoluter Blödsinn.”

Sollte es im nächsten Jahr einen entsprechenden neuen Ratsbeschluss geben, so Cremer, würde das sehr kontrovers diskutiert. Cremer gibt allerdings zu, dass die Standgelder nur ein sehr geringer Anteil an den dauernd steigenden Kosten der Schausteller seien. „GEMA, Berufsgenossenschaft, Versicherungen und Energiekosten sind viel höher und steigen in Unermessliche.”

Lust auf die Annakirmes? Dann gewinnen Sie doch einen Blick hinter die Kulissen.