"Der weiße Wolf" im Haus der Stadt

Ein spannendes Kindermärchen : Jagdszene in minimaler Requisite im Haus der Stadt

Es war einmal ein König und seine Königin, die ein Kind erwarteten. Aber dieses Kind, so prophezeiten drei Zauberer, werde ein Wolf sein.

Aus Angst und Scham wollte der König das Neugeborene ertränken lassen, aber sein Diener brachte es nicht übers Herz und setzte den Jungen stattdessen im Wald aus. Dort fand ihn eine Wolfsmutter und so begann die Geschichte vom „Weißen Wolf“.

Dieses Theaterstück für Kinder nach der Erzählung von Paul Maar brachte das Ensemble „Wolkenstein“ auf die Studiobühne im Haus der Stadt. Die Geschichte erwachte durch Tanz und Live-Musik zum Leben und entführte die Zuschauer auf den voll besetzten Rängen in eine märchenhafte Welt.

Unter der Regie von Marco Süß reichten dafür minimale Requisiten. Leicht durchscheinende bewegliche Wandelemente dienten mal als Ornamente im königlichen Palast, mal als Bäume im Wald und zuletzt sogar als Käfig für den weißen Wolf. Auch musikalisch wurden die Elemente eingesetzt, denn sie fungierten auch als Trommeln.

Mit der Tanzchoreografie von Andrea Lucas und zur Musik von Thomas Marey präsentierte das Ensemble das Erzähltheater vom weißen Wolf streckenweise auch ganz ohne Text, dafür aber umso ausdrucksstärker in Bewegung und akustischer Atmosphäre. Dabei übernahmen die verschiedenen Rollen Henning Jung, Arthur Schopa, Andrea Lucas und Musiker Leo Huhn.

Die Inszenierung traf den ernsten und zeitweise recht dunklen Kern der Geschichte. Der ausgesetzte Königssohn wird zum Anführer des Wolfrudels, nur um dann von seinem Vater gejagt zu werden. Seine Wolfsmutter stirbt, und er landet als Attraktion in einem Käfig vor dem Schloss. Erst einige Zeit später vermutet ein alter Lehrmeister, dass er vielleicht ein Mensch sein könnte.

Mit Musik, Licht und den rhythmischen Bewegungen der Darsteller entstand gerade bei der Jagdszene eine Spannung, die das ernste Thema gut in Szene setzte.

„Der weiße Wolf“ ist eine Erzählung mit Tiefe und das Theater „Wolkenstein“ setzte diese beeindruckend um und bewies mühelos, dass auch ein Theaterstück für Kinder nicht immer bunt und laut sein muss.

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