Der Vorfall in der Renkerstraße und die Rolle des WVER

Vorfall in der Renkerstraße : Kanaleinsturz verursacht Kosten in Millionenhöhe

Der Einsturz des Hauptabwasserkanals in der Renkerstraße Anfang Mai kommt den Wasserverband Eifel-Rur (WVER) teuer zu stehen. Wie der Verband den betroffenen Anliegern in einem der DZ vorliegenden Schreiben mitteilt, sind bis Mitte Dezember allein Kosten in  Höhe von 2,7 Millionen Euro entstanden.

Doch dabei wird es nicht bleiben. Die Kosten für die bis Ende 2019 anstehende Erneuerung des maroden Kanalabschnitts und den Bau eines zusätzlichen Kanals, in dem die Abwässer der anliegenden Häuser abtransportiert werden sollen,  müssen noch addiert werden. Gleiches gilt für die Folgen etwaiger weiterer Zwischenfälle wie den Ausfall der Heberleitung am 16. Dezember.  Mehrere Millionen dürften also noch dazukommen. 

Die Frage, die die in ihrer Lebensqualität seit dem Kanaleinsturz massiv beeinträchtigten Anwohner von Renker- und Gerhard-Fuß-Straße um Alfred Jannes massiv umtreibt, ist: Hätte der Einsturz des in den 60er Jahren erbauten und seit 1993 im Besitz des WVER befindlichen Kanals mit all seinen Folgen – dem mehrfachen Fäkalienaustritt, der Geruchs- und Lärmbelästigung und der Dauerbaustelle vor der Tür, um nur einige zu nennen ­– nicht verhindert werden können?

Alfred Jannes wirft dem WVER vor, seinen gesetzlichen Pflichten bei der Kanalüberwachung nicht nachgekommen und damit mitverantwortlich für den Einsturz zu sein. Denn Kanalnetzbetreiber müssen ihre Kanäle regelmäßig überprüfen.  Das ist in einer  sogenannten Selbstüberwachungs-Verordnung geregelt,  ist aber, wie der WVER selber eingesteht, in den Jahren 1996 und 1997 nur für den südlichen Abschnitt von der heutigen Firma Metsä Tissue in Untermaubach bis zur Kreuzung Gerhard-Fuß-Straße/Renkerstraße erfolgt ­– nur wenige Meter entfernt, auf der anderen Seite der Bahnlinie kam es zum Einsturz.

Dass der restliche Kanal bis zur Kläranlage Merken nicht untersucht wurde, begründet der WVER mit „fehlender technischer Machbarkeit“.  Im WVER-Jahresbericht 2013 liest sich das wie folgt: „Aufgrund der ständig hohen Wasserführung im Kanal und der nicht vorhandenen Redundanz in der Rohrleitung konnte dieser Kanal bisher nicht vollständig gemäß der Verordnung geprüft werden.“  Will heißen: Es fehlte laut WVER eine Möglichkeit, das Abwasser umzuleiten.

Für Jannes und seine Mitstreiter ein Unding: „Der WVER kann sich doch nicht über gesetzliche Vorschriften hinwegsetzen“, betont der Anwohner der Renkerstraße. Von der zuständigen Aufsichtsbehörde, der Bezirksregierung Köln, hat Jannes erfahren, dass das Unterlassen der vorgegebenen Inspektionen von der Bezirksregierung nicht genehmigt worden ist. 

Die Kölner Behörde spricht vielmehr von „jahrelangen Pflichtversäumnissen“ in einem dauerhaft mit aggressivem industriellen Abwasser bespannten Kanal und kommt in einem der DZ ebenfalls vorliegenden Schreiben an den WVER zu einem anderem Ergebnis:  Dass eine Untersuchung des Sammlers möglich sei, hätten die in Folge des Einsturzes in der Renkerstraße getroffenen Maßnahmen gezeigt.

Der WVER verweist derweil darauf, dass er den Hauptabwasserkanal 2013 im Bereich Birkesdorf nach dem Bau einer Parallelleitung auf einer Länge von 270 Metern untersucht und dabei zwar einen Sanierungsbedarf festgestellt habe, die statische Struktur des Rohres aber noch gut gewesen sei (Jahresbericht 2013).

In der Folge wurden daher die Planungen für den Bau eines Parallelkanals forciert, der aber ­– wie wir heute wissen –frühestens 2021 gebaut werden kann.  Zudem habe man aufgrund der vorliegenden Unterlagen aus den 60er Jahren davon ausgehen müssen, dass in der Renkerstraße Steinzeug eingebaut wurde, dass von den aggressiven Abwässern (Schwefelwasserstoff) nicht angegriffen  werden kann. Dass dort ungeschützter Beton verarbeitet wurde, sei erst nach dem Einsturz bekanntgeworden.

Den kompletten Kanal untersucht hat der WVER erst nach dem Einsturz. Laut Verband habe es der technische Fortschritt jetzt erlaubt, ein Videoboot in Form eines Eigenbaus einzusetzen, relevante Schäden, die zum sofortigen Handeln Anlass gegeben hätten, seien bei der Untersuchung von 98 Prozent des Kanals nicht festgestellt worden.

Lediglich eine ganze Reihe von Schächten müsse saniert werden.  Allerdings weist die darüber informierte Bezirksregierung auch darauf hin, dass die Videobootsbefahrung noch nicht ausreicht, um die Anforderungen der Selbstüberwachungs-Verordnung zu erfüllen, weil sie keinen Aufschluss über den Kanalzustand unterhalb des Wasserspiegels liefert und sieht daher noch keinen Grund für eine Entwarnung.

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