Merzenich: Der Plan des Seniorenbeaufragten Michael Staab geht auf

Merzenich: Der Plan des Seniorenbeaufragten Michael Staab geht auf

Als Michael Staab zum ersten Mal Senioren einlud, dachte er: „Wenn sechs Leute kommen, dann hab ich eine Gruppe, das wär schon mal gut.“ Damals kamen zum ersten Treffen nicht sechs, sondern 30 Personen. Und seit damals, im November 2009, werden es immer mehr, die der Diplom-Sozialarbeiter mit seiner Arbeit erreichen kann.

Angefangen hatte alles Anfang 2009, als Staab dem Bürgermeister in Merzenich vorschlug, die Seniorenarbeit zu intensivieren, um eine Vereinsamung älterer Menschen zu verhindern. Staabs Ausbildung und bisherige Arbeit war bis dahin ganz auf Jugendliche und Familien ausgerichtet. „Aber ich wollte eine neue Herausforderung“, erinnert sich der 48-Jährige.

Beim Bürgermeister rannte er offenen Türen ein, den Rat zu überzeugen, das war schon viel, viel schwerer und dauerte lange. Doch am Ende klappte auch das, die „Freizeitgemeinschaft 55+“ wurde gegründet und Staab ist heute offiziell „Seniorenbeauftragter der Gemeinde Merzenich“. Die Jugendarbeit macht nur noch einen kleinen Teil seiner Tätigkeit aus.

Staab hat erreicht, dass Menschen ab 60 in Merzenich aktiv werden. Das war von Anfang an sein Konzept. Die Senioren sollten nicht konsumieren, sie sollten nicht angeleitet werden, sondern selbst Ideen entwickeln und die Umsetzung organisieren. Heute sind 200 Personen in Merzenich dabei. Sie bilden Interessengruppen: wandern, fahren Rad, kegeln, treiben zusammen Sport oder unternehmen Tagestouren. Eine Gruppe habe sich jetzt gegründet, die ehrenamtlich Kinder betreuen möchte.

2010 kam der Zufall zu Hilfe: RWE stellte der Gemeinde ein bergbaugeschädigtes Haus zur Verfügung. „Als ich da reinkam dachte ich: Das gibt nie was.“ Doch da hatte er die Rechnung ohne die Merzenicher Senioren gemacht. 120 Quadratmeter, weggefaulte Böden, eine unbrauchbare Elektrik und ebenso unbrauchbare Sanitäranlagen und Wasserleitungen wurden in Eigenarbeit tipptopp saniert. Im November 2011 war Einweihung (wir berichteten). Seitdem hat der Seniorenbeauftragte sein Büro im Steinweg 21, wo sich alles trifft, was sich koordiniert und versammeln will.

Skatgruppe, Erzählcafé, Männerkochgruppe, Internetgruppe, eine Gruppe, die zusammen ins Theater geht: In Merzenich hilft und unterhält man sich gegenseitig, wenn es keine Kollegen mehr gibt und der Nachwuchs erwachsen und in alle Welt zerstreut ist. Michael Staab betont allerdings, er sei „nur der Verbindungsmann“. Und er ist nicht nur zur Stelle, wenn Vorträge organisiert werden. Er sieht es als einen überaus wichtigen Teil seiner Arbeit an, sich für eine Verbesserung der Lebensqualität der älteren Merzenicher einzusetzen.

Was fehlt in Merzenich? Wo können Senioren schlecht hingelangen? Wer braucht Hilfe bei knapper Kasse, bei einem Umzug in eine kleinere Wohnung? Wer hat Probleme mit dem Vermieter? Wer hat Schulden? Für die Betroffenen gibt es im Steinweg 21 eigens eine Sprechstunde.

„Die Senioren sind gefestigte Persönlichkeiten, die braucht man nicht zu erziehen“, sagt der Sozialarbeiter auf die Frage nach dem Unterschied zwischen Jugend- und Seniorensozialarbeit. Staab macht ganz den Eindruck, als sei er zufrieden mich sich und seiner Aufbauleistung. Allerdings: Als er gleichzeitig seine Nachfolger im Jugendbereich einarbeiten und die Seniorengruppen aufbauen musste, „das hat viel Kraft gekostet“.

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