Pingsheim: Der Neustart des Obstproduzenten Levenig zum traurigen Jahrestag

Pingsheim : Der Neustart des Obstproduzenten Levenig zum traurigen Jahrestag

Das schlimmste Ereignis in der Unternehmensgeschichte der Familie Levenig jährt sich in wenigen Tagen das erste Mal. In der Nacht zum 1. Mai 2017 ist die damals neu gebaute, aber noch nicht in Betrieb genommene Lager- und Produktionshalle am Ortsrand von Pingsheim abgebrannt. Ein Millionenschaden. Im Eiltempo wurde die 8000 Quadratmeter große Halle wieder aufgezogen.

Noch ist nicht alles fertig, aber ab dem 2. Mai warten Kunden auf das neue Produkt, für dessen Zweck jene Halle überhaupt erst gebaut worden war. „Das neue Geschäftsfeld wird unser zweites Standbein“, erklärt Chef Bernhard Levenig verheißungsvoll. Er geht absolut positiv in die Zukunft, nachdem die Levenigs aus unternehmerischer Sicht ein schreckliches Jahr hinter sich hatten. Sein ausdrücklicher Dank gilt auch den 130 Feuerwehrleuten, die damals im Einsatz waren.

Das neue Obstprodukt zählt zu der „Convenience“-Sparte, was sich aus dem Englischen frei mit „bequemem Essen“ übersetzen lässt. Levenig vertreibt künftig über eine Tochterfirma Obst in Plastikbechern als kleine Mahlzeit für das Kühlregal, wahlweise mit Joghurt. Der größte Teil der Früchte (Erd-, Brom-, Himbeeren) kommt aus eigenem Anbau. 389 Supermärkte in der Region werden die handlichen Becher anbieten.

„Das neue Produkt war nur mit dieser Halle möglich, also haben wir ein Jahr verloren. Der Wettbewerb beginnt jetzt wieder von Neuem“, sagt Bernard Levenig. „Und den Fuß auf dem Lebensmittelmarkt in die Tür zu bekommen, ist nicht gerade einfach“, betont Patrick Justen, 27, einer von zwei Geschäftsführern der neuen Marke. Aber: Das Familienunternehmen mit heute 50 fest angestellten Mitarbeitern am Rande der Gemeinde Nörvenich sei seit 40 Jahren Partner bestimmter Supermärkte.

Es mag zynisch klingen, aber die Levenigs hatten nach dem Brand ein Jahr länger Zeit, ihr neues Produkt „zu perfektionieren“. Ende 2016 lief das Projekt an, für das 25 Festangestellte beschäftigt sind — auch die konnten ihre Arbeit erst ein Jahr später aufnehmen. Im gekühlten und wegen der Hygiene hermetisch abgeriegelten Produktionsraum werden alle Früchte per Hand bearbeitet, betont Justen. Im Lagerbereich mit 1800 Quadratmetern finden rund 1500 Paletten nebeneinander Platz, um die Dimension zu beschreiben.

Ein Millionenschaden

Die Zeit vor dem Wiederaufbau und die dreimonatigen Abbrucharbeiten beschreibt Bernhard Levenig als „kleinen Kampf mit der Versicherung“, der letztlich gut für den Unternehmer ausgegangen ist — es ging um einen Schaden von mehr als 2,5 Millionen Euro, den ein technischer Defekt verursacht hatte. „Normalerweise dauert so ein Fall für die Versicherungen zwei oder drei Jahre, von daher bin ich sehr zufrieden, auch wenn nicht alles von der Versicherung übernommen worden ist“, sagt Levenig.

Zum Beispiel wurden Spezialtüren zerstört, die noch nicht montiert waren, sie würden jedoch nicht bezahlt, weil sie noch nicht zum festen Gebäude gezählt hatten. „Bei den Gesprächen haben wir schon Angst bekommen, ob wir das alles überhaupt gestemmt bekommen“, gibt Bernard Levenig zu, denn obendrauf kommt noch die Tatsache, dass bis zu 80 Prozent der Blüten der Erd-, Stachel- und Johannisbeeren in der Frostnacht auf den 20. April 2017 eingegangen waren. Ebenfalls ein wirtschaftliches Desaster.

Mit dem Neubau ist auch die Geschäftsstelle des Betriebes aus dem Ort gezogen. Bald sollen die Unterkünfte der bis zu 500 Erntehelfer aus Osteuropa (bis zu 300 sind gleichzeitig vor Ort) folgen. In der Vergangenheit hatte die Unterbringung im Ort wegen Ruhestörungen zu Beschwerden geführt.

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