Gartenbesitzerin aus Leidenschaft: „Der Mensch gehört für mich zur Natur“

Gartenbesitzerin aus Leidenschaft : „Der Mensch gehört für mich zur Natur“

„Es ist ein bisschen wie bei Harry Potter. Man muss hier durch die Wand laufen, um zum Ziel zu kommen“, erklärt die Gärtnermeisterin Dorothea Hüffelmann und zeigt lachend auf eine kleine Öffnung in einer Steinmauer.

Diese trennt den Hof ihres 200 Jahre alten Fachwerkhauses, der ihr Blumengeschäft beherbergt, vom privaten Naturgarten. In den lädt sie heute und morgen Besucher im Rahmen der Aktionstage „Offene Gartenpforte Rheinland“ ein. Am Sonntag erwartet die Gäste eine Lesung des Schauspielers Neven Nöthig.

Hinter ihrem Blumengeschäft verbirgt sich der naturbelassene Garten von Dorothea Hüffelmann. Am Sonntag liest dort der Schauspieler Neven Nöthig. Foto: Marija Magdic

Bäume als Mitbringsel von Reisen

„Ich freue mich vor allem darauf, mit den Besuchern ins Gespräch zu kommen“, sagt Hüffelmann. „Der Mensch gehört für mich zur Natur. Jeder hat seine Geschichten und Erfahrungen. So ein Austausch bereichert.“ Ihr naturbelassener Garten soll dazu beitragen, eine möglichst ungezwungene und entspannte Atmosphäre zu schaffen. „Je naturgetreuer ein Garten ist, desto natürlicher verhalten sich auch die Menschen“, ist sie überzeugt.

Viele Bäume, die auf dem 1600 Quadratmeter großen Gelände stehen, hat die 55-Jährige von Reisen mitgebracht, wie die Korkeiche aus Korsika, deren Rinde unter anderem für Pinnwände genutzt werden kann. Auch den Judasbaum, der die Blüten am Stamm trägt, und den wohlduftenden Amberbaum, der für wertvolles Parfüm verwendet wird, können die Besucher dort entdecken. „Bei mir gibt es vor allem robuste Pflanzen in Kombination mit ausgefallen Bäumen. Ich will damit auch zeigen, dass ein naturnaher Garten nicht viel Arbeit machen muss“, sagt Hüffelmann. „Die Pflanzen können für mich Geschichten erzählen. Deswegen bringe ich auch gerne Menschen hier rein, die auch etwas berichten wollen.“

Zu letzterer Kategorie gehört auch der Schauspieler Neven Nöthig aus Düren, den Hüffelmann zu ihren Freunden zählt. Er wird am Sonntag über den Tag verteilt aus den Werken des russischen Schriftstellers Anton Tschechow lesen. Im Gepäck hat er Texte aus „Eine miese Geschichte“ (1882) und „Rendezvous in der Sommerfrische“. Die humorvollen Kurzgeschichten sollen laut Hüffelmann auch ein Abschied vom Sommer sein und gleichzeitig das Willkommenheißen des Herbstes symbolisieren.

Es ginge bei der Lesung auch darum, die Rolle des Menschen in der Welt zu beleuchten, und mit den eigenen Stärken und Schwächen umgehen zu können. Die Gärtnermeisterin zieht einen Vergleich und meint: „Hier wimmeln vielen Pflanzen durch die Beete hin zum Licht, die zeigen ‚Ich hab es geschafft‘. Das ist bei Menschen ja ähnlich.“

Vor zwei Jahren hat Nöthig schon einmal in dem Garten gelesen. „Als Schauspieler kann er gerade diese Geschichten, die auch zu ihm passen, sehr gut erzählen und rüberbringen.“ Die Leseblöcke werden rund 15 Minuten dauern. Feste Zeiten gebe es nicht, da es auch von der Stimmung und der Besucheranzahl abhänge. Hüffelmann erwartet an beiden Tagen insgesamt rund 300 Gäste in ihrem Garten. Alle paar Monate lädt sie ihre Kunden und andere Gäste dorthin ein. Gerade im Rahmen der „Offene Gartenpforte Rheinland“ verspricht sie sich reges Interesse.

Während dieser Aktionstage, die vom Amt für Stadtgrün Bonn, der Stiftung Schloß Dyck und der Deutschen Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur federführend koordiniert werden, zeigen Gartenbesitzer ab Mai im ganzen Rheinland ihre persönlichen Naturparadiese. Allerdings lässt die Teilnehmerzahl in der Region zu wünschen übrig, laut Hüffelmann. Neben ihr beteiligen sich nur vier weitere Gartenbesitzer im Kreis Düren und der Städteregion. Sie haben ihre Pforten bereits im Mai und Juni geöffnet. Im gesamten Rheinland sind hingegen rund 160 Teilnehmer verzeichnet. Hüffelmann will motivieren und sagt lachend: „Ich habe bis jetzt auch nicht aufgehört, bei der Aktion mitzumachen, weil noch nicht genügend Gartenbesitzer in der Nähe sind, die nachfolgen.“

Mehr von Aachener Nachrichten