Düren: Der letzte Kayser von Heimbach

Düren: Der letzte Kayser von Heimbach

. Willi Kayser hat sich die Frage nie gestellt. Für den Mann aus Düren war schon immer klar, dass er bei der Firma Thomas Josef Heimbach in Mariaweiler arbeiten würde. Heimbach liegt den Kaysers nämlich im Blut. Vermutlich arbeitete schon Ur-Ur-Großvater Kayser bei Heimbach.

Johannes Henricus Kayser hieß der Mann, der von 1795 bis 1859 gelebt hat. Papiermacher war der Urahne. Das war das Resultat der KayserÔschen Ahnenforschung. „Wahrscheinlich hat er zur ersten Generation von Arbeitern gehört, die hier tätig waren”, erzählt Nachfahre Willi Kayser. Zeitlich würde das passen. Heimbach feiert in diesem Jahr 200 Jahre Bestehen. Vermutlich sind die Kaysers von Anfang an dabei gewesen.

Der Begriff Familienunternehmen erhält eine neue Dimension. Der Ur-Großvater, Franz-Josef Kayser, lebte von 1829 bis 1899 und war gelernter Tuchweber. „Definitiv sagen können wir es ab meinem Großvater. Franz Kayser war Laborant und arbeitete von 1918 bis 1959 in Mariaweiler.”

Erinnern kann sich Willi Kayser nicht mehr. Dabei sind schon seine frühesten Kindheitserinnerungen mit seinem Arbeitgeber verbunden. Der Grund ist Vater Wilhelm. Vorarbeiter in der Kraftzentrale war der Senior. Er hat die große Dampfmaschine, die die Firma Jahrzehnte mit Strom versorgt hat, bedient. Und noch ein bisschen mehr.

Unmittelbar nach dem Krieg hat die Maschine das zerstörte Düren schon mit Strom beliefert. Vater Wilhelm war da schon dabei. 1942 stieg er bei Heimbach ein, 1989 ging er in Rente und will heute noch wissen, wie die Firma sich entwickelt.

Drei Mal pro Woche besucht der Sohn den Vater. „Jedes Mal fragt er, was es Neues bei Heimbach gibt”, berichtet Willi Kayser. Der Vater spreche dabei immer von „meiner Firma”.

Angesichts dieser erblichen Vorbelastung war klar, dass auch der Sohn in den Betrieb einsteigen würde. Und das schon als kleiner Steppke. „Ich war als kleiner Junge oft zu Besuch bei meinem Vater. Vor allem, wenn er die Dampfmaschine gestartet hat. Das war immer wieder ein unvergessliches Erlebnis”, erinnert sich der 55-Jährige. Später hat er Schülerjobs gemacht, um sein Taschengeld aufzubessern.

Seit 1976 arbeitet Willi Kayser bei Heimbach. Die Mutter war lange im Betrieb tätig, die Tante auch. „Das ist hier üblich. Sehr viele Angestellte bleiben lange hier. Viele sogar vom Einstieg in das Berufsleben bis zur Rente”, schildert der kaufmännische Angestellte.

Genau diesen Plan hat Willi Kayser auch. „Ich fühle mich hier wohl. Warum sollte ich wo anders hin gehen?”, fragt der bisher letzte Kayser bei Heimbach.

Das denkt sich offenbar auch die nächste Generation Kayser. Tochter Maren geht zwar noch zu Schule. „Sie hat mich aber schon gefragt: Und? Wie sieht es aus bei Heimbach?” Das muss in der Familie liegen.