Großprojekt in Dürener Innenstadt: Der Kaiserplatz bekommt ein neues Gesicht

Großprojekt in Dürener Innenstadt : Der Kaiserplatz bekommt ein neues Gesicht

Heiner Wingels ist vorsichtig geworden. „Nageln Sie mich nicht auf einen Zeitplan fest“, erklärte der Leiter des städtischen Tiefbauamtes am Dienstagmittag beim offiziellen Spatenstich zur Neugestaltung des Kaiserplatzes. Anderthalb Jahre sollen die Arbeiten am 6,15-Millionen-Euro-Projekt im Rahmen des Masterplans Innenstadt dauern. So ist der Plan. Insgeheim aber hofft Wingels immer noch, dass er die Fertigstellung noch in leitender Position miterleben wird. Das ist ambitioniert, denn bereits Ende November 2020 wird der Amtsleiter in Ruhestand gehen.

Deshalb wird jetzt nach wochenlanger Verzögerung, die Wingels mit einem „komplizierten und für die Verwaltung neuen elektronischen Ausschreibungs- und Vergabeverfahren begründet, mächtig auf die Tube gedrückt.

Für den symbolischen Start der „Operation am offenen Herzen der Innenstadt“, wie es Bürgermeister Paul Larue nannte, wurden die „vorbereitenden Arbeiten“ (Wingels) am Dienstag nur kurz unterbrochen. Kaum aber waren die Spaten wieder beiseitegelegt, ging die Asphaltierung des Kaiserplatzes weiter.

Denn damit im ersten Bauabschnitt ab Montag auf der Südseite entlang der Geschäfte mit der Erneuerung der in die Jahre gekommenen Hausanschlüsse und anschließend nach einer dreitägigen Kampfmittelsondierung mit dem Neubau der Regen- und Schmutzwasserkanäle begonnen werden kann, müssen die Busspuren und Haltestellen direkt vor das Rathaus verlegt werden.

„Wenn die Kanalarbeiten abgeschlossen sind, werden die alte Busspur grundlegend erneuert, neue Haltestellen angelegt und das vom Markt bekannte Pflaster verlegt“, kündigt Wingels an. Dieser erste Bauabschnitt, in den auch die Sanierung der unter Denkmalschutz stehenden Rathaustreppe fällt, sollte Ende des Jahres/Anfang 2020 abgeschlossen sein.

Im zweiten Abschnitt des Großprojektes wird es dann spannend. Denn der neue Kaiserplatz soll ja nicht nur wie bisher zentrale Bushaltestelle und Ort für Großveranstaltungen sein, sondern so attraktiv werden, dass er zum beliebten Treffpunkt wird. Dafür sollen auf der westlichen Seite Richtung Wilhelmstraße Bäume und Sitzgruppen sorgen, auf der östlichen interaktive Wasserspiele. Besonders aufwendig wird die Gestaltung der Papierintarsie in der Platzmitte, des zentralen Gestaltungselements aus dem Entwurf des Berliner Architekturbüros „Lützow 7“, das den Gestaltungswettbewerb gewonnen hatte.

Start zur Umgestaltung des Kaiserplatzes in Düren: Am Dienstag fand der offizielle Spatenstich statt. Foto: ZVA/Jörg Abels

Damit der „Hingucker“ (Larue) in Form gefalteter Papierbögen, die die Bedeutung des Werkstoffs für die Stadt Düren widerspiegeln sollen, gelingt, muss eine „Stahlkonstruktion, die die Größe und Neigung der einzelnen Flächen vorgibt, eingebaut und anschließend mit einem an der RWTH Aachen eigens entwickelten hochfesten Spezialasphalt ausgefüllt werden“, erklärt Wingels. Eine Herausforderung, mit der auch die bauausführende Firma Neuland betritt. Parallel zur Platzgestaltung erfolgen die Erneuerung der Busspuren und Haltestellen im Bereich Zehnthof- und Wilhelmstraße sowie die Pflasterarbeiten bis hin zur Rathausgasse.

Zu guter Letzt werden schließlich großzügige Sitzbänke und die neuen Wartedächer an den Bushaltestellen aufgestellt sowie ein innovatives Lichtkonzept inklusive Illuminierung des Rathauses umgesetzt. „Auf dem gesamten Kaiserplatz wird es nach der Umgestaltung auch kostenloses Wlan geben“, kündigt Wingels an. Während der gesamten Baumaßnahme werden die Busse mit wenigen Unterbrechungen den Kaiserplatz weiter anfahren können. Schließlich war es Ziel der Planer, dass das städtische Leben so wenig wie möglich eingeschränkt wird und die Attraktivität der Innenstadt nicht allzu sehr leidet, wie Paul Larue betonte.

Während des ersten Bauabschnittes halten dort Busse. Foto: ZVA/Jörg Abels

In den Gesamtkosten von 6,15 Millionen Euro ist auch der barrierefreie Zugang zur Rathausempore enthalten. Ob der rund 500.000 Euro teure Aufzug aber realisiert wird, ist weiter offen. Die Verwaltungsspitze ist sich einig, dass zur Rechtfertigung dieser Investition erst ein schlüssiges Veranstaltungskonzept für den neuen Kaiserplatz inklusive der Hochterrasse vorliegen muss. Rund 75 Prozent (4,6 Millionen Euro) werden aus Mitteln der NRW-Städtebauförderung und des für den ÖPNV zuständigen Nahverkehrs Rheinland gefördert.