Düren: Der frontale, analoge Angriff der Kabarettistin Anka Zink im „Komm“

Düren : Der frontale, analoge Angriff der Kabarettistin Anka Zink im „Komm“

Kennen Sie eigentlich noch Faxgeräte? So sah im vergangenen Jahrtausend die strahlende Zukunft der Kommunikationstechnologie aus. Etwa in den 80er Jahren war das, als der Großteil der sogenannten „Digital Natives“, die mit Hochtechnologie im Laufstall aufwachsen, noch gar nicht geboren war.

Kein Mensch konnte sich damals unter dem Begriff Smartphone etwas vorstellen, und das Ende der Wählscheibe an Telefonen galt als Quantensprung.

Zu dieser Zeit begannen die Menschen, sich Faxe zu schicken. Allerdings nicht, ohne vorher eine Kopie des Blattes gemacht zu machen. Sofern es denn überhaupt klappte, mit dem Faxen. „Ich habe lange gebraucht, bis ich verstanden habe, dass man nicht das Papier mitschickt“, räumte Anka Zink augenzwinkernd im „Komm“-Zentrum ein. Die Technik hat so ihre Tücken — damals wie heute.

„Wo pin ich? Comedy 4.0“ hatte Anka Zink ihre kurzweilige und unterhaltsame Reise durch die Irrungen und Wirrungen der Kommunikation überschrieben. Und schnell wurde klar: So viel wie heute wurde noch nie geplappert, doch zu sagen haben wir uns offenbar immer weniger. Die moderne Kulturtechnik ist das „Reiben und Wischen“ auf den smarten Geräten. Gerne auch beim Frauenarzt. „Und was wird es bei Dir?“, leitete Anka Zink einen typischen Dialog der Moderne ein, den sie im Wartezimmer aufgeschnappt hat. „Vermutlich ein iPhone.“ Zum Glück werden die Babys noch analog gezeugt. Aber wer weiß, wie lange noch...

Es ist aber nicht leicht, modern zu sein. „Alles verändert sich. Unser Kommunikationsverhalten, unsere Kaufgewohnheiten, unsere Arbeitswelt“, bilanzierte Anka Zink im ausverkauften „Komm“-Zentrum. Beispiel Autos. Ein SUV muss es schon sein, ein „super unhandliches Vehikel“. Geländetauglich, obwohl viele Fahrzeuge das Gelände vermutlich nie gesehen haben. Für diese Fälle gibt es aber „Drecksfolie“, erklärt die Kabarettisten. Die Folie lässt den fabrikneuen Wagen so aussehen, als hätte der Großstadtfahrer die Rallye Paris-Dakar gemeistert. Zink: „Das ist alles in einem Katalog zu bewundern, der vorne Frauen mit großen Reifen draufhat.“ Aber was soll‘s, die Geländewagen sind ohnehin der letzte Aufschrei der Individualität, schließlich gibt es in zehn Jahren nur noch Computer mit Rädern, mutmaßte die Hobby-Zukunftsforscherin.

Küche wird kaum noch genutzt

Der nächste Wandel hat schon längst begonnen: „Die jungen Leute wollen keine Autos mehr. Er spart auf einen neuen Computer, sie auf eine Brustvergrößerung.“ Dafür übernimmt immer mehr Technik Aufgaben, nimmt uns das Denken ab. „Meine Wohnung ähnelt immer mehr dem Außenlager eines Elektronikmarktes“, gab sich die Kabarettisten nachdenklich. Der Weg vom Bett zum Kühlschrank sieht aus wie die Landebahn eines Flughafens: überall gelbe, grüne und rote Lämpchen der Elektrogeräte im Bereitschaftsbetrieb. Die Küche wird ohnehin kaum noch genutzt, weil sich mit „Reiben und Wischen“ ja prima auch der Lieferdienst aktivieren lässt.

Schöne neue Welt? Anka Zink hat bei aller pointierten Kritik die Hoffnung nicht aufgegeben, dass der menschliche Geist die Überhand behält und die Technik uns dient — und nicht umgekehrt. Ihr Auftritt war ein frontaler, analoger Angriff auf die Lachmuskeln, der zugleich zu etwas Selbstreflexion einlud. Bei so viel Digitalem nutzte Anka Zink die Pause daher auch, um ein praktisches Utensil des Analog-Zeitalters unter das Volk zu bringen: ein Buch, aus echtem Papier. „Vor Weihnachten ist nach Weihnachten. Ich schreibe Ihnen gerne auch ‚Frohes Fest‘ rein“, rührte sie die Werbetrommel. Das Angebot kam sogar ganz ohne Allgemeine Geschäftsbedingungen, Kleingedrucktes und digitale Fallstricke aus.

(sj)