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Deutsch-belgische Stromtrasse: Der erste „Alegro“-Transformator erreicht Oberzier

Deutsch-belgische Stromtrasse : Der erste „Alegro“-Transformator erreicht Oberzier

Am Ende ging alles sehr schnell. In gut einer Stunde hatte der 260 Tonnen schwere Transformator die letzten drei Kilometer seiner Reise vom Siemens-Werk Nürnberg zur Umspannanlage Oberzier zurückgelegt.

Größere Hindernisse brauchten vom Rurtalbahn-Halt Krauthausen aus nicht aus dem Weg geräumt werden. Nur ein paar Verkehrsschilder mussten dem mehr als 50 Meter langen und mehr als 300 Tonnen schweren Transport weichen.

Zuvor war der Koloss auf dem Rhein und mit der Bahn nach Krauthausen transportiert worden, wo ihn Schwertransportspezialisten der Hanauer Firma Daher auf zwei jeweils mit zwölf Achsen ausgestattete und damit äußerst bewegliche Selbstfahrer umgeladen hatten. Die L12 zwischen Krauthausen und Niederzier musste nur kurzfristig gesperrt werden.

Der Umzug des Trafos, der inklusive einer Kühlanlage auf einen Betriebsgewicht von 350 Tonnen kommen wird, auf sein Fundament erfolgt in den kommenden Tagen. Der Trafo ist Teil der Konverterstation für die deutsch-belgische Erdkabelverbindung „Alegro“, die derzeit mit Hochdruck zwischen Oberzier und dem belgischen Lixhe errichtet wird. „Der Konverter vereint zwei Funktionen“, erklärt Projektsprecherin Joëlle Bouillon vom Übertragungsnetzbetreiber Amprion: „Wie das Netzteil eines Laptops wandelt er Wechsel- in Gleichstrom um. Außerdem kann er Gleich- wieder in Wechselstrom umwandeln und dann ins Übertragungsnetz einspeisen.“

Die Erdkabel-Verlegung (im Bild bei Huchem-Stammeln) läuft auf Hochtouren. Foto: ZVA/Jörg Abels

Die Konverterstation für die an der Umspannanlage Oberzier eine riesige Halle gebaut wird, um die sensible Technik aus Transistoren, Dioden, Kondensatoren und Spulen vor den Witterungseinflüssen zu schützen, wird einmal über vier Transformatoren verfügen, drei im täglichen Betrieb, einen als Reserve.

Nach Angaben von Amprion-Sprecherin Joëlle Bouillon sollen die drei weiteren Trafos voraussichtlich im Juli zum Umspannwerk Oberzier transportiert werden. Bis Mitte Oktober dürfte die komplette Konverterhalle stehen. „Wir wollen diesen Meilenstein des Projekts feiern und werden zu einem Tag der offenen Baustelle einladen“, kündigt Bouillon an. Ein genauer Termin steht aber noch nicht fest.

Die Konverterbaustelle an der Umspannanlage Oberzier. Foto: Amprion

Parallel wird an der Erdkabeltrasse gearbeitet. Von den 40 Kilometern auf deutscher Seite wurden seit März sieben Kilometer der Kabelschutzrohre, in die später die Stromkabel eingezogen werden, bereits verlegt, weitere 23 Kilometer sind im Bau. „Man darf sich eine Erdkabelbaustelle nicht so vorstellen, dass man an einem Ende startet und dann Meter für Meter weiterzieht“, erklärt Bauprojektleiter Rainer Millinghaus.

Es handele sich vielmehr um einen Baustellenflickenteppich, der nach und nach zusammenwachse. So finden sich derzeit unter anderem Kabelbaustellen nahe Huchem-Stammeln und entlang der A4 zwischen Echtz und Inden/Luchem. Bevor die Bagger anrollen können, müssen die archäologischen Untersuchungen und die Kampfmittelräumung auf der Trasse abgeschlossen sein. Auch Bodenkundler und eine naturschutzfachliche Begleitung werden hinzugezogen.

Die erste direkte Stromverbindung zwischen Deutschland und Belgien mit einer Transportkapazität von 1000 Megawatt soll bis Ende 2020 in Betrieb gehen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Ein 260-Tonnen-Riesentrafo auf der Reise