Niederzier: Der Bergwelt stehen doch Bäume im Weg

Niederzier: Der Bergwelt stehen doch Bäume im Weg

Der Jubel der Politiker war groß, als die Machbarkeitsstudie „Bergwelt Sophienhöhe” vorgestellt wurde. In der Öffentlichkeit gab es verteilte Reaktionen: Im Online-Forum unserer Zeitung zum Beispiel zeigten sich durchaus erfreute Mountain-Bike-Fans, skeptische Naturfreunde und irritierte Ortsansässige.

Die Irritation gilt vor allem einer Aussage in der Machbarkeitsstudie: Die geplanten Freizeiteinrichtungen mit Bergbahn, Gipfelrestaurant, Fahrrad-Pisten, Sommerrodelbahn und mehr sollten quasi auf einer heutigen „Kraterlandschaft” entstehen, die noch von den Tagebaubaggern durchpflügt wird. Sieht man sich vor Ort um, dann drängt sich ein anderer Eindruck auf. Hier regiert die Natur, die Bagger sind weg.

Vor allem am Fuße der „Bergwelt” befindet sich schon ein stattlicher Wald, der mehr als zehn Jahre Zeit gehabt haben muss, um die heutige Höhe zu erreichen. Genau hier sollen - nach den Angaben bei der Vorstellung am Dienstag - aber die Tragepfeiler der Seilbahn und auch die Trassen für die Sommerrodelbahn sowie die Mountainbike-Strecken entstehen. Es ist schwer vorstellbar, dass dies ohne Eingriffe in die rekultivierte Fläche zu schaffen ist. Mit Fragen dazu dürften heute die Autoren und Auftraggeber der Machbarkeitsstudie bei einer Infoveranstaltung konfrontiert werden. Sie beginnt um 18.30 Uhr in der Aula der Gesamtschule Niederzier/Merzenich, Am Weiherhof 22 in Niederzier, und ist öffentlich.

Letzten Dienstag hatte Planer Christoph Schrahe von Montenius Consult (Köln) wörtlich gesagt: „Wir brauchen keine Bäume zu fällen, denn da stehen keine Bäume!” Dieser Äußerung haben wohl auch die Landräte Wolfgang Spelthahn (Kreis Düren) und Werner Stump (Rhein-Erft-Kreis) Glauben geschenkt. Spelthahn zeigte sich vor allem begeistert, weil der Sinn und Zweck der Sophienhöhe, der „milden Erholung zu dienen”, erhalten bleibe.

Doch nicht nur am Fuße der geplanten offenen Freizeiteinrichtung „Bergwelt Sophienhöhe” ist schon reichlich Natur zu finden - auch weiter oben, wenn auch die Pflanzungen erkennbar erheblich jünger sind. Diesen Bereich hat die Studie allerdings auf dem „Radar” und konstatiert, dass hier die „Rekultivierung noch nicht weit fortgeschritten” sei. Die Studie schätzt die möglichen Besucherzahlen recht vorsichtig ein. Von 140.000 Gästen im Jahr ist da die Rede - bei einem Einzugsbereich, der in 30 Auto-Minuten fast drei Millionen Menschen zählt.

Die geplante Bergbahn ist jedenfalls auch für deutlich mehr Menschenmassen geeignet. Sie schafft laut Studie bei 18 Gondeln und jeweils acht Sitzplätzen 1800 Personen - und zwar in der Stunde!

Legt man die 140.000 Gäste auf etwa 150 Schönwettertage im Jahr um, macht das gut 930 Gäste am Tag. Bahn und Prognose passen also nicht recht überein - die teure technische Investition hätte zahlreiche Leerfahrten zu absolvieren, wenn „nur” 140.000 Gäste im Jahr kämen. Vielleicht lässt sich ja manches noch ändern und das ein oder andere Missverständnis beseitigen. Die Infoveranstaltung dient jedenfalls dem von Landrat formulierten Zweck: „Wir stellen vor, was möglich ist, und wollen im Dialog mit den Menschen Chancen entwickeln.”

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