Das turbulente Treiben der Senioren

„Krawall im Altenheim“ im Theater : Das turbulente Treiben der Senioren

Irrungen und Verwirrungen in der Seniorenresidenz „Sonnenuntergang“ lösen Lachsalven aus: Die Laienschauspieler des Theater- und Kulturvereins Eggersheim begeistern das Publikum.

Eggersheim Wehe, wenn Helga Krawuttke auftaucht! Sie ist es, die hauptsächlich das verursacht, was im Tirtel des Dreiakters von Jürgen Seifert steht: „Krawall im Altenheim“. Ihre Darstellerin Irene Weber ist eine von fünf Frauen und zwei Männern aus dem Team des Theater- und Kulturvereins Eggersheim, der das schmissige Stück unter der Leitung von Gabriele Panzer aufführt. Unterstützt werden sie von Jürgen, Tobias und Christine Vinssew, Hans Weber und Josef Feistle, Ira und Carina Heimbach, Finni Will, Robert Breuer sowie Günter Radermacher, die sich um Technik und Gästebetreuung kümmern.

Bei den beiden ersten ausverkauften Vorstellungen begeisterten sie die Zuschauer nicht nur mit flottem Spiel sondern auch mit den komplett in Platt geführten Dialogen. Frau Krawuttke umschwärmt Opa Otto (Siegfried Will), oder besser gesagt: Sie verfolgt ihn hartnäckig mit ihrer Zuneigung, heute sagt man wohl, sie stalkt ihn. Als dessen Zimmerkollege Rudi ausziehen muss, soll ein gewisser August diesen letzten freien Platz im Seniorenheim „Sonnenuntergang“ bekommen. Doch hat das Heimsekretariat einen Tippfehler gemacht: Nicht August kommt, sondern Auguste (Ingeborg Rademacher).

Das Problem lösen Heimarzt Dr. Schmalstich (Jochen Kipprath) und seine Frau Schwester Monika (Marion Breuer) auf geniale Art: Sie erfinden ein „Regierungsprogramm“, bei dem ältere Damen und Herren auf einem gemeinsamen Zimmer wieder Zweisamkeit entdecken sollen. Das passt aber keinem der Beteiligten außer Frau Krawuttke, die mit allen Tricks versucht, den Platz in Ottos Zimmer zu bekommen.

Dabei sichert sie sich mit kleinen Geldzuwendungen die Hilfe der Putzfrau Aishe, die aber in ihrer naiven Herzensgüte auch allen anderen wohlgesonnen ist. Grandios, wie Sigrid Feistle diese Kopftuch tragende Türkin durch alle Situationen wuseln lässt und dabei in türkisch klingendem Halbdeutsch, das andererseits wieder deutlich rheinisch gefärbt ist, die tollsten Verwicklungen heraufbeschwört. Als sie erlauscht, dass Auguste im Anmarsch sei, meint sie, dies sei die Mehrzahl von August und verkündet im ganzen Haus, dass zwei Männer gleichen Namens einziehen würden. Und aus dem Gemeinschaftsraum wird bei ihr das „Alle-Mann-Zimmer“.

Tatsächlich erscheint mit Auguste auch deren geschiedene Tochter Bärbel Solei-Prödel (Simone Spitzley-Lenzen). Die als Einzige mitunter fein Deutsch sprechende Stewardess verliebt sich prompt in den Doktor und verursacht mittlere Scharmützel mit Schwester Monika. Derweil wechseln die neuen Zimmergenossen, die beide unnachgiebige Sturköpfe sind, zwischen netten Gesprächen bei mehr als einem Gläschen Schnaps und heftigen Kämpfen um Zutrittszeiten im Badezimmer. Auch der Raum im Zimmer ist sauber mit einer Trennlinie in seine und ihre Region getrennt.

Dabei studiert Auguste immer wieder ein etwas unscharfes Bild an der Wand, das Otto in jungen Jahren zeigt. Bis ihr auf einmal ein Licht aufgeht: „Prost, Futzemann“ trinkt sie ihm zu und er erwidert staunend und zögernd „Mausezahn“? Tatsächlich: Die beiden waren vor langer Zeit schon einmal ein Paar, das wegen der Dickköpfigkeit auf beiden Seiten auseinander ging. Und schwupp, sitzt sie auf seiner Bettkante und beide verkünden voll hintergründigem Humor den staunenden anderen, dass sie versuchen wollen, gemeinsamen Nachwuchs zu bekommen. Das Publikum spendet nicht nur für diese Lösung anhaltenden Applaus für das gesamte Ensemble.

(kel)