Düren: Das Riesenrad ist für alle der Hit

Düren: Das Riesenrad ist für alle der Hit

Nein, dieser Generation muss man nicht mehr beibringen, was Pünktlichkeit ist. Fünf Minuten vor der Zeit sind restlos alle da: gut 100 Seniorinnen und Senioren, die mit der AWO und auf Einladung des Schaustellerverbandes einen munteren Rundgang über die Annakirmes unternehmen.

Manche auf einen Stock gestützt, manche mit Rollator, viele aber mobil wie eh und je und alle gut gelaunt.

Johannes Veith, Chef der Dürener AWO, hat alles organisiert und verteilt Chips und Eintrittskarten. Jeder greift zu. „Für´s Enkelkind”, meint eine ältere Dame spitzbübisch, der man eine Fahrt auf dem Autoscooter nun wirklich nicht mehr zutrauen würde.

Die beliebtesten Fahrgeschäfte? Das Riesenrad und die Geisterbahn „und alles, was harmlos ist”. Die Geisterbahn harmlos? „Aus dem Alter sind wir raus, wo wir uns erschrecken.” Die Senioren haben Humor und bei vielen Fahrgeschäften sehr spezielle Erinnerungen. Zum Beispiel bei der Raupenbahn, die in den 50er und 60er Jahren der Gipfel der Unmoral gewesen sein muss. „Das Verdeck ging runter und das Küssen ging los”, alle lachen, als ein älterer Herr davon erzählt, der angeblich seit 1953 jedes Jahr auf der Annakirmes war. Da wurde noch poussiert, dann kamen die Kinder, und eines Tages starben die Männer, blicken vier Witwen zurück. Das waren noch Zeiten, als es beim Finanzamt eigens einen Tag frei gab - zum Besuch der Annakirmes. Als Ende der 60er Jahre der Chef jedes Jahr 30 Mark springen ließ, und man damit zu zweit auf der Kirmes einen tollen Tag verbringen konnte.

Andere erinnern sich, wie sie „für vier Kinder” die Süßigkeiten von zuhause mitbrachten und die den Kleinen erst auf dem Platz gaben. Dass heute eine Fahrt auf dem Riesenrad „fünf Euro, also zehn Mark” kostet, ist für alle nahezu unfassbar. Natürlich werden übrigens alle Preise sofort in D-Mark umgerechnet.

„Wir können mitreden”

Aus Gürzenich, aus Mariaweiler und Birkesdorf haben sie den Weg auf den Annakirmesplatz gefunden. Das ist einfach ein Muss, einmal im Jahr, „dann sind wir informiert und können mitreden”.

Früher, das wissen die Seniorinnen noch genau, kamen sie täglich vorbei, es gab nichts anderes „und wir freuten uns das ganze Jahr darauf”. Es gab weniger zu essen, die Karussells waren „nicht so hoch, nicht so groß, nicht so schnell und nicht so teuer”. Würste waren ein Hauptgewinn, und bei einem Glücksspiel hatte der schlaue Cousin rausgefunden wie es funktioniert, die Familie ging mit Stapeln von Pralinenschachteln nach Hause. Es gab eine Boxbude, wo aber getrickst wurde, manchmal ging überraschend der Stärkere zu Boden und man war sein Geld quitt. So können die älteren Dürener erzählen, was eigentlich einmal aufgeschrieben werden müsste.