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Düren nach den Kommunalwahlen: Das Ratsmandat hat Floßdorf schon verloren

Düren nach den Kommunalwahlen : Das Ratsmandat hat Floßdorf schon verloren

Als am späten Sonntagabend auch die letzten Stimmen der Kommunalwahl in Düren ausgezählt waren, war das politische Desaster für CDU-Spitzenkandidat Thomas Floßdorf komplett. Der 43-Jährige wird dem neuen Stadtrat nicht mehr angehören.

Während er sich im Rennen um das Bürgermeisteramt noch in die Stichwahl retten konnte, verlor er den Kampf ums Direktmandat in seinem Wahlbezirk gegen die SPD-Fraktionsvorsitzende Dagmar Nietan mit 26 Stimmen (24,2 zu 26,8 Prozent). Und weil 17 seiner Parteifreunde mehr Erfolg hatten, waren alle CDU-Sitze im neuen Stadtrat vergeben. Die Reserveliste, die Floßdorf anführt, kommt nicht mehr zum Zuge.

Damit endet Floßdorfs politische Gremienarbeit nach 16 Jahren in zumeist verantwortlicher Position als Ausschussvorsitzender abrupt. Denn dass der CDU-Stadtverbandsvorsitzende in der Stichwahl um das Bürgermeisteramt am 27. September gegen SPD-Kandidat Frank Peter Ullrich das Ruder noch einmal herumreißen könnte, erscheint unwahrscheinlich. Der fünf Jahre alte Strafbefehl wegen Körperverletzung, der anonym verbreitet und dann vollends an die Öffentlichkeit gelangte, die darauffolgende Diskussion um Floßdorfs Eignung als Kandidat und das verheerende Krisenmanagement von Kandidat und Partei haben nicht nur Hunderte Stimmen gekostet.

Floßdorf („Ich bin nach einer nie für möglich gehaltenen Hetzkampagne brutal abgestraft worden“) und die CDU können in der Stichwahl auch nicht mit Unterstützung anderer Parteien rechnen. Schon am Wahlabend riefen die Grüne Jugend und die Jusos, die Nachwuchsorganisationen von Bündnis90/Die Grünen und SPD, gemeinsam dazu auf, Frank Peter Ullrich am 27. September zu unterstützen.

Ob sich der Stadtverband der Grünen dieser Empfehlung anschließen wird, wollte Sprecher Georg Schmitz vor der Vorstandssitzung am Montagabend zwar noch nicht offiziell bestätigen. „Ich persönlich aber kann mir vorstellen, dass wir mit einem Bürgermeister Frank Peter Ullrich eine gute Zusammenarbeit hinbekommen würden“, betonte Schmitz, dessen Partei mit breiter Brust aus der Wahl hervorgegangen ist.

Grüne fast verdoppelt

Die Grünen haben ihren Stimmenanteil fast verdoppelt und ihr eigenes Wahlziel von acht Sitzen im Stadtrat sogar noch um ein Mandat übertroffen.

Die knapp 23 Prozent, die sich die bislang weitgehend unbekannte und parteilose Maria Belka als Bürgermeisterkandidatin der Grünen sicherte, würden Ullrich bereits eine satte Mehrheit in der Stichwahl bescheren, mögliche Stimmen aus dem Lager der beiden bisherigen anderen „Ampel“-Partner, FDP und Linke, noch nicht einmal mitgerechnet. Ob sich die neuformierte Gruppe der Bürger für Düren (BfD) für einen der beiden Kandidaten aussprechen wird, ließ deren Spitzenmann Frank Heinrichs am Montag noch offen.

Er freute sich erstmal darüber, dass die längst nicht in jedem Wahlbezirk angetreten BfD trotz des kurzen Wahlkampfs mit zwei Sitzen Fraktionsstärke im neuen Stadtrat haben werden. Der Dürener Stadtrat wurde übrigens aufgrund von Überhangmandaten um zwei Sitze auf 52 vergrößert.

Ausschlaggebend für den zweiten BfD-Sitz war Heinrichs eigenes Ergebnis in Arnoldsweiler. Dort holte der frühere Vize-Fraktionschef der SPD mehr als zehn Prozent, so dass sich CDU-Urgestein Hermann-Josef Geuenich gegen SPD-Bürgermeisterkandidat Ullrich (37,2 zu 31,2 Prozent) behauptete.

Dafür hatte der SPD-Vorsitzende bei der Bürgermeisterwahl in nahezu allen Stadtteilen die Nase vorn. Nur in Niederau, der Heimat des scheidenden Bürgermeisters Paul Larue (CDU), setzte sich Maria Belka durch. CDU-Spitzenkandidat Thomas Floßdorf hatte in allen Stadtteilen das Nachsehen, lediglich in Echtz/Konzendorf übersprang er die 30-Prozent-Marke.

Floßdorf übernahm die volle Verantwortung für das desaströse Abschneiden der Dürener CDU, die von ihrem Spitzenkandidaten mit in einen Abwärtsstrudel gerissen wurde und gegen den Landestrend mehr als sieben Prozentpunkte verlor.

Von personellen Konsequenzen aber wollte der 43-Jährige am Montag noch nichts wissen. „Wir werden jetzt den Weg zu Ende gehen und dann entscheiden.“ Dass Floßdorf nach der sich abzeichnenden Niederlage am 27. September sein Amt als Parteivorsitzender aufgeben wird, scheint jedoch mehr als wahrscheinlich.

Dass er auch den Kampf ums Direktmandat verloren hat, ­schmerzt ihn zwar. „Es war aber von vornherein klar, dass ich, sollte ich nicht Bürgermeister werden, auch nicht in den Stadtrat gehen würde“, betont Floßdorf. „Ich zolle jedem einzelnen Parteimitglied, das in den vergangenen Wochen bedingungslos hinter mir gestanden hat und für mich gekämpft hat, größten Respekt.“ Worte, die schon ein wenig nach Abschied klingen.