Müddersheim: Das letzte Projekt: Ein Glockenturm für Müddersheim

Müddersheim : Das letzte Projekt: Ein Glockenturm für Müddersheim

„Wir sind der Rest, der übrig ist“, sagt Marga Friesdorf. Die 81-Jährige schaut in die Runde und zeigt auf ihre drei Mitstreiterinnen. Die Basarfrauengemeinschaft von Müddersheim ist Geschichte. Zumindest die Basare, auf denen für den guten Zweck Handgemachtes verkauft wurde, gibt es nicht mehr. Aber eine eingeschworene Gemeinschaft sind die vier Frauen noch immer.

„Im Dezember 1986 haben wir angefangen. 30 Jahre sind genug“, sagt die jüngste der Runde, die 57-jährige Luzia Hauke.

„Wir werden nicht jünger und es werden auch nicht mehr“, spielt sie auf den fehlenden Nachwuchs für die Gruppe an. Deshalb haben die Damen einen Schlussstrich gezogen und sich aus dem Basar-Business verabschiedet. Eine letzte Amtshandlung, ein finales großes Projekt bleibt ihnen aber noch: Das Geld muss weg.

Über drei Jahrzehnte haben die Frauen großzügig die Basareinnahmen für gute Zwecke gespendet — an herz- und krebskranke Kinder, für das Kriegerdenkmal und einen Bildstock im Ort, für Blumen vor der Kirche und Bänke in Müddersheim. Trotzdem liegt noch eine stolze Summe auf der hohen Kante. „Wir haben dafür 30 Jahre gearbeitet, jetzt entscheiden wir auch, was damit geschieht“, sagt Marga Friesdorf mit Nachdruck. Eins war sofort klar: Das Geld soll im Dorf bleiben. Ziemlich schnell waren sich die engagierten Damen dann auch einig, wofür es ausgegeben werden soll: einen Glockenturm.

Dass der Friedhof einen bekommen soll, stand eigentlich schon Ende der 1980er Jahre fest. Bei der Planung der Trauerhalle war auf dem Dach des Gebäudes ein Türmchen vorgesehen. Dann sei aber das Geld zu knapp gewesen, erzählen die Frauen, und seit 1990 steht eine Halle ohne Turm auf dem Friedhof. Seitdem hatte die Basarfrauengemeinschaft im Hinterkopf den Bau des Glockenturms nachzuholen. Nun ist es soweit. Aber woher nehmen, wenn nicht stehlen?

„Das machen wir Frauen schon — wie immer“, war Marga Friesdorf anfangs noch überzeugt. Jetzt räumt sie aber ehrlich ein: „Gut, dass der Karl-Heinz uns hilft. Da hätte ich mich doch übernommen.“ Der Karl-Heinz ist ihr Nachbar, der Partner einer Basarfrauenkollegin und seit wenigen Monaten in Rente. Wie die Jungfrau zum Kinde, so kam also Karl-Heinz Willems zur Glocke. Friesdorf sagt mit einem schelmischen Grinsen: „Da ist er in einen wichtigen Job reingeraten.“ Willems recherchierte stundenlang, kennt sich nun aus mit verschiedenen Glocken, die per Seilzug oder elektrisch und per Fernbedienung zum Klingen gebracht werden und über Türme weiß er natürlich auch Bescheid. Schnell war nämlich klar, dass es zu teuer würde, den Turm nachträglich auf das Dach der Trauerhalle zu bauen. Ein freistehender Turm soll es also werden, vis-a-vis zur Halle und auf einer Höhe mit dem Kriegerdenkmal.

Fünfstelliger Preis

Nachdem die Gemeinde ihre Zustimmung erteilte, liegt nun ein Vorschlag beim Statiker. Wie der Turm später genau aussehen wird, ist noch nicht klar. Am liebsten möchten die Frauen ihre Pläne mit örtlichen Handwerkern umsetzen, holen aber derzeit noch Angebote ein. Nach aktuellem Stand könnte es ein Glockenstuhl aus breiten Holzbalken werden, dessen kleines Dach eine etwa 35 Zentimeter hohe und 40 bis 50 Kilo schwere Glocke schützen wird. Ungefähr 4,50 Meter könnte der Turm in die Höhe ragen, die ersten Töne sollen 2019 erklingen. Weil die Planung aber noch nicht abgeschlossen ist, ist nichts davon in Stein gemeißelt. Auch die Investitionshöhe kann noch nicht genau beziffert werden, wird sich aber im fünfstelligen Bereich bewegen.

Obwohl die Glocke noch nicht hängt, sorgte sie im Dorf schon für Gerüchte: Ob die Kirche geschlossen würde und die Frauen schon mehr wüssten, wurden sie gefragt. Das sei aber mitnichten der Fall. Im Gegenteil: Der Turm ist vielmehr als Ergänzung gedacht. Wenn jemand stirbt, der mit der Kirche nichts am Hut hat, soll es bei der Beerdigung trotzdem läuten. Die Frauen wollen eine Glocke für alle.