Das Leitungswasser im Kreis Düren stammt aus verschiedenen Quellen

Woher das Trinkwasser kommt : Aus Dürener Hähnen tropft ein Gemisch

Man ist es gewohnt zu duschen, zu kochen, den Rasen zu sprengen und Wäsche zu waschen. Das Wasser kommt meist aus dem Hahn. Genauer: aus verschiedenen Orten in der Region. Wer in Düren nämlich die Leitung öffnet, erhält meistens ein Gemisch aus Quellen- und Talsperrenwasser.

Im Boden zwischen Merzenich und Schevenhütte, Kreuzau und Merken befindet sich ein Geflecht von Leitungen und Zwischenspeichern. Dies ist erforderlich, damit die Versorgung mit Trinkwasser immer garantiert ist. Verantwortlich dafür ist die Leitungspartner GmbH, eine Tochter der Stadtwerke Düren. Sie ist auch Ansprechpartnerin, wenn es zu Störungen kommt, und hat ein Auge auf die verschiedenen Anlagen. Um das Wasser in etwa 25.000 Haushalte im Kreis Düren zu bringen, sind verschiedene Hürden zu nehmen.

Ein Großteil des Wassers stammt aus der Wehebachtalsperre bei Schevenhütte. Dort steht man schon vor einem physikalischen Problem: Das Beckenwasser muss nämlich über einen Berg gelangen. „Wir pumpen jede Sekunde die Menge eines Badewanneninhalts 150 Meter hoch“, schildert Cord Meyer, Geschäftsführer der Leitungspartner GmbH. Etwa 14 Kilometer lang ist die Leitung von der Talsperre bis zum Wasserwerk Obermaubach. Es liegt unmittelbar an der Rur, die inzwischen nur noch in Engpässen angezapft wird. Von dort aus gelangt das Wasser ins Herz der Trinkwasserversorgung in Düren, den Wasserspeicher auf dem Annakirmesplatz. Früher hat sich dort ein Wasserturm befunden.

Unter zwei großen bewachsenen Hügeln liegen die beiden Behälter, die jeder bis zu fünf Millionen Liter aufnehmen können. Die Bepflanzung schützt gewissermaßen die Betondecken. Das Innenleben erinnert an große, runde Schwimmbecken mit einem Durchmesser von etwa 30 Metern, in dem das Wasser langsam zirkuliert. Ehe man dorthin gelangt, muss man an blauen und dicken Rohren, Reglern und Pumpen vorbei. Der Zutritt ist natürlich mehrfach mit Bewegungsmeldern und Alarmanlagen gesichert, denn Wasser ist ein hohes Gut.

Gespeist wird der zentrale Wasserspeicher nicht nur vom Wasserwerk Obermaubach, sondern auch von den Brunnen in Ellen und an der Dr.-Overhues-Allee wenige hundert Meter entfernt. Das Wasser sieht zwar gleich aus, besitzt aber unterschiedliche Qualitäten. Wasser aus Brunnen ist in der Regel deutlich härter, also kalkhaltiger als Talsperrenwasser. „Wenn wir dies einfach mischen würden, könnte es zu unerwünschten Reaktionen kommen“, berichtet Meyer. Also passt man den Härtegrad des Brunnenwassers an, indem man Natronlauge hinzufügt. Das Gemisch wird anschließend mit einem Ph-Wert von acht oder etwas weniger ins Dürener Leitungsnetz gegeben, es ist also leicht alkalisch. Die Trinkwasserverordnung legt einen Wert zwischen 6,5 und 9,5 fest.

Blick auf die Parameter der Wasserversorgung: Per Knopfdruck hat Cord Meyer von der Leitungspartner GmbH alle Werte in der Übersicht. Foto: Patrick Nowicki

Zuvor ist das Wasser mehrfach untersucht worden – vom SWD-eigenen Labor, aber auch von der Aufsichtsbehörde, vom Kreis Düren. „Über 80 Parameter werden in engen zeitlichen Abständen getestet“, sagt Jürgen Schulz, Sprecher der Stadtwerke. Grundsätzlich wird Chlor in geringen Mengen zum Trinkwasser beigemischt. Darüber hinaus wird das Wasser mit UV-Licht bestrahlt. Die darin enthaltene Energie tötet viele Viren, Bakterien und Sporen ab. Dies alles verhindert, dass sich Keime ausbreiten können.

Unter anderem Lecks im Leitungssystem können dennoch dazu führen, dass Grenzwerte überschritten werden. In solchen Fällen ordnet das Gesundheitsamt des Kreises Maßnahmen an, zum Beispiel eine stärkere Beimischung von Chlor in betroffenen Bereichen des Leitungssystems. Auch Empfehlungen an die Bürger, das Wasser abzukochen, können nur von der Aufsichtsbehörde ausgesprochen werden. „Unsere Labore arbeiten eng zusammen, da wir beide das gleiche Interesse haben“, sagt Schulz, „nämlich Trinkwasser in hoher Qualität bereitzustellen.“

Der Grundwasserpegel im Kreis Düren liegt an den Entnahmestellen nur wenige Meter unter der Oberfläche. Da im Einzugsgebiet des Brunnens in Ellen viel Landwirtschaft betrieben wird, steht die Leitungspartner GmbH im engen Kontakt mit den Landwirten. Vor allem der für Säuglinge wichtige Nitratgehalt wird ständig im Auge behalten. In Deutschland gilt ein Grenzwert von 50 Milligramm Nitrat je Liter Wasser. Er wird vor allem in Bereichen überschritten, wo Düngemittel in großen Mengen aufgetragen werden. Dann sind die Pflanzen oft nicht in der Lage, das Nitrat komplett aufzunehmen und es gelangt in das Grundwasser.

Zwar schreibt die Düngeverordnung bestimmte Mengen vor, dennoch treffen die Stadtwerke mit Landwirten Zielvereinbarungen, die einen um 30 Prozent geringeren Einsatz von Dünger vorsehen. Sollte es dadurch zu nachweisbaren Ertragsverlusten kommen, werden diese finanziell ausgeglichen. Der Erftverband hat in einer Untersuchung im Jahr 2015 festgestellt, dass das Grundwasser am Brunnen Ellen den Nitratgrenzwert erreicht.

Auf der Wiese an der Dr.-Overhues-Allee in Düren ragen Filterrohre heraus, die sich mit Grundwasser füllen. Foto: Patrick Nowicki

Die Nitratkonzentration im Dürener Trinkwasser liegt jedoch weit unter den Grenzwerten. Es handelt sich schließlich um ein Gemisch. Lediglich Derichsweiler wird von Wasser aus Langerwehe versorgt.

Eine der größten Herausforderungen bleibt, ausreichend Trinkwasser zur Verfügung zu stellen – auch in Trockenperioden, wie es im Sommer der Fall war. So sanken die Pegel in den Talsperren und im Grundwasser, im Gegenzug stieg der Wasserverbrauch: „Nachts wurden im Sommer 1400 Kubikmeter Wasser pro Stunde verbraucht“, berichtet Meyer. Zum Vergleich: An einem Mittag im März werden etwa 900 Kubikmeter Trinkwasser pro Stunde aus dem Netz gezogen. Etwa 300 Mitarbeiter sind bei den Stadtwerken insgesamt beschäftigt, damit das Trinkwasser auch in Zukunft in Düren sprudelt.

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