Das Konzertforum „Capella Villa Duria“ feiert 25-jähriges Bestehen

25 Jahre „Capella Villa Duria“ : Immer noch ein ambitioniertes Projekt

Das Dürener Konzertforum „Cappella Villa Duria“ (CVD) ist das, was man ohne Zweifel eine Erfolgsgeschichte nennen kann. Vor 25 Jahren, genauer gesagt im Juni 1994, hat in der Marienkirche das erste Konzert dieser Reihe mit geistlicher Chormusik von Felix Mendelssohn-Bartholdy stattgefunden. Kein Wunder also, dass beim Jubiläumskonzert am Sonntag wieder Musik von Mendelssohn-Bartholdy auf dem Programm steht.

Ansonsten steht die CVD mittlerweile aber für deutlich mehr als für Musikabende mit geistlicher Chormusik. Aus anfänglich sechs Konzerten im Jahr sind mittlerweile rund 25 geworden, die für (fast) jeden Musikgeschmack etwas bieten.

„Früher“, erzählt Johannes Esser, 1994 Leiter der Musikschule und später Chef des städtischen Kulturbetriebs „Düren Kultur“, „gab es die städtischen Symphoniekonzerte in der Stadthalle. Die sind irgendwann weggefallen und haben eine Lücke hinterlassen. Die wollten wir schließen.“ Darüber hinaus habe er als Mitglied des WDR-Rundfunkchores fast alle großen Chorwerke in fast allen großen Konzerthäusern gesungen. „Es war immer mein Wunsch, diese Werke auch einmal zu dirigieren. Und so ist die ‚Cappella Villa Duria‘ entstanden.“

Von Anfang an war der vor zwei Jahren verstorbene Kammersänger Kurt Moll mit im Boot. „Kurt Moll lebte in Buir, und wir waren beide Dozenten an der Musikhochschule Köln. Wir wollten von Beginn an jungen talentierten Musikern eine Auftrittsmöglichkeit geben.“ Daran hat sich bis heute nichts geändert. Bei den CVD-Konzerten stehen Profimusiker, Musikschullehrer, Studenten, aber auch besonders begabte Musikschüler auf der Bühne.

Für die ersten drei Jahre hat das Konzertforum damals eine Anschubfinanzierung von 100.000 Euro von der Sparkasse bekommen, heute gibt es einen jährlichen städtischen Zuschuss in Höhe von 35.000 Euro. „25 Konzerte lassen sich nur realisieren“, sagt Johannes Esser, „weil alle Musiker zu einem Freundschaftspreis auftreten, und die Aktiven der ‚Cappella Villa Duria‘ alle Aufgaben ehrenamtlich erledigen.“ Gerade die administrativen Aufgaben, ergänzt Augenärztin Dr. Gisela Hagenau, die CVD-Gründungsmitglied ist und heute immer noch hauptverantwortlich mitarbeitet, hätten deutlich zugenommen. „Aber die Arbeit lohnt sich“, betont Hagenau. „Ich bin heute manchmal immer noch erstaunt darüber, welche tollen künstlerischen Leistungen wir auf die Beine stellen.“

Passionskonzerte, Weihnachts- und Neujahrskonzerte, Burgauer Schlosskonzerte, Kinderkonzerte, Karnevalskonzerte, Jazz Dämmerschoppen, „Mozart im Mai“, „Barockmusik im Kerzenschein“ – die Bandbreite der „Cappella Villa Duria“ ist immer größer geworden, genau wie die Zahl der Aufführungsorte. Esser: „Es ist unfassbar, was wir mit der ‚Cappella Villa Duria‘ mittlerweile alles aufgeführt haben. Das hätte ich mit keinem anderen Orchester der Welt machen können.“ Dabei war es den Verantwortlichen der CVD auch immer wichtig, mit den Konzerten ein gesellschaftliches, politisches Zeichen zu setzen. So hat es Benefizkonzerte für den Verein „Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges, Ärzte in sozialer Verantwortung“ gegeben und eins für die Opfer des Bosnienkrieges. „Wir wollen“, sagt Hagenau, „mit unsere Konzerten auch eine Botshaft vermitteln.“ Noch wichtiger als das ist den beiden CVD-Machern aber eine hohe musikalische Qualität. „Wir fördern junge Musiker, aber wir fordern sie auch“, sagt Esser. „Einerseits ist unser Anspruch sehr hoch, andererseits haben wir häufig nur wenig Probenzeit.“

Pläne und auch Wünsche hat Johannes Esser für die nächsten 25 Jahre noch genug. „Es gibt noch einen ganzen Berg an Literatur, die ich gerne aufführen würde“, sagt er. „Zum Beispiel die 8. Symphonie von Gustav Mahler, aber dafür gibt es in Düren keinen Raum, der groß genug ist.“ Auch das sehr erfolgreiche Projekt „Oper macht Schüler“, bei dem Gymnasiasten Teil einer Opernaufführung waren, würden Esser und Hagenau gerne fortsetzen. Vor allem beschäftigt sich Johannes Esser aber auch mit seiner persönlichen Nachfolge. „Ich bin 72 Jahre alt“, sagt er. „Und natürlich muss ich mir Gedanken machen, wer dieses Projekt fortführen kann.“ Immer wieder übergibt Esser den Dirigentenstab für einzelne Konzerte in jüngere Hände. Trotzdem ist es schwer, einen Nachfolger zu finden. Esser: „Ich habe für meine Arbeit nie ein Honorar bekommen. Ob das nochmal jemand macht, weiß ich nicht.“

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