Das Konzert der Vereinigten Industrieverbände

Kammermusik mit Blechbläsern : Die fünf Professoren sind Meister ihrer Instrumente

Das hiesige Publikum ist mit Brass verwöhnt dank Renold Quades Wirken mit seiner Dürener und der NRW-Brass-Band-Auswahl.

Kammermusik mit fünf Blechbläsern kennt man kaum, da sie statt für Streicher oder Holzbläser erst spät komponiert und gefragt wurde: „Als zum Beispiel American School Bands weniger Streicher fanden“, wie Prof. Paul van Zelm in seiner Moderation erklärte.

Der Hornist entsprach mit launigen Bemerkungen später dem Stil der schwarz gekleideten Herren, die – als „Brass Consort“ aus Köln und Hochschul-Professoren – sich beim Konzert der Vereinigten Industrieverbände im Haus der Stadt souverän und locker gaben. Im Gespräch zur Pause bestätigten Peter Mönkediek (Trompete), Peter Roth (Trompete), Paul van Zelm (Horn), Fred Deitz (Posaune) und Hans Nickel (Tuba), dass sie mit ihrer Erfahrung und zehn Jahren Gemeinsamkeit neben der Distanz im großen Orchester die intime Nähe der kleineren Form entwickeln.

Auf der Bühne hörte man sofort, dass fünf solistische Könner ihre Instrumente so beherrschen, dass jeder einzeln klar herauszuhören war und im Zusammenspiel harmonisch und melodische diskutierte. Sie wollten sich sogar für ihre Lautstärke entschuldigen. Doch ihre dynamische Bläserkunst wechselte vom markanten Goldglanz zu feinem Silberton, zwischen melodischer Weichheit, spitzen Forte-Einwürfen und virtuosen Tempi sogar von der Tuba. Van Zehn bemerkte nicht ohne Stolz, dass drei von ihnen Niederländer seien und im sechsteiligen Programm drei niederländische Originalkompositionen gespielt würden. Das Konzertfaltblatt enthalte dankenswert viele erhellende Werkbeschreibungen und Infos über die Komponisten. So konnte sich jeder im Saal auf die Musik einlassen oder nachlesen.

Vor und nach der Pause waren je drei Werke vorgesehen, zunächst harmonisch komplexer, dann thematisch leichter serviert.

Der Russe Victor Ewald (1860 bis 1935) komponierte Quintett Nr.1 b-Moll op.5 in 3 Sätzen, wobei die Instrumente fugisch immer neu einsetzten und im Mittelteil ruhige Melodien und flotte Passagen wechselten. Hendrik Andriessen (1892 bis 1981) ließ für seine Suite mit Canzona, Scherzo und Fuga die Tuba pausieren und das Horn beginnen. Dessen Melodie wurde vom Trio umspielt, mal überraschend oder mit fugischen Einwürfen. Jan Koetner (1911 bis 2006) schuf für Brass Quintett op.65 hohe Trompeteneinsätze, liedhafte Trio-Teile, Fanfarenklänge und synkopische Läufe.

Nach der Pause spielte das „Brass Consort“ im Stehen. Das klangreiche Rondeau von Jean-Joseph Mouret (1682 bis1738) war eine tänzerische Adaption aus der „Sinfonie de Fanfares“ und typische französische Barockmusik. Für den einzig lebenden Komponisten Huug Steketee (1959) und dessen Allegro Alla Mozart für Tuba und Blechbläser durfte Hans Nickel vortreten, zumal es für ihn komponiert sei, sogar mit einer Kadenz.

Dann wurde es humorvoll und feierlich. Für Peter Roth, der 50 Jahre alt wurde, gab es ein Ständchen und eine Schürze, „geboren für die Trompete, gezwungen in die Küche“. Ein herzlicher Auftakt zu der Suite aus „West Side Story“ von Leonard Bernstein (1918 bis 1990), der dieses Jahr 100 geworden wäre. Kurze Inhaltsangaben erinnerten an die Handlung, die wohl viele mit den Melodien vor Augen hatten: „Prologue“, „Maria“, „Tonight“, America“, „I feel pretty“ und „Somewhere“. Der Wiedererkennungseffekt ließ die Zuhörer bewusster die Qualitäten des Ensembles und der schönen Musik bis zum dissonantischen Schmerz beim Schluss erkennen. Und für den anhaltend großen Beifall gab es eine passende stimmungsvolle Zugabe mit dem alten englischen Weihnachtslied „The Holy and the Ivy“.

(gn)