Weinanbau im Rurtal: Das Jubiläumsweinfest steht im Schatten der Hitze

Weinanbau im Rurtal : Das Jubiläumsweinfest steht im Schatten der Hitze

Seit 25 Jahren feiern die Obermaubacher am zweiten Septemberwochenende ihr traditionelles Weinfest. Organisiert von der örtlichen Arbeitsgemeinschaft, fanden auch vergangenen Samstag wieder zahlreiche Besucher den Weg zum Lehrweinberg.

„Wir wollen an die Historie des Weinanbaus im Rurtal erinnern.“ Stolz präsentierte Ludwig Schnitzler am Samstag die rund 140 Weinstöcke am Obermaubacher Lehrweinberg. Er ist Vorsitzender der AG Obermaubach, die sich zum Ziel gesetzt hat, den Kreuzauer Ortsteil für die Bewohner sowie Touristen attraktiver zu gestalten. Die Besucher des Weinfestes verbrachten ein paar sonnige Stunden, Wein- und Traubensaftverköstigung natürlich inbegriffen.

Die 33 Mitglieder der AG Obermaubach kümmern sich das ganze Jahr um den Erhalt der Sitzbänke, errichten Schutzhütten und waren am Bau einer Kapelle beteiligt. Auch die Pflege der Weinreben fallen unter ihren Zuständigkeitsbereich. Die lange Weinbau-Tradition an der Rur ist seit Anfang des 11. Jahrhunderts urkundlich bezeugt, ging jedoch mit der letzten Ernte im Jahr 1911 zu Ende. Die engagierten Bewohner um Ludwig Schnitzler ließen den Brauch wieder aufleben.

„Der Lehrweinberg wurde vor 28 Jahren erstmals wieder bepflanzt. Nach anfänglichen Startschwierigkeiten kümmert sich jetzt eine Expertengruppe von fünf Leuten um die korrekte Erziehung der Reben“, erklärt Schnitzler. Die Hobbywinzer machen alles selbst, vom Rebschnitt im Frühjahr angefangen, über das regelmäßige „Ausgeizen“ der Zwischentriebe bis hin zur Ernte im Herbst.

Anschließend werden die Weintrauben an die Mosel transportiert, wo ein Winzer das Keltern übernimmt. „Über die Jahre ist eine Zusammenarbeit mit Winzer Otto Selbach aus Kesten entstanden“, sagte Schnitzler. „Den Moselwein kann man auf unseren Weinfesten kosten. Wir profitieren von Herrn Selbachs Know-how und hilfreichen Tipps.“

Der Obermaubacher Wein, trockener, sehr mündiger Rot- und Weißwein, ist hingegen eine echte Rarität und nicht käuflich zu erwerben. Schnitzler: „Die rund 300 Flaschen Wein, die unsere Reben hergeben, verschenken wir bei wichtigen Anlässen, zum Beispiel an ein Goldhochzeitspaar.“ Allerdings wird die Ernte 2018 ab Ende September nicht so gut ausfallen wie in den vergangenen Jahren — der Hitze geschuldet. Die ersten vier Reihen eines Weinstocks können nicht gekeltert werden, die anderen sieben wohl. Positiv ist aber dennoch, dass der befürchtete 50-Prozent-Verlust nicht eintreten wird.

(nie)
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