Das Dürener Konzertforum vor dem traditionellen Neujahrskonzert

Seit 25 Jahren Konzertmeister : Kurt Collinet und die „Cappella Villa Duria“

Kurt Collinet ist seit 25 Jahren Konzertmeister des Konzertforums „Cappella Villa Duria“. Morgen ist er beim Neujahrskonzert im Haus der Stadt zu hören. Ein Leben ohne seine Geige ist für ihn absolut unvorstellbar.

Kurt Collinet ist ein vielseitig interessierter Mann – und auf den ersten Blick passen seine Interessen überhaupt nicht zusammen. Der 69-Jährige ist 13 Jahre im Kölner Rosenmontagszug für die „Große Kölner Kranevalsgesellschaft“ von 1882 geritten, er ist begeisterter Cessna-Pilot – und vor allem ist Collinet Musiker. Der gebürtige Aachener, der in Köln und Maastricht Musik studiert und unter anderem Geiger im WDR-Orchester war, ist seit 25 Jahren Konzertmeister des Dürener Konzertforums „Cappella Villa Duria“ (CVD). Morgen Abend startet die von Johannes Esser gegründete Initiative mit dem Neujahrskonzert (18 Uhr, Haus der Stadt) in ihr Jubiläumsjahr. Die „Cappella Villa Duria“ feiert in diesem Jahr ihr 25-jähriges Bestehen.

Warum Kurt Collinet die erste Geige bei der CVD spielt, ist schnell erklärt: Er hat mit Johannes Esser zusammen studiert. die beiden Männer waren gemeinsam mit dem Chor der Musikhochschule Köln auf Südamerika-Tournee und mit dem Cellisten Rainer Prinz bilden sie darüber hinaus das „Tri-Eau de Cologne“, das für seine gut gemachte Kaffeehausmusik bekannt ist. „Ich war einfach immer irgendwie mit Johannes Esser zusammen“, sagt Kurt Collinet. „Habe zwischendurch auch an der Dürener Musikschule unterrichtet. Und so war es für mich keine Frage, bei der ‚Cappella Villa Duria’ mitzumachen.“

Kein Interesse für das Klavier

Kurt Collinet hatte nie einen anderen Wunsch als den des Berufsmusikers. „Meine Mutter hat Klavier studiert, musste aber damit aufhören, weil sie Halbjüdin war. Mein Onkel war ebenfalls Pianist, er hat in Melbourne gearbeitet. Die Musik war in meinem Leben also immer präsent, nur hat mich das Klavier nie interessiert.“ Warum sein Herz von Anfang an nur für die Geige geschlagen hat, kann der Musiker nicht wirklich erklären. Nur so viel: „Ich wollte immer Geige spielen, und ich kann ohne dieses Instrument nicht existieren. Wenn ich einen Tag nicht spiele, fehlt mir etwas.“

Bereits mit 16 Jahren hat er schon an der Musikhochschule in Köln studiert, später hat er noch ein Aufbaustudium in Maastricht angeschlossen – übrigens gemeinsam mit André Rieu. Genau wie heute waren auch damals Plätze in Orchestern sehr rar. „Es war und ist keine Seltenheit, dass es mehr als hundert Bewerbungen auf eine Stelle gibt“, sagt Collinet. „Die Rundfunkorchester gehörten schon damals zu den besten Orchestern in Deutschland. Und es war natürlich toll, dort spielen zu dürfen.“ Der Geiger war auch viel auf Konzertreisen unterwegs. Bei einem Kammermusikfestival in Lima, an dem er regelmäßig teilgenommen hat, hat er auch seine peruanische Frau kennengelernt. „Sie war eine ganz normale Konzertbesucherin“, sagt Collinet und lacht. „Und es hat gefunkt.“

Seine Arbeit als Konzertmeister der „Cappella Villa Duria“ liegt Collinet besonders am Herzen, auch wenn es nicht immer einfach ist, in einem Orchester Profi-Musiker und Laien unter einen Hut zu bekommen. „Natürlich ist es für mich einfacher, mit Profis zuspielen, weil dort immer alle alles richtig machen. Trotzdem macht auch die Zusammenarbeit mit den jungen Leuten im CVD-Orchester sehr viel Freude.“

Wirkliche Besonderheit

Ein Konzertforum wie die „Capella Villa Duria“, das letztlich auf Initiative eines Einzelnen, nämlich Johannes Esser, zurückgehe, sei schon eine wirkliche Besonderheit. „Es war nie das Ziel der ‚Cappella Villa Duria’, in irgendeiner Form in Konkurrenz zu Profiorchestern zu treten. Gleichwohl wird hier auf sehr hohem Niveau Musik gemacht. Wir führen viele selten gespielte Werke auf und bieten jungen Talenten ein Podium.“

So wie beim Neujahrskonzert, wenn der erst 15-jährige albanische Pianist Orenc Graca mit Robert Schumanns Klavierkonzert in a-moll sein Orchesterdebüt gibt. Überhaupt gehört das Konzert zum Jahresanfang zu den Beliebtesten der CVD. Collinet: „Neujahrskonzerte haben nicht zuletzt wegen der berühmten Konzerte der Wiener Philharmoniker eine lange Traditition. Und wir spielen auch immer einige Strauß-Walzer. Das mögen die Menschen einfach sehr.“

Übrigens sind seine Liebe zum Kölner Karneval und seine Begeisterung fürs Fliegen für Collinet absolut kein Widerspruch zur Musik. „Zum Karneval bin ich auch über die Musik gekommen“, sagt er. „Meine Frau und ich hatten einmal zu einem Hauskonzert eingeladen. Dort war ein Mitglied der ‚Großen Kölner’, und ich wurde gebeten, mit einer Gruppe von Karnevalisten ein Lied zum 100-jährigen Bestehen dieser Gesellschaft einzustudieren. Das hat mir so viel Freude gemacht, weil wir einen ganzen Abend über ein Mettschnittchen philosophieren konnten und unglaublich viel Blödsinn gemacht haben, dass ich dabei geblieben bin.“

Und das Fliegen? „Das ist einfach immer schon mein Traum gewesen. Und ich fliege auch sehr häufig über Düren.“

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