Kreis Düren: Das Bild der Feuerwehr in der Gesellschaft verbessern

Kreis Düren : Das Bild der Feuerwehr in der Gesellschaft verbessern

Karlheinz Eismar steht dann oft in der Öffentlichkeit, wenn er als Kreisbrandmeister verdiente Feuerwehrleute ehrt. Eine wichtige, repräsentative Aufgabe, weil es die würdigt, die ehrenamtlich für das Wohl anderer sorgen. Im Hintergrund ist Eismar auch derjenige, der dafür Sorge trägt, dass es diese Ehrungen noch in Jahrzehnten gibt.

Im Gespräch mit Sarah Maria Berners erklärt Karlheinz Eismar, 52, warum es daher nötig ist, das Bild der Feuerwehr in der Gesellschaft zu hinterfragen. Ein Beispiel liefern Ölspuren auf den Straßen.

Herr Eismar, Ihr Job als Kreisbrandmeister ist dreigeteilt. Was genau machen Sie?

Eismar: Ich bin mit einer halben Stelle Kreisbrandmeister. Mit der anderen Hälfte Leiter des Feuerschutztechnischen Zentrums des Kreises Düren und dort für administrative Aufgaben und zum Beispiel die Materialbeschaffung und die Dienstpläne zuständig. Und dann bin ich als Kreisbrandmeister auch Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbandes.

Was macht dieser Verband?

Eismar: Das ist ein Interessenverband, in dem es zum Beispiel um die Förderung des ehrenamtlichen Engagements und die Mitgliederwerbung geht.

Ein schwieriges Thema. Wie steht es denn um diesen Nachwuchs?

Eismar: Rechnerisch haben wir in vielen Feuerwehren zu wenige Mitglieder. Trotzdem muss niemand Angst haben, dass die Feuerwehr nicht kommt. Die Zielerreichungsgrade sind im kreisweiten Durchschnitt noch in annehmbaren Bereichen, die Feuerwehrleute sind gut ausgebildet und legen ein hohes persönliches Engagement an den Tag. Aber irgendwann stößt das Ehrenamt auch auf Grenzen.

Was meinen Sie damit?

Eismar: Die Erwartungen der Bürger sind hoch, die Feuerwehren zur Selbstverständlichkeit geworden. Der Sinn für Selbsthilfe geht immer mehr verloren. Die Feuerwehr wird oft gerufen, auch wenn sie nicht zuständig ist.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Eismar: Wenn in einem Garten ein Baum umkippt, zum Beispiel. Oder wenn jemand eine Blindschleiche gesehen hat. Auch zum Leerpumpen des vollgelaufenen Kellers könnte man eine Firma beauftragen. Bisher ist die Feuerwehr trotzdem immer gekommen, durchaus auch gerne oder zu Übungszwecken. Aber weil schon Ausbildung, Weiterbildung und viele andere Aufgaben wie zum Beispiel die Pflege von Geräten sehr viel Zeit brauchen, ist das alles zusammen irgendwann ehrenamtlich nicht mehr machbar. Wenn eine Firma eine Ölspur beseitigt, verdient sie gut daran. Jeder Feuerwehrmann macht das kostenlos und opfert dafür oftmals seine Freizeit. Das sollte niemand selbstverständlich finden.

Sollte die Feuerwehr sich auf ihre Kernaufgaben Löschen, Bergen, Schützen beschränken?

Eismar: Wir sollten zumindest überdenken, was im Ehrenamt noch leistbar ist. Warum sollen Ehrenamtler mitten in der Nacht aufstehen, um eine Ölspur abzustreuen? Es haben ohnehin schon viele zwei Jobs und auch eine Familie. Und mit der Aussicht auf das nächtliche Abstreuen von Ölspuren locken Sie heute keinen mehr hinter dem Ofen hervor. In diesem Zusammenhang müssen wir auch über finanzielle Anreize für das Engagement in der Freiwilligen Feuerwehr sprechen.

Wie könnten die aussehen?

Eismar: Von Steuervergünstigungen bis hin zu niedrigeren Müllgebühren und einer Feuerwehrrente ist sicher vieles denkbar. Dabei geht es gar nicht darum, jede geleistete Stunde abzugelten. Es geht um Anerkennung und Schaffen von Anreizen, sich überhaupt in dieser wichtigen Funktion einzubringen.

Wie wird denn die Zukunft der Feuerwehren aussehen, wenn es immer weniger Mitglieder gibt?

Eismar: Wir werden immer weiter schauen müssen, wie Feuerwehren auch Synergieeffekte nutzen können, wie sie über kommunale Grenzen hinweg zusammenarbeiten können. Kann zum Beispiel ein hauptamtlicher Gerätewart in mehreren Kommunen Aufgaben übernehmen, um den personell kleiner werdenden Löschgruppen Rechnung zu tragen und das System zu stabilisieren?

Gibt es weitere Gedankenspiele?

Eismar: Ein Gedankenspiel könnte auch sein, dass wir vielleicht im Norden des Kreises eine Art Zweigstelle des Feuerschutztechnischen Zentrums mit hauptamtlichen Unterstützern für die Freiwilligen Feuerwehren etablieren könnten. In ferner Zukunft könnte auch eine Art „Kreisfeuerwehr“ erforderlich sein. Bisher gibt es ja nur das Feuerschutztechnische Zentrum, das zentral Spezialgeräte vorhält, aber keine Feuerwehr mit gesetzlichem Auftrag ist.

Feuerwehren müssen in einem bestimmten Zeitfenster am Brand- oder Unfallort eintreffen — wie stehen Sie zu diesen Hilfsfristen?

Eismar: Innerhalb von acht bis neun Minuten sollte die Feuerwehr mit den ersten Kräften an einem Brandort sein. Ich denke, dass diese Hilfsfristen noch mal überprüft und angepasst werden müssen. In anderen Bundesländern und im Rettungsdienst gibt es übrigens auch andere Zeitvorgaben. Und ich glaube, dass sich diese Zeiten auch bei uns verändern werden. Oberste Priorität hat die Rettung von Menschenleben. Rauchwarnmelder müssen in jedem Haus installiert sein und sorgen heute dafür, dass Bewohner rechtzeitig informiert sind und das Haus schnell verlassen können.

Was bringt dann eine Verlängerung der Hilfsfristen?

Eismar: Damit wir uns nicht falsch verstehen: Natürlich tun die Feuerwehrleute auch in Zukunft, was sie können. Aber wenn uns nur drei bis vier Minuten Fahrzeit bis zum Einsatzort bleiben, können wir maximal Einsatzstellen erreichen, die drei Kilometer um das jeweilige Gerätehaus liegen. Dann würden uns nur fünf Minuten bleiben, um zum Gerätehaus zu kommen. Können Sie sich vorstellen, von einer Arbeitsstelle in Düren mit einem Pkw in fünf Minuten in Kreuzau zu sein? Wir sitzen nicht im Gerätehaus und warten auf unsere Einsätze wie das der hauptamtlich organisierte und durch die Krankenkassen finanzierte Rettungsdienst tun kann.

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