Merzenich-Girbelsrath: Damit die Eltern ein bisschen mehr Freiraum haben

Merzenich-Girbelsrath: Damit die Eltern ein bisschen mehr Freiraum haben

Maxim ist ein unruhiger Junge. Er ist ständig in Bewegung, braucht sehr viel Aufmerksamkeit. Der Elfjährige ist zu früh in der 26. Schwangerschaftswoche auf die Welt gekommen, er leidet an „frühkindlichem Autismus“. Von Anfang an hat Maxims Mutter Maria Konrad (42) die Unterstützung der Lebenshilfe in Anspruch genommen, sie ist mit ihm zur Frühförderstelle gegangen, später war er in einem Lebenshilfekindergarten.

Seit der Geburt von Maxims Bruder Eric im Jahr 2005 nehmen sie und ihr Mann zudem den „Familienunterstützenden Dienst“ (FUD) in Anspruch.

„Ich musste erst lernen, Hilfe anzunehmen“, sagt Maria Konrad. „Das ist mir anfangs wirklich sehr schwer gefallen. Ich konnte nicht gut loslassen. Und ich dachte auch, dass keiner so gut mit meinem Kind umgehen kann wie ich. Heute weiß ich, dass das nicht stimmt.“

Im Rahmen des FUDs kommen stundenweise Helfer in die Familien mit behinderten Kindern und sorgen für Entlastung.

Etwa 70 Familien werden derzeit von 40 Helfern unterstützt. Die Finanzierung erfolgt zum größten Teil aus der Pflegeversicherung. Heike Pohlitz, Leiterin des FUD: „Unsere Helfer sind sehr oft Auszubildende im Erziehungsbereich, Sozialpädagogik-Studenten oder auch engagierte Mütter.“

Die junge Frau, die Maxim manchmal besucht, hat früher in seiner Klasse in der Christophorus-Schule den Bundesfreiwilligendienst absolviert. Maria Konrad: „Sie macht eigentlich alles mit Maxim, was ich auch machen würde. Zum Beispiel Trampolin springen, Buchstaben sortieren oder puzzlen.“

Manchmal kommt Maxims Helferin auch abends zu ihrem Schützling, so dass die Eltern ein paar Stunden zu zweit genießen können. „Für meinen Mann und mich“, sagt Maria Konrad, „ist das eine große Entlastung. Ich nehmen den Dienst beispielsweise auch in Anspruch, wenn die Schule geschlossen ist und ich arbeiten muss.“

Maxims Großeltern kann und möchte sie die Betreuung des behinderten Kindes nicht zumuten. „Maxim ist sehr mobil. Und er ist ein Kind, das immer wegläuft. Das heißt, man darf ihn wirklich keine Minute aus den Augen lassen.“

Übrigens hat Maxim, der die Stephanus-Schule in Selgersdorf besucht, auch eine Schulbegleitung. Auch das ist ein Angebot der „Ambulanten Dienste“ der Lebenshilfe. Heike Pohlitz: „Das Ziel ist, dass Maxim soviel wie möglich am Unterricht mit den anderen Kindern teilnehmen kann.

Wird es ihm aber zu viel, kann er mit dem Schulbegleiter etwas anderes machen.“ Insgesamt gibt es bei der Lebenshilfe 35 Schulbegleiter, sie betreuen auch behinderte Kinder an Regelschulen im Kreis Düren.

Viele Eltern, auch das ist eine Erfahrung, die Diplom-Heilpädagogin Heike Pohlitz im Laufe der Jahre gemacht hat, haben die gleichen Bedenken, die auch Maria Konrad hatte, bevor sie den FUD um Hilfe gebeten hat.

„Gerade bei kleineren Kindern haben Eltern oft ein schlechtes Gewissen, ihr Kind abzuschieben. Das tun sie aber nicht. Unser Angebot erweitert das Netzwerk der Familie.“

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