Kreis Düren: Damit der Tod kein Tabuthema mehr ist

Kreis Düren : Damit der Tod kein Tabuthema mehr ist

„Über Sterben und Tod wird ungerne nachgedacht, aber Beides ist auch ein Teil des Lebens.“ Dr. Hans-Heinrich Krause ist ein Mann, der die Dinge gerne auf den Punkt bringt, nicht lange drum herum redet. Einer, der mit offenen Augen durchs Leben geht, Missstände sieht und möglichst auch ändern will.

Vor 25 Jahren hat der Mediziner, der lange Jahre die Klinik für Anästhesie am Krankenhaus Düren geleitet hat, die Hospizbewegung des Kreises Düren gegründet. „Die Lebensumstände von Sterbenden in den Krankenhäusern waren damals teilweise wirklich unmöglich“, sagt Krause. „Es gab tatsächlich Menschen, die zum Sterben ins Badezimmer geschoben worden sind, um die anderen Patienten nicht zu stören. Ich habe schon sehr früh die Notwendigkeit gesehen, das zu ändern.“

Schon in den 80er Jahren hat Krause zum ersten Mal seinen Arbeitgeber gebeten, einige Betten für sterbende Menschen einzurichten. „Damals hat es geheißen, dass es dafür keine Kapazitäten geben würde. Aber das waren Schutzbehauptungen.“ Als Nicole Savelsberg, die damals wie heute die Menschen mit HIV und Aids-Patienten im Kreis Düren betreut, im Jahr 1993 Unterbringungsmöglichkeiten für Aidskranke im Endstadium suchte, nahm Krause das zum Anlass, zu einer Informationsveranstaltung ins Haus der Stadt einzuladen. „Dass zu dieser Versammlung 73 Leute gekommen sind, war für uns damals eine riesige Überraschung.“

Und die Geburtsstunde der Hospizbewegung, die noch an diesem Abend gegründet wurde. „Wir wollten eine Hospizbewegung, die überkonfessionell, poltisch unabhängig, also vollkommen neutral war. Und das ist sie auch heute noch. Trotz der großen Resonanz, sagt Krause, habe es damals auch sehr viel Skepsis gegeben — auch von Medizinern übrigens. „Es hat lange gedauert, bis wir uns ein wirkliches Netzwerk aufgebaut haben. Aber natürlich ist es auch schwer, ein so belastendes Tabu wie den Tod zu brechen.“ Heute können Krause und seine Nachfolger an der Spitze der Hospizbewegung sagen, dass das gelungen ist.

Die Hospizbewegung hat mittlerweile weit über 500 Mitglieder, mehr als 100 Männer und Frauen sind zu ehrenamtlichen Hospizbegleitern ausgebildet worden, es gibt Projekte, um Kindern und Jugendlichen die Angst vor der Auseinandersetzung mit dem Thema Tod zu nehmen, und eine Ethik-Charta für den Kreis Düren, die von der Hospizbewegung federführend gestaltet wurde. „Dank des großen Engagements der Ehrenamtler sind wir mitten im Bewusstsein der Bevölkerung verankert. Das ist sicher einer der größten Erfolge der Hospizbewegung“;

Grundsätzlich habe sich viel verändert. Krause: „In der Medizin, aber auch in der Gesellschaft.“ Es sei mittlerweile anerkannt, so Krause, dass medizinische Versorgung sowie eine spirituelle und seelische Begleitung von todkranken Menschen zusammengehörten. „Der Kreis Düren ist palliativ-medizinisch gut aufgestellt. Und auch die Hospizbewegung trägt ihren Teil bei. Ich denke, wir können sagen, dass wir kein bürokratischer Organismus, keine statische Einrichtung sind, sondern etwas sehr Lebendiges, das ständig in Bewegung ist.“

Das eigene Lebensende

Es gebe, ergänzt der Mediziner, immer neue Projekte, neue Veranstaltungen. „Die Hospizbewegung ist mir in den vergangenen 25 Jahren zu einer echten Herzensangelegenheit geworden“, sagt Krause, der heute deren Ehrenvorsitzender ist. „Und eigentlich war mir das von Anfang an klar, weil die Betreuung von sterbenden Menschen mir immer ein inneres Anliegen war.“

Hans-Heinrich Krause ist im Februar 89 Jahre alt geworden, er glaubt, dass sein Engagement für die Hospizbewegung auch seinen Umgang mit dem eigenen Lebensende nachhaltig geprägt und beeinflusst hat. „Ich denke für jeden Menschen ist die Vorstellung vom Ende des eigenen Lebens mit Ängsten behaftet“, sagt er. „Aber ich sehe dem trotzdem auch mit Zuversicht entgegen, weil ich weiß, dass es Menschen gibt, die mich begleiten und sich um mich kümmern werden.“

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