Dagmar und Frank Ledig sind seit 60 Jahren verheiratet

Seit 60 Jahren verheiratet : Hochzeitsreise nach Westdeutschland

Morgen auf den Tag genau vor 60 Jahren haben sich Dagmar und Frank Ledig das Ja-Wort gegeben. Zu diesem Zeitpunkt waren sie 19 Jahre alt und kannten sich schon seit der Schulzeit.

„Aber war man nicht damals erst mit 21 Jahren volljährig“, mag sich jetzt so mancher fragen. Richtig, so war das im Westen. Aber in der ehemaligen DDR war das anders. Also konnten auch Dagmar und Frank ohne Umschweife in Leipzig heiraten, bevor sie die vermeintliche Hochzeitsreise nach Ost-Berlin antraten, von der sie nie zurückkamen.

„Wir haben eine Adresse von einem Hotel in Berlin angegeben“, erinnerte sich Dagmar Ledig und ihr Mann ergänzte: „Wir wurden ja von Russen und Deutschen kontrolliert.“

Von Ost-Berlin nach Aachen

Von Ost-Berlin ging es dann mit der S-Bahn nach West-Berlin und von dort aus nach Aachen. In Eilendorf wohnten zwei Brüder von Frank Ledig. Das junge Ehepaar kam zunächst in eine Notunterkunft und die Gemeinde besorgte ihnen sehr schnell eine Wohnung.

Ursprünglich war geplant, dass Dagmar Ledig, gelernte Chemielaborantin, für den Lebensunterhalt sorgt und Frank in Aachen sein Studium fortsetzt. Doch dann kam alles anders. Die junge Frau wurde schwanger und deswegen nicht von Grünenthal eingestellt. „Was für ein Glück“, sagt sie heute. Das Schlafmittel Contergan sei nämlich zu dieser Zeit kostenlos an Mitarbeiter abgegeben worden.

Ferienhaus wird Heimat

Frank Ledig arbeitete schließlich beim RWE und die junge Familie verschlug es nach Grevenbroich. Ein weiteres Kind folgte. Dagmar Ledig arbeitete bald wieder und war an der Entwicklung des Gelierzuckers beteiligt. Privat zog es das Paar aufs Segelboot, manchmal packte er dann auch sein Akkordeon aus. Die Segelleidenschaft ließ das Ehepaar schließlich einen Segelclub am Rursee gründen und ein Wochenendhaus in Hasenfeld kaufen.

Dieses Haus wurde um- und ausgebaut. Und seit einigen Jahren ist das ehemalige Wochenenddomizil für das naturverbundene Ehepaar ein Zuhause geworden. In dem großen Garten haben die Enkel oft herumgetobt. Wenn sie heute zu besuchen kommen, dann helfen sie dem Opa bei der Gartenarbeit.

Natürlich sind die Eheleute zwischenzeitlich mehrfach in ihrer alten Heimat Leipzig gewesen. Und die Familie aus dem Osten kommt auch regelmäßig zu Besuch. Die Großfamilie trifft sich einmal pro Jahr. „Das sind dann auf einen Schlag 80 Leute“, erzählt Frank Ledig. Seine Frau serviert Saft von eigenen Äpfeln. Dann legt sie ihre Hand auf seine Hand und erzählt von gemeinsamen Urlaubsreisen: „Wir sind auf allen Erdteilen gewesen.“ Bei ihrer Goldhochzeit seien sie gefragt worden, was sie so lange zusammengehalten habe. „Das wir uns auch schon als ganz junge Menschen immer aufeinander verlassen konnten“, hat sie geantwortet.

Zusammenhalt ist wichtig

Heute gibt es einen kleinen Empfang bei Ledigs und am Wochenende wird gefeiert. „Aber nur im kleinen Kreis“, sagt Dagmar Ledig. Das sind mit Nichten und Neffen immerhin noch 30 Personen. „Das schönste für mich auf der Welt, ist Familie, die zusammenhält“, lautet ihr Motto. Das hat sie auch auf die Einladungen zur Diamantenen Hochzeit geschrieben.

(wey)
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