Düren: Container-Bahnhof: Sehr viele Fragen, sehr wenige Antworten

Düren: Container-Bahnhof: Sehr viele Fragen, sehr wenige Antworten

Wer beweisen wollte, dass die Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung am Dienstag im Burgau-Gymnasium eine besondere ist, wurde auf dem Parkplatz fündig. Um kurz vor 17 Uhr gab es nämlich keinen Parkplatz mehr — und das ist sehr ungewöhnlich, wenn sich örtliche Politiker zu ihren Sitzungen treffen. Normalerweise ist es so, dass die Zuschauerbänke unberührt bleiben.

Das war am Dienstag anders. Etwa 150 Leute aus Merzenich und Arnoldsweiler sind in die Aula gekommen und haben jede Menge Fragen mitgebracht. Ob sie knapp zwei Stunden deutlich schlauer sind, bleibt dahingestellt.

Autor der Potenzialanalyse: Professor Dr. Michael Gramm.

Es geht um das Containerterminal zwischen Arnoldsweiler und Merzenich. Nachdem es vor einem guten Jahr erstmals das Licht der Öffentlichkeit erblickte, wird es heftig diskutiert. Die Menschen in Arnoldsweiler und Merzenich sind betroffen, viele fühlen sich angesichts von Lärm, Staub, zunehmendem Verkehr und sonstigen Belastungen, die sie erwarten, bedroht. Manch einer hat sicher auch Angst.

Die Veranstaltung am Dienstag soll dazu dienen, Licht ins Dunkle der bisherigen Informationen zu bringen. Dazu hatte die Stadt Düren, auf deren rund der Containerbahnhof gebaut würde, eine so genannte Potenzialanalyse in Auftrag gegeben. Deren Ergebnisse stellte Dienstag Professor Dr. Michael Gramm vor. Gramm, früher mal Chef der Kreis-Wirtschaftsförderung, gab sich alle Mühe, immer wieder darauf hinzuweisen, was sein Auftrag war: er sollte lediglich herausarbeiten, ob sich ein solches Terminal zwischen Arnoldsweiler und Merzenich lohnen könnte. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Es könnte sich lohnen, sagte er, es könnte sich unter bestimmten Umständen lohnen.

Unter anderem, weil die Logistikbranche Zukunft habe und es in der Region kein vergleichbares Terminal gebe. Wenn nun neben dem eigentlichen Verteilzentrum sich noch genügend Unternehmen ansiedeln würden, entstünden neue Arbeitsplätze, auch hoch qualifizierte. Soweit in Kurzform das Fazit.

Die 150 Leute, die an diesem Abend ins Burgau-Gymnasium gekommen waren, hörten die Botschaften des Wissenschaftlers Gramm mit ziemlicher Ungeduld, die meisten von ihnen jedenfalls. Viel lieber wollten sie ihre Fragen loswerden, Fragen, die ihnen auf der Seele brennen, Fragen, auf die sie jetzt und sofort Antworten haben wollten. Genau das aber war nicht möglich.

Es ist noch zu früh. Bisher gibt es nur die Idee eines Containerterminals, mehr nicht, es gibt noch keine Planungen, vor allem keine konkreten. Niemand kann sagen, wie groß der Güterbahnhof tatsächlich würde, wie viele Lkw zusätzlich durch die Region fahren, wie viel Lärm entsteht, welche Art Arbeitsplätze entstehen, und, und, und.

Der Ausschuss-Vorsitzende Stefan Weschke und der Baudezernent Paul Zündorf betonten genau das immer wieder: Es gebe auf diese Fragen keine Antworten. Noch nicht.

Weitergehende Informationen soll ein so genanntes Experten-Hearing im Frühsommer bringen. Dazu sollen Experten geladen werden, die sich um verschiedene Themenkomplexe rund um das terminal kümmern. Es wird dann unter anderem um die zu erwartenden Belastungen gehen. Professor Gramm machte keinen Hehl daraus, dass es Belastungen geben würde. es wird auch darum gehen, inwieweit in die Natur eingegriffen würde und ob es notwenig ist, dass ein drittes Bahngleis zwischen Aachen und Düren gebaut wird. Es wird noch um eine Menge Dinge mehr gehen, aber all das kommt noch.

Vor allem soll auch eine „angemessene Bürgerbeteiligung“ kommen, sagte Professor Gramm. Ohne sie ginge gar nichts. Deshalb sollen bei besagtem Hearing auch Bürger als Experten eingebunden werden. Im Sommer, noch vor den Ferien, soll dann eine Grundsatzentscheidung fallen. Nicht, ob der Bahnhof, für den es noch gar keinen Investor gibt, gebaut werden soll.

Entschieden wird, ob die Stadt Düren ins Thema einsteigt. Ob das Thema weiter verfolgt wird. Dann würde eine Projektgesellschaft gegründet, die Jahre Arbeit vor sich hätte. Fünf bis acht Jahre gehen erfahrungsgemäß ins Land, bis ein solches Projekt wie ein Containerbahnhof in der grob angedachten Dimension geplant und genehmigt ist. Eine siebenstellige Summe wäre dann auch verbraucht, so viel würde laut Professor Gramm die Planungsphase kosten.

Wer seine Schatulle öffnen müsste, steht derzeit auch noch nicht ganz fest. Sicher nicht die Stadt Düren allein, sagte die Verwaltungsspitze am Dienstag. Sicher auch die Rurtalbahn, die das Projekt vor mehr als einem Jahr mit ihrem Aufsichtsratsvorsitzenden Wolfgang Spelthahn in die Öffentlichkeit brachte.

Auch dazu äußerte sich Michael ramm: „Ich habe selten einen Prozess erlebt, der so schlecht kommuniziert wurde.“ Das müsse die Stadt anders machen, sonst scheitere das Projekt auf jeden Fall.

Das hörten die 150 in der Aula des Gymnasiums wohl. Ob sie davon ausgehen, dass es auch so kommt, wissen nur sie selbst.

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