Christoph Brüske im Komm-Zentrum in Düren

Kabarett : Von Wasserhähnen und Wasserhennen

Stell dir vor es ist Kabarett – und keiner geht hin. Zugegeben, das ist etwas übertrieben, aber im Dürener Komm-Zentrum waren noch viele Plätze frei, als Christoph Brüske die Bühne betrat.

„Im Wort Alleinunterhalter steckt eine Menge Einsamkeit“, merkte er augenzwinkernd an. „Das hat heute etwas von einer SPD-Veranstaltung zum Thema ‚Wir wollen Andrea Nahles zurückhaben‘.“ In intimer Runde spulte er sein Programm nicht ab, sondern bewies, dass er wahrlich mehr Publikum verdient hätte.

Wir leben schon in bekloppten Zeiten, diagnostizierte Christoph Brüske die Tatsachen, dass ein Verbreiter alternativer Fakten im Weißen Haus sitzt, Monteure aus Gründen der politischen Korrektheit neben Wasserhähnen auch Wasserhennen installieren und die nächste Fußball-Weltmeisterschaft in einem Land stattfindet, „das in seinen demokratischen Strukturen der FIFA nicht ganz unähnlich ist“. Obwohl die Vorstellung, beim nächsten Weihnachtsmarktbesuch mit der schwarz-rot-goldenen Nikolausmütze auf der Großbildleinwand schlittschuhfahrend das Spiel der deutschen Elf zu verfolgen, schon einen gewissen Reiz habe.

Bekloppte und Beklopptes gibt es genug, also lieber nicht bekloppt machen lassen. Auch nicht von populistischen Politikern. „Der 45. Präsident der USA ist ein Baulöwe mit Twitter-Tourette, bei dem ich mir weniger Gedanken um die Frisur als um das Vakuum darunter mache“, bilanzierte Christoph Brüske. Erschreckend genug, zumal Donald Trump in den meisten Reden mehr Lacher erntet als ein Redner im Düsseldorfer Karneval.

Doch die andauernde Entrüstung im Westen sei wohl kaum eine geeignete Antwort auf die Ursachen der Wahlerfolge von Populisten. Apropos Empörung: „Wo war eigentlich die Empörung, als Erdogan mit deutschen Panzern in den Norden Syriens eingefallen ist?“, fragte Brüske ins Publikum. „Empört war einzig Ursula von der Leyen, weil die türkischen Leopard-Panzer noch einsatzbereit sind...“

Singend, tanzend, kalauernd und provozierend plauderte sich Brüske mit rheinischem Charme und Gelassenheit durch die Irrungen und Wirrungen von Politik, Moral und Menschlichkeit. Mal etwas abschweifend überzogen, dann wieder präzise wie mit einem Skalpell am offenen Herzen des Anstands operierend. Sein Motto: Bloß nicht abstumpfen, Haltung bewahren, Flagge zeigen. Und lieber nicht darüber nachdenken, wie es um die Allgemeinbildung steht. Von Lehrern in Klassenzimmern gesammelte Beispiele lieferte Christoph Brüske gleich mit: Mutterschutz bedeutet, dass das Kind nicht gleich arbeiten muss. 02, Telekom und Vodafone sind Tarifparteien und an Ostern ist Jesus aufgekreuzt. Brüske: „Das kann sich keiner ausdenken.“ Schon bekloppt – aber eben nicht hoffnungslos.

(sj)
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