Lesung in der LVR-Klinik: Christiane Wirtz nimmt ihre Schizophrenie mit Humor

Lesung in der LVR-Klinik : Christiane Wirtz nimmt ihre Schizophrenie mit Humor

Christiane Wirtz ist 34 Jahre alt und arbeitet als Radiojournalistin, als sich ihre Realität verändert. Bei ihr tritt eine Psychose auf, Diagnose Schizophrenie.

Heute ist sie 52 Jahre alt und hat bereits vier weitere Psychosen hinter sich. Von Jobausstieg und Frühverrentung will sie aber trotzdem nichts wissen, möchte vielmehr die Angst vor der Krankheit und die Stigmatisierung von Betroffenen mit ihrer eigenen Geschichte in die Öffentlichkeit rücken.

Nach einiger Unsicherheit, wie sie selbst erzählt, veröffentlichte sie schließlich ihr Buch mit dem Titel „Neben der Spur“. Zu einer Lesung war sie nun in der Dürener LVR-Klinik zu Gast. Das Interesse war groß, der Vortragsraum mit Zuhörern voll besetzt.

Nach einer kurzen Einleitung beginnt die Autorin aus einem Kapitel über ihre letzte Psychose zu lesen. „Es ist ein Sommertag, Juni oder Juli 2013. Ich bin auf der Suche nach meinem Mann, den es ja nicht wirklich gibt.“, liest sie. „Ich bin völlig durchgeknallt und glaube daran, dass sich gerade Science-fiction-mäßig das Firmament auftut. Mein Hirn sprudelt über, ich friere zwar, aber meine verrückten Gedanken lassen mich sowohl Hitze als auch Kälte spüren, je nachdem, welcher Film gerade abläuft.“

Christiane Wirtz berichtet auch von dem Tag, an dem sie aus ihrer Eigentumswohnung in Köln abgeholt und in eine Klinik zwangseingewiesen wurde. Verzweifelt versucht sie ihren Anwalt zu erreichen. Als schließlich ein Arzt ihre Geschichte anhört, berichtet sie, dass sie nicht psychisch krank sei, sondern nur wegen einer Kette von Fehldiagnosen hier gelandet sei. Ihre Eltern hätten sie mit drei Jahren entführt und wären gar nicht ihre richtigen Eltern. Mick Jagger sei ihr Vater und John F. Kennedy ihr Onkel.

Wenn die Journalistin diesen Wahn beschreibt, wird schnell klar wie einnehmend eine solche Psychose ist und wie schwer es ist, wieder in die Realität zu finden. „Ich habe in meiner eigenen Welt gelebt“, sagt sie. Aber aus ihr auch wieder herausgefunden hat sie mit Hilfe von Medikamenten, aber vor allem mit Unterstützung aus ihrem Umfeld. Dabei waren nicht alle immer verständnisvoll.

Macht Krankheit zugänglich

„Ich bin lange ganz gut mit Burn-Out durchgekommen“, lacht Christiane Wirtz. „Denn da haben die Kollegen mit Depressionen und Burn-Out schon gute Arbeit geleistet. Die Krankheit ist akzeptiert, man bekommt viel Verständnis. Das ist anders, wenn man erzählt, dass man eine Schizophrenie hat.“ Gerade deshalb ist ihr autobiografisches Buch eben keine traurige Erzählung. Mit viel Humor transportiert Wirtz ihre Geschichte. Sie macht ihre Krankheit zugänglich, kämpft gegen die Vorurteile. So entsteht ein tiefer, faszinierender Einblick in ihr Leben.

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