Christian Hieke aus Derichsweiler ist zweitbester Hirschrufer

Hirschrufer aus Derichsweiler : Der mit dem Platzhirsch röhrt

Wie man in den Wald ruft, so schallt es heraus. Das gilt auch für Christian Hieke aus Derichsweiler, nur ist seine Art, in den Wald zu rufen, eine ganz besondere.

Der 28-Jährige ist Hirschrufer und beherrscht dieses außergewöhnliche Hobby so gut, dass er Deutscher Vizemeister geworden ist und sich damit für die Europameisterschaft im weißrussischen Krasny Bor qualifiziert hat.

Ein Autodidakt

Auf diesen Erfolg ist Hieke, der hauptberuflich als Förster für die Deutsche Bahn tätig ist, spürbar stolz. Schließlich ist der Naturfreund Autodidakt. Er brachte sich selbst bei, so zu röhren wie ein Hirsch. „Als ich vor ein paar Jahren auf der Jagdmesse in Dortmund war, habe ich die Hirschrufer gehört, die dort die Meisterschaft ausgetragen haben, und mir gedacht: Das kann ich auch.“ In diesem Jahr nahm er bereits zum sechsten Mal an der DM teil.

Dabei war er nicht der einzige Teilnehmer aus dem Kreis Düren: Auch Hildegard Zervos aus Oberzier (siehe Infobox) ist seit Jahren dabei. Im Gegensatz zu ihr ist Christian Hieke Jäger und fand darüber zum Hirschrufen. „Ich bin quasi im Wald aufgewachsen“, erzählt er. Sein Vater und Großvater haben ihn schon mit dreieinhalb Jahren mit zur Jagd genommen. „Ich glaube, es gibt im Hürtgenwald keinen Flecken, den ich nicht kenne.“ Aber selbst unter Jägern ist das Hirschrufen keine sehr verbreitete Fähigkeit. „Ich schätze, dass nur etwa fünf bis zehn Prozent der Jäger das können.“ Schließlich bringt die tierisch anmutende Fähigkeit den Jäger auch nur während der dreiwöchigen Brunftzeit weiter. Statt die Tiere zu rufen und dadurch aus der Deckung zu locken, können die Waidmänner schließlich auch einfach auf der Lauer liegen und abwarten.

Christian Hieke bevorzugt das Röhren. Dafür benutzt er den so genannten Eifel-Hirschruf. Dieses Hilfsmittel ist vergleichbar zu einem Instrument, mit dem der Jäger die Laute des Hirschs imitieren kann. „Hirsche haben natürlich viel längere Hälse als Menschen, der Eifel-Hirschruf ist quasi meine Verlängerung der Stimmbänder.“ Manche Kollegen setzen beim Rufen aber auch auf Hörner, Muscheln oder große Schneckenhäuser. Egal mit welchem Hilfsmittel, die Hirschrufer können ein ganzes Repertoire an Stimmen und Stimmungen zum Klingen bringen. Bei der Deutschen Meisterschaft gibt es dafür mehrere Kategorien. Nachgeahmt wurden die Stimme eines alten, suchenden Hirsches, die Stimme des Platzhirsches beim Rudel und ein Rufduell zweier gleich starker Hirsche auf dem Höhepunkt der Brunft.

In der freien Natur ist es besonders wichtig, den richtigen Ton zu treffen. Hört Christian Hieke einen Hirsch, so muss er sich für den richtigen Ruf entscheiden, um das Tier nicht zu verscheuchen. Locken die Geräusche des 28-Jährigen den Hirsch an, gibt ihm das die Möglichkeit, das Tier besser in Augenschein zu nehmen. Dann bewertet der ausgebildete Jäger, ob der Vierbeiner den strengen Kriterien entspricht und abgeschossen werden kann oder nicht.

Für ein größeres Publikum röhrt Christian Hieke dann als nächstes bei der EM vom 24. bis 26. Mai. Dort rechnet er sich zwar keine großen Chancen aus, hofft aber auf eine Platzierung unter den besten zehn. Und falls das klappt, hat er natürlich die richtigen Jubelklänge parat: den Ruf eines siegreichen Hirsches nach dem Kampf.

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