Bürgerstiftung präsentiert erstmals Werke von Franz Kaiser in Düren

Werke von Franz Kaiser : Die Rückkehr des verlorenen Malers

Erstmals werden Ende Januar auf Schloss Burgau die Werke des 1888 in Düren geborenen Malers Franz Kaiser präsentiert. Möglich macht das die Bürgerstiftung. Bisher wurden die Bilder Kaisers nur in Hamburg gezeigt. Der Künstler, der unter anderem von Helmut und Loki SChmidt gefördert wurde, galt lange als vergessen.

Dr. Gisela Hagenau musste den Namen Franz Kaiser Anfang Mai auch erst mal googeln. Hagenau ist Vorsitzende der Dürener Bürgerstiftung, die sich um Bildung und Kultur kümmert, besonders für Kinder und Jugendliche einsetzt, aber eben auch Kunst im Schloss Burgau fördert. „Künstler, die in der Region gelebt haben, leben oder der Region verbunden sind, werden zum Thema ihrer Kunstausstellungen auf Schloss Burgau“, steht deshalb in einem Flyer über die Arbeit der Dürener Bürgerstiftung.

Im Mai ist Gisela Hagenau über einen DN-Artikel gestolpert. In dem ging es um eben jenen Franz Kaiser, dem in Hamburg eine große Ausstellung gewidmet wurde. Kaiser, 1888 als Sohn eines Eisenbahnschaffners in Düren zur Welt gekommen, zog es früh nach Köln und Berlin, er lebte von 1926 bis zu seinem Tod 1971 in Hamburg – und geriet in Vergessenheit. Und weil es selbst in seiner Heimatstadt kein Interesse an dieser Ausstellung gab, ist es nun an der Bürgerstiftung, diesen Schatz zu bergen: Im Januar wird Kaisers Werk auf Schloss Burgau präsentiert. 

Faszinierende Biografie 

Dabei ist schon die Biografie dieses Künstlers überaus faszinierend. Nach einer kaufmännischen Lehre zog der Dürener nach Berlin, besuchte die Königliche Kunst- und Gewerbeschule und arbeitete anschließend als Architekt. Aus dem wohlsituierten Kleinbürger wurde nach dem 1. Weltkrieg ein kommunistischer Redner, der zur Revolution aufrief, sich den Dadaisten anschloss und gegen den bürgerlichen Kunstbetrieb revoltierte.

Der Dürener kandidierte sogar zur Reichspräsidentenwahl 1925. Der nächste Bruch in seiner Biografie kam mit der Machtergreifung der Nazis. Seine Bilder galten als „entartet“, er wurde von SA und Gestapo verfolgt und gefoltert, zwangsrekrutiert und landete schließlich in einer Nervenheilanstalt. Nach dem Krieg schlug er sich als Hausmeister durch, malte weiter im Stile des Expressionismus und fand mit Helmut und Loki Schmidt zwei prominente Förderer.

Karl Hackstein, der zusammen mit Professor Georg Bussmann für die Bürgerstiftung die Ausstellungen betreut und selbst als Künstler tätig ist, hat in der Vorbereitung der Ausstellung auf Schloss Burgau den Nachlass Kaisers in Hamburg besichtigen können. „Ich war zum einen erstaunt, wie groß die Gemälde sind.

Es sind viele langgestreckte Formate dabei, in erdigen, tonigen Farben. Ich war aber auch von den Bildinhalten fasziniert.“ Die beschreibt der Kunsthistoriker Georg Bussmann so: „Im Mittelpunkt seiner gegenständlichen Arbeiten steht immer der Mensch mit all seinen Problemen und Sorgen in den Spannungsfeldern Religion, Gesellschaft und Politik, Gesundheit und Umwelt.“

Hackstein sieht bei den Werken von Kaiser keinen Unterschied zu den großen Expressionisten seiner Zeit. „Sein Problem war vielleicht, dass er zwar durch und durch Künstler war, sich aber auch mit Kunsthandwerk beschäftigt hat. Das hat aber nicht den Stellenwert in der Kunst. Das hat man nur Picasso verziehen.“ Hinzu kommt, sagt Gisela Hagenau, dass man die Werke von Kaiser nicht in eine bestimmte Zeit oder Kategorie einordnen könne. Hackstein: „Er ist in der expressiven Phase hängen geblieben. Der Kunstmarkt war ihm egal. Er ist einfach seinem Stil treu geblieben.“ 

Grafiken und Skulpturen 

Genau das wird man in der Ausstellung auf Schloss Burgau nachvollziehen können. So werden neben den Bildern von Kaiser auch seine Grafiken und Skulpturen präsentiert. Und wenn es nach Gisela Hagenau geht, soll das erst der Anfang sein. Sie hofft, dass die Dürener weitere Gelegenheiten haben werden, das Werk von Kaiser neu zu entdecken.

So gibt es eine umfangreiche Sammlung grafischer Arbeiten von Kaiser, die teilweise noch nicht sortiert sind. Hagenau: „Diese Grafiken zu zeigen, würde sich wirklich lohnen. Meiner Meinung nach würden sie gut ins Papiermuseum passen.“ Hagenau hat aber noch einen anderen Wunsch. „Es stünde der Stadt gut zu Gesicht, ein Werk des Dürener Malers Franz Kaiser zu erwerben. Das können wir als Bürgerstiftung aber nicht leisten.“

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