Eschweiler/Langerwehe: Bürgerinitiative gegen „Monsteranlage“

Eschweiler/Langerwehe: Bürgerinitiative gegen „Monsteranlage“

Der Ausbau der Windenergie ist beschlossene Sache. Landesweit soll der Anteil an Strom aus Windkraft bis zum Jahr 2020 auf 15 Prozent steigen. Die Stadt Eschweiler plant Gebiete für weitere Anlagen. Allerdings sind die Anwohner nicht immer begeistert, wenn sie auf drehende Rotorblätter schauen, die in der Nacht auch noch blinken.

Im Langerweher Ortsteil Heistern , regt sich jetzt schon Widerstand gegen die Pläne der Stadt Eschweiler. Hauptargument: Die Pläne für das Gebiet, auf dem nord-westlich von Heistern neben der Halde Nierchen drei Windräder errichtet werden sollen, berücksichtigten die Mindestabstände zum Schutz der Menschen nicht.

Eine einheitliche gesetzliche Regelung, in welchem Abstand solche Anlagen eine zumutbare Belastung für die Anwohner darstellen, gibt es nicht. Als Orientierung gilt ein Urteil des Oberverwaltungsgerichts Münster aus dem Jahr 2006.

Dort kamen die Richter zu dem Ergebnis, dass in der Regel eine dominante und bedrängende Wirkung der Anlage vorliegt, wenn der Abstand geringer ist als die zweifache Gesamthöhe des Windrades. Erst bei einem Abstand, der die dreifache Anlagenhöhe beträgt, geht das Gericht davon aus, dass keine unzumutbare optische Belastung vorliegt. Um eine Klage der Anwohner zu vermeiden, wäre demnach mindestens die dreifache Anlagenhöhe als Abstand erforderlich.

Dennoch legt jede Stadt selbst ihre Mindestabstände fest: Für die Fläche südlich von Hücheln, unweit des Bovenberger Waldes neben der Kreisstraße 23, gilt mindestens 450 Meter zu Einzelhöfen und 600 Meter zu Siedlungen. In den Augen der Anwohner reichen diese Abstände nicht aus. Die Stadt Eschweiler geht von einer Anlage mit einer Gesamthöhe von 185,5 Metern aus.

Die Mindestentfernung

Die Heisterner errechneten demnach eine Mindestentfernung zu den Anlagen von 556,50 Metern, also die dreifache Anlagenhöhe. „Tatsächlich sind dort Räder mit einer Höhe von 199,50 Metern geplant, also müsste der Abstand noch größer sein“, argumentiert Walter Müller. Er gründete mit weiteren Betroffenen in Heistern die Bürgerinitiative „Für Windkraft mit Verstand und Augenmaß — Heistern“, die sich gegen das Gebiet zwischen Halde Nierchen und Bovenberger Wald wehrt.

Die Zahl der Areale, auf denen in Eschweiler überhaupt Windräder stehen können, ist gering, zumal nur Bereiche berücksichtigt werden, auf denen mindestens drei Anlagen stehen können. Viele Auflagen sind zu beachten, bevor der Bau genehmigt ist. Moderne Anlagen mit einer Gesamthöhe von 200 Metern sind effizienter als die kleineren, die sich auf der Halde Nierchen befinden, allerdings ist ihre Wirkung auch eine andere. Zum Vergleich: Der Kölner Dom ist gerade einmal 157,38 Meter hoch, die Schornsteinhöhe des Kraftwerks Weisweiler beträgt 168 Meter.

Die aktuellen Anlagen auf der Halde Nierchen messen etwa 90 Meter. „Es kann sich jeder einmal in Echtz hinstellen, um zu spüren, welche Wirkung so große Windräder bei so einem geringen Schutzabstand auf den Menschen haben“, so Müller.

Die Bürgerinitiative in Heistern will verhindern, dass Bürger auf weitere Windräder mit so geringen Abständen blicken müssen. Im Zweifel werde man auch nicht vor einer juristischen Auseinandersetzung zurückschrecken. Weitere zehn Windkraftanlagen mit einer geplanten Höhe von rund 200 Meter sollen dem Vernehmen nach darüber hinaus zwischen Merode und der Laufenburg, direkt im Laufenburger Wald entstehen.

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