Düren: Box-Profi aus Düren: Jede Menge Quark, Disziplin und Schweiß

Düren : Box-Profi aus Düren: Jede Menge Quark, Disziplin und Schweiß

Der 10. März kann für Jama Saidi ein ganz entscheidender Tag werden. Dann hat der 24-jährige Boxer aus Düren den bisher wichtigsten Kampf seiner noch jungen Profikarriere. Saidi boxt ab 22 Uhr in der Stadthalle Gütersloh um die IBF-Europameisterschaft gegen den Armenier Arman Torosyan.

„Wenn ich diesen Kampf gewinne“, sagt der junge Dürener, „ist das mein Durchbruch im Profigeschäft.“ Die IBF, also die „International Boxing Federation“ gehört neben der „World Boxing Association“ (WBA), der „World Boxing Organization“ (WBO) und dem „World Boxing Council“ (WBC) zu den vier größten Verbänden im Profiboxen. „Ich habe seit 2011 elf Profikämpfe absolviert“, sagt Saidi, der in Köln trainiert und in Düren lebt. „Und alle gewonnen.“ Sechs Kämpfe hat Saidi nach den kompletten zwölf Runden für sich entschieden, fünf vorzeitig, also entweder durch K.o. oder weil der Ringrichter den Kampf abgebrochen hat. „Ich stehe auf Platz sieben der Rangliste.

Der IBF-Europameistertitel ist im Augenblick vakant. Mein Gegner steht auf Platz zwei der Rangliste, er lädt zu diesem Kampf ein und hat mich als seinen Gegner ausgesucht.“ Weil Arman Torosyan Initiator des Kampfes ist, bestimmt er, gegen wen und wo geboxt wird. „Er hat einen starken Gegner gesucht, weil der Kampf auf Sky übertragen wird, und er sich profilieren möchte. Und wir boxen in seiner Heimatstadt Gütersloh.“

Acht Jahre Kickboxen

Jama Saidi hat acht Jahre lang Kickboxen gemacht, bevor er durch einen Zufall zum Boxen gekommen ist. „Ich war im Kickboxen mit 14 Jahren Deutscher Meister, mit 17 Europameister. Bei einem Profi-Wettkampf ist mein Gegner nicht aufgetaucht. An demselben Abend fehlte einem Boxer auch ein Gegner. Ich bin eingesprungen — und so zum Boxen gekommen.“ Hauptunterschied der beiden Sportarten sei natürlich, dass man beim Boxen nur die Arme und eben nicht die Beine benutzen dürfe. „Es gibt aber auch eine völlig andere Kampfstellung, andere Bewegungen und viel mehr Beinarbeit. „Mir hat das Boxen von Anfang an unglaublich viel Spaß gemacht“, sagt Saidi. „Und ich hatte Talent.“

Darüber hinaus macht der Profi-Sportler auch keinen Hehl daraus, dass Boxen natürlich viel populärer ist als Kickboxen. „Als erfolgreicher Boxer kann man ungleich bekannter werden als als Kickboxer. Und man verdient im besten Fall auch mehr Geld.“ Gleich nach seinem ersten, eher unfreiwilligen Boxkampf hat sich ein Sportmanager bei Jama Saidi gemeldet, seitdem ist er im Profi-Geschäft. „Elf Kämpfe in knapp sieben Jahren ist nicht viel“, sagt der Dürener, der an der Anne-Frank-Gesamtschule in Mariaweiler sein Fachabitur gemacht hat. „Aber mir war es wichtig, auf jeden Fall ein zweites Standbein zu haben.“ Saidi hat eine abgeschlossene Ausbildung als Physiotherapeut. „Seit einigen Monaten arbeite ich aber nicht mehr, sondern konzentriere mich voll und ganz auf den Sport.

Das Niveau steigt, ich trainiere mindestens vier Stunden jeden Tag.“ Mit dem Training allein ist es aber nicht getan. Mindestens genauso wichtig ist für Saidi eine gesunde Ernährung. „Ich boxe im Superweltergewicht, also in der Klasse bis 69,5 Kilogramm.“ Dieses Gewicht — und kein Gramm mehr — muss Saidi am Freitagabend auf die Waage bringen. „Ich habe acht Wochen intensiv trainiert, aber auch auf das Wiegen hingearbeitet“, sagt er, „Ich habe fast nur Hähnchen, Fisch, Gemüse und Quark gegessen, komplett auf Alkohol und Partys verzichtet.“ Saidi lächelt und ergänzt: „Immer könnte ich so nicht leben, vor allem, weil ich so ein großer Freund von Süßigkeiten bin. Aber um am Samstag so gut wie möglich zu sein, war ich bereit, wirklich große Opfer zu bringen.“

Rund 150 Fans aus Düren

Klar, dass Jama Saidi für den Kampf in Gütersloh seine Familie und Freunde mobilisiert hat. „Ich denke schon, dass etwa 150 Fans aus Düren mitkommen“, sagt er. „Die Unterstützung meiner Familie ist mir schon sehr wichtig. Und auch wenn ich während des Kampfes total im Tunnel bin, bekomme ich schon mit, was rundum passiert.“ Als Musik für seinen Einzug in den Boxring hat Saidi „Last Resort“ von Papa Roach ausgesucht. „Das ist extrem rockig und für mich ein letzter Push, bevor es losgeht.“ Natürlich hofft Jama Saidi auf einen Sieg, zumindest aber darauf, sich perfekt zu präsentieren. „Bei solchen hochkarätigen Kämpfen sind immer Scouts der drei größten deutschen Box-Promoter in der Halle. Und es wäre toll, bei so jemandem einen Vertrag zu bekommen.“ Denn eins ist auch klar: Ohne eine Zusammenarbeit mit einem echten Profi im Bereich Box-Management wird es für Saidi schwer, wirklich große Sponsoren zu bekommen. Die braucht er, um mit dem Sport viel Geld zu verdienen.

Saidi ist überzeugt, dass er es schaffen kann. Und er glaubt fest daran, morgen den EM-Titel zu holen. „Meine Stärken sind Koordination und die Fähigkeit, viel Druck ausüben zu können.“ Falls Saidi gewinnt, muss er innerhalb von sechs Monaten den Titel verteidigen. „Das würde ich am liebsten in der Arena in Düren tun“, sagt er. Erst einmal muss er aber am Samstag bestehen. „Ich gebe alles“, sagt Saidi. „Dieser Tag kann wirklich mein Schicksalstag werden.“

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