Paten aus ganz Deutschland: Blühendes Erfolgsprojekt im Kreis Düren

Paten aus ganz Deutschland : Blühendes Erfolgsprojekt im Kreis Düren

Eine zündende Idee zweier Landwirte: Das Projekt „Vielfaltaktivist“ findet großen Anklang. Insgesamt finanzieren 130 Patenschaften einen Blühstreifen im Osten des Kreises. Auf einer Fläche von knapp fünf Fußballfeldern wachsen 60 verschiedene Arten aus der Region.

Mit so einem riesigen Erfolg haben Heinrich Esser (30) und Thomas Neisse nicht gerechnet. Im Februar haben die beiden jungen Landwirte ihr Projekt „Vielfaltaktivist“ begonnen und Patenschaften für Blühstreifen vergeben.

„Unser Anliegen war“, erklärt Esser, „etwas gegen das Insektensterben zu tun. Wir hatten vorher schon an Blühstreifenprogrammen von Bund und Land teilgenommen, die waren uns aber viel zu bürokratisch. Deswegen sind wir selbst aktiv geworden.“ Die beiden Ackerbauern haben eine eigene Internetseite entworfen, der Fernsehsender Phoenix hat über die Initiative berichtet, und ziemlich schnell wurde das Projekt immer größer.

Esser: „Wir haben 130 Patenschaften vergeben und konnten auf 28.000 Quadratmetern Blühstreifen anlegen. Das sind knapp fünf Fußballfelder. Als wir angefangen haben, wären wir froh gewesen, wenn ihr ein Zehntel von dem erreicht hätten. Das Projekt ist echt eingeschlagen.“

Woher der große Erfolg kommt, kann Esser schwer erklären. „Bei uns machen ganz unterschiedliche Leute mit, die meisten haben 50 Euro gezahlt und damit eine Patenschaft für 100 Quadratmeter übernommen.“ Für weniger als einen Euro in der Woche, ergänzt der 30-Jährige, könne man einen wirklich guten Beitrag zum Insektenschutz leisten. „Ich glaube, das gefällt vielen. Bei uns machen Landwirte mit, die sich zur Ruhe gesetzt haben, aber auch Imker und Leute, die keinen eigenen Garten haben, sich aber trotzdem engagieren möchten.“

Paten aus Kiel

Dabei kommen die Paten längst nicht nur aus dem Kreis Düren oder dem Rhein-Erft-Kreis. Esser: „Wir haben sogar Paten vom Bodensee und aus Kiel. Und Anfang der Woche haben wir rund um das Forschungszentrum in Jülich Blühstreifen auf 3000 Quadratmetern Fläche angelegt. Einer der Professoren war auf uns aufmerksam geworden und sofort begeistert.“ Und welche Blumensamen sähen die Jung-Landwirte? „Wir haben uns von einem Biologen beraten lassen. Auf unseren Blühstreifen wachsen 60 verschiedene Arten aus der Region, unter anderem Kornblumen, Ringelblumen und Mohn. Die Insekten nehmen das sehr gut an.“ Besonders wichtig ist den Bauern, dass die Paten nicht einfach nur einen bestimmten Betrag überweisen, um damit ihr Gewissen zu beruhigen. Esser: „Wir wollen mit den Menschen ins Gespräch kommen, Landwirtschaft und Verbraucher wieder näher zusammenführen.“ Deswegen veranstalten die beiden regelmäßige Treffen für die Paten. Im Winter sollen zusammen Insektenhotels gebaut werden. Arten-. und Umweltschutz ist für Heinrich Esser aus Kelz und Thomas Neisse (Erftstadt) nicht erst seit der Klimadebatte ein wichtiges Thema. „Meinem Vater war das schon wichtig. Wir arbeiten mit der Natur“, sagt Esser. „Und wollen sie natürlich nicht schädigen. Deswegen ist es uns auch ein Anliegen, den Artenschutz zu fördern.“

Feldhamster und Grauammer

Neben dem Projekt „Vielfaltaktivist“ macht Esser auch bei der Initiative „Vertragsnaturschutz“ mit, die vom Landesumweltamt gefördert wird. Esser: „Wir tun damit etwas für Feldlerche und Feldhamster sowie für die Grauammer.

Einige Getreidefelder erntet Esser nicht, damit die Feldlerche dort bequem nisten kann, auf anderen Äckern ist der Abstand zwischen den Pflanzen doppelt so groß wie normalerweise, damit Grauammer und Feldhamster optimale Brutbedingungen finden.

„Mein Eindruck ist“, sagt Heinrich Esser, „dass sich immer mehr Landwirte in unserer Region für Umwelt- und Artenschutz engagieren. Ich glaube, es ist mittlerweile jedem klar, wie wichtig dieses Thema ist.“

Neben ihrem Blühstreifenprojekt, das die beiden Landwirte im kommenden Jahr auf jeden Fall fortsetzen möchten, planen sie auch, in Jakobwüllesheim eine Streuobstwiese anzulegen – und zwar eine in Verbindung mit Weidehaltung.

Esser: „Die Kühe kommen von einem befreundeten Landwirt, und am Ende haben alle was davon: Die Menschen, die die Äpfel essen können, die Kühe, weil sie Futter finden und die Insekten. Das ist eine Win-win-win Situation. Genau das wollen wir erreichen.“

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