Düren: Blick ins Vereinsregister sorgt beim DSV für Wirbel

Düren: Blick ins Vereinsregister sorgt beim DSV für Wirbel

Das deutsche Vereinsrecht ist relativ simpel: Man benötigt einen Vorstand, hält regelmäßig Mitgliederversammlungen und Neuwahlen ab, lässt sich ins Vereinsregister eintragen und kann dann tätig werden. Beim Dürener Spielverein haben diese einfachen Spielregeln offenbar über Jahre hinweg nicht funktioniert.

Mit gravierenden Folgen für die, die den Verein jetzt reanimiert haben.

Bereits Anfang September war es, als der DSV zu einer Mitgliederversammlung eingeladen hatte und ein neuer Vorstand gewählt wurde. Ungewöhnlich ist die Vorgeschichte. Das Amtsgericht hatte den alten Vorstand - angeführt von CDU-Stadtrat Rolf Delhougne - bereits zwei Jahre vorher abgesetzt. Davon ahnten die Mitglieder allerdings nichts.

Der neue 2. Vorsitzende Dirk Marten war es, der - frustriert über die seiner Meinung nach schlechte Arbeit des bisherigen Vorstandes - Anfang August zum Amtsgericht Düren marschierte und dort Erstaunliches herausfand. Der Vorstand des Vereins war bereits zwei Jahre vorher, also im August 2009, von Amts wegen vom Amtgericht abgesetzt worden.

Der Grund: Es hatte offenbar über mehrere Jahre hinweg keine Mitgliederversammlungen mit Vorstandswahlen mehr gegeben. Die Absetzung führte allerdings nicht dazu, dass der Vorstand seine Arbeit einstellte. Ganz im Gegenteil. Marten im Gespräch mit den „DN”: „Das wusste im Verein keiner.” Das Amtsgericht bestellte wenige Tage nach der Einsicht ins Vereinsregister einen Notvorstand, im September wurde dann auf einer Mitgliederversammlung Michael Schmitt zum neuen 1. Vorsitzenden gewählt. Und der hat nun ungeahnte weitere Probleme: Der Verein ist nämlich hoch verschuldet.

Um die 20.000 Euro sollen es sein. Wie es zu diesen Schulden kam, kann Schmitt nicht sagen. Schmitt: „Ich weiß nicht, was mit dem Geld passiert ist, weil uns die Unterlagen dazu fehlen.” Unklar ist derzeit auch noch, ob es sich bei den Schulden überhaupt um Vereinsschulden handelt. Schmitt: „Es gibt eine Bürgschaft von Herrn Delhougne bei dem Geldinstitut. Die Bank hat uns versprochen, sich an den Bürgen zu halten.” Dass das Problem gelöst ist - auf diese Mitteilung der Bank wartet Schmitt allerdings immer noch. „Wenn das scheitern sollte, dann können wir den Verein schließen”, sagt er.

Rolf Delhougne kann die Aufregung nicht ganz nachvollziehen. „Die Unterlagen des Kassierers werden für das Finanzamt aufgearbeitet. Das ist bis Mitte Januar abgeschlossen. Das weiß der Verein aber auch”, sagt Delhougne, der zu seiner Bürgschaft steht: „Der Verein hat keine Schulden.” Delhougne hat für heute Abend einen Termin mit dem neuen Vorsitzenden vereinbart, bei dem er diese Zusage noch einmal schriftlich wiederholen will.

Dass der alte Vorstand zwei Jahre nach seiner Entlassung von Amts wegen weiter gearbeitet hat - dafür hat Delhougne eine Erklärung: „Davon wusste ich selbst nichts.” Delhougne hat allerdings eine andere Vermutung: Er tippt auf eine Retourkutsche für die von ihm durchgesetzte Fusion des DSV mit dem Türkischen Spielverein. Delhougne: „Danach fing der Streit im Verein nämlich an.” Deshalb sei es auch wichtig, „jetzt Ruhe in den Verein zu bekommen”.

Eine erfreuliche Entwicklung sieht Dirk Marten allerdings dennoch: „In allen Abteilungen geht es sportlich wieder aufwärts und das hat sich auch auf die Mitgliederzahlen ausgewirkt. Wir haben in den letzten anderthalb Monaten zahlreiche neue Mitglieder gewinnen können.” Viele seien dabei, so Marten weiter, die unter dem vorherigen Vorstand kapituliert hätten.