Düren: Blick hinter die Annakirmes-Kulissen: 1700 Pedelecs für einen Riesen-Propeller

Düren : Blick hinter die Annakirmes-Kulissen: 1700 Pedelecs für einen Riesen-Propeller

Die Annakirmes mal von unten, mal von oben, mal kulinarisch und mal technisch, mal nostalgisch und mal hypermodern: Beim schon traditionellen Blick der Dürener Zeitung hinter die Kulissen präsentierte sich das große Dürener Volksfest 20 Lesern wieder aus ganz ungewohnten Perspektiven.

Dürens Schaustellerchef Bert Cremer und seine Kollegen öffneten Türen, die dem normalen Kirmesbesucher verschlossen bleiben, wie die zur Stromzentrale.

Vier Stunden lang erlebten 20 DZ-Leser die Annakirmes aus einer anderen Perspektive. Die Schausteller um Bert Cremer (kl. Bild rechts oben) gaben informative Einblicke in Technik, Logistik und Sicherheit des Rummels. Netzmeister Oliver Perz (l., unten) erklärte die Stromversorgung. Foto: Jörg Abels

Dort erklärte Netzmeister Oliver Perz von der Stadtwerke-Tochter Leitungspartner, dass er in diesem Jahr eigens für die neue Platzgestaltung zwei zusätzliche Stellen einrichten musste, von denen aus die Geschäfte, Karussells und Bahnen mit Strom versorgt werden. Insgesamt gibt es derer nun acht, mit denen die SWD so viel Strom bereitstellen, wie ein Stadtteil von der Größe Rölsdorfs benötigt.

Vier Stunden lang erlebten 20 DZ-Leser die Annakirmes aus einer anderen Perspektive. Die Schausteller um Bert Cremer (kl. Bild rechts oben) gaben informative Einblicke in Technik, Logistik und Sicherheit des Rummels. Netzmeister Oliver Perz (l., unten) erklärte die Stromversorgung. Foto: Jörg Abels

Größter Stromverbraucher 2018 ist im Übrigen nicht mehr der Breakdancer. Der Riesen-Propeller hat ihn abgelöst. Um den „XXL Racer“ in Gang zu setzen, würde man 1700 Pedelecs oder 85.000 Handy-Netzteile benötigen, veranschaulichte Perz. Insgesamt geht der Stromverbrauch der Annakirmes aber dank energiesparender LED-Lichttechnik weiter zurück. „Gingen früher abends an allen Geschäften die Lichter an, wurden 40 Prozent mehr Strom als tagsüber benötigt, heute sind es nur noch zehn Prozent“, erklärte der Netzmeister.

BU.

Claudia Dreher-Vespermann führte die Gruppe unter ihr Geschäft, um nicht nur anschaulich zu erklären, wie ihr Breakdancer funktioniert. Sie zeigte auch auf, dass sieben Sattelzüge benötigt werden, um das rasante und vor allem bei Jugendlichen beliebte Rundfahrgeschäft zu transportieren, das — wenn es denn heute noch gebaut würde — „ohne Fuhrpark sicherlich 2 bis 2,2 Millionen Euro kosten würde“.

BU.

Früher, als er nur eine „einfache“ Wilde Maus betrieb, reichten Max Johannes Eberhard auch sieben Transporter aus, um das Geschäft zu bewegen. In der heutigen XXL-Version mit aufwendiger Deko und Erlebnisparcours sind 21 Lkw-Ladungen vonnöten. „Die Achterbahn ab- und wieder aufzubauen, dauert normalerweise acht Tage und kostet 25.000 Euro“, erklärte Eberhard den Lesern, die bislang einmalige Hauruck-Aktion in nur fünf Tagen von Düsseldorf nach Düren hat mehr als das Doppelte verschlungen.

„Da müssen bis Sonntag schon noch ein paar Fahrgäste kommen, damit sich das rentiert“, betonte das 69-jährige Schausteller-Urgestein. Schon Thorsten Kaiser, rechte Hand von Autoscooter-Betreiber Hans-Otto Grass, hatte bei der Vorstellung des Kirmesklassikers 20 nagelneue Fahrzeuge präsentiert, die mehr als 5000 Euro das Stück kosten — so viel wie ein gebrauchter Kleinwagen. Angesichts dieser Zahlen, aber auch bei der Frage nach dem Standgeld, die Claudia Dreher-Vespermann für ihren Breakdancer mit 6600 Euro beantworte, wuchs bei den Teilnehmern das Verständnis für die Fahrpreise, die beim einen oder anderen Fahrgeschäft auf den ersten Blick recht hoch anmuten.

Und wenn Kirmesgastronom Bruno Dreßen auf 1000 Gläser verweist, die allein in seinem Biergarten an einem guten Donnerstagabend zu Bruch gehen oder verschwinden, relativiert sich für den einen oder anderen auch der Bierpreis. „Jedes Pilsglas kostet mich schließlich 1,80 Euro“, erklärte Dreßen. „Die Zeiten, in denen Brauereien die Gläser kostenlos zur Verfügung stellten, sind vorbei.“ Im Übrigen, und auch das erstaunte die Leser: Dreßen benötigt für sein Bierdorf inklusive Karussellbar wie Kollege Eberhard 21 Transporter, aber fast dreimal so lange für den Aufbau in Düren.

Vier Stunden auf dem Platz vergehen wie im Fluge: Frank Koken gibt Einblicke in die Kunst des Mandelbrennens, bei der er wie so viele seiner Kollegen auf die spanischen und nicht die etwas billigeren, dafür aber auch etwas bittereren kalifornischen Mandeln setzt, die er dreimal jährlich angeliefert bekommt und dann im heimischen Kühlhaus zwischenlagert.

Patric Ramacher von der Dürener Feuerwehr erklärte vor Ort, dass alle Feuerwehr- und Sanitätseinsätze auf dem Platz in der sogenannten Abschnittsführungsstelle auf dem Gelände der Landwirtschaftsschule in einem ehemaligen Ü-Wagen des Fernsehens koordiniert werden, dass täglich 15 Feuerwehrleute und zwischen 15 und 30 Sanitäter auf der Kirmes im Einsatz sind, und sich täglich Vertreter der Stadt, der Schausteller, der Polizei und der Feuerwehr um 11.30 Uhr zur Lagebesprechung treffen, im Notfall, beispielsweise einer Gewitterwarnung, auch sehr kurzfristig.

Fahrten im Autoscooter, auf der Wilden Maus, dem Europarad und nicht zuletzt auf der Kirmesneuheit des Jahres 1939, der originalgetreu erhaltenen Fahrt ins Paradies, rundeten eine abwechslungsreich-informative Rummelrunde ab.

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