Frauenhaus gesucht: Bis 2020 soll eine neue Immobilie her

Frauenhaus gesucht : Bis 2020 soll eine neue Immobilie her

Im Dürener Frauenhaus ist es zu eng. Bei Vollbelegung teilen sich acht Frauen und sieben Kinder ein Wohnzimmer, zwei Bäder, zwei Küchen. Für die sechs Mitarbeiterinnen gibt es nur ein Büro, der winzige Besprechungsraum bietet kaum genug Platz und barrierefrei ist das Gebäude auch nicht.

„Das Haus entspricht nicht mehr den aktuellen Anforderungen“, sagt Sonja Waltl vom Verein „Frauen helfen Frauen“, der das Frauenhaus betreibt. „Deshalb suchen wir eine neue Immobilie.“

Ihre Kollegin Petra Müller berichtet: „Als wir das Haus 1994 bekamen, war das für uns ein riesengroßer Fortschritt: von der Frauenwohnung zum Frauenhaus. Aber das war schon damals ein Altbau.“ Heute stoßen die Bewohnerinnen dauernd an räumliche Grenzen. „Wir brauchen einen großen Raum, in dem alle gemeinsam essen können.“ Derzeit wird in Etappen gegessen: Frauen und Kinder jeweils einzeln.

Die Anforderungen an das Gebäude hat der Verein nun in einem Konzept zusammengefasst. Als Nächstes steht eine Schätzung des alten Gebäudes an. Vonseiten des Kreises sei angedeutet worden, dass der Verkaufswert dem Verein für die neue Immobilie zur Verfügung gestellt würde. Auch mit dem Paritätischen als Dachverband und Dürens Bürgermeister Paul Larue seien schon Gespräche erfolgt, damit schnellstmöglich eine Immobilie gefunden wird. Bei der Suche nach passenden Häusern und finanziellen Mitteln hofft der Verein aber auch stark auf die Unterstützung der Bevölkerung. Ende 2019, spätestens aber 2020 hätten die Verantwortlichen gern ein passendes Objekt.

Neben diesen konzeptionellen Überlegungen für die Zukunft beschäftigte den Verein ein ähnliches Thema ganz akut: „Die Wohnungsnot in Düren ist ein Dauerbrenner“, beklagte Waltl. Schon seit Jahren fällt es Frauen, die Opfer von häuslicher Gewalt geworden sind, schwer, eine neue Bleibe zu finden. Die Lage habe sich immer mehr zugespitzt, 2017 sei es besonders schlimm gewesen, resümieren Waltl und Müller.

Das führe sogar dazu, dass Frauen geneigt seien, länger im gemeinsamen Zuhause mit ihrem gewalttätigen Partner zu bleiben, weil sie keine andere Perspektive sehen. In einem anderen Fall war eine Frau acht Monate lang im Frauenhaus, hat nicht nur in Düren, sondern auch im Umland vergebens nach Wohnraum gesucht und sich letztlich entschieden, Düren zu verlassen, obwohl sie das eigentlich nicht wollte.

Waltl: „Es ist unglaublich belastend für die Frauen, wenn es nicht vorangeht. Sie haben das Gefühl, keine Chance zu haben und ziehen sogar in Betracht, zu ihrem Partner zurückzukehren. Wenn wir das hören, sind wir immer in höchster Alarmbereitschaft. Das kann ja nicht sein!“

Dass der Verein das Thema Wohnungsnot so häufig angesprochen habe, trage nun Früchte. Müller: „Wir haben gespürt, dass es länger dauert, bis das in der Politik ankommt, aber jetzt ist es endlich bekannt.“

(wel)
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