Kreuzau: Biogas aus Abwasser anstatt fossile Brennstoffe

Kreuzau : Biogas aus Abwasser anstatt fossile Brennstoffe

Die Niederauer Mühle will mit ihrer neuen Klärgasanlage für eine signifikante Entlastung der zentralen Dürener Kläranlage sorgen. Die Menge des unbehandelten Abwassers des Papierherstellers, die in Merken ankommt, soll um 80 Prozent sinken. Das erklärt der zuständige Ingenieur und Projektplaner Dr. Erich Zanders. Die Anlage ist nach drei Jahren Planung, Realisierung und einer baurechtlichen Verzögerung in Betrieb gegangen.

Die angesprochene Entlastung lässt sich wie folgt erklären: Auf der Merkener Kläranlage liegt der Chemische Sauerstoffbedarf (CSB) täglich bei 50 Tonnen. Das heißt — grob gesagt —, dass 50 Tonnen Sauerstoff nötig sind, um unbehandeltes Abwasser zu reinigen. Von diesen 50 Tonnen täglich ist alleine die Niederauer Mühle für 25 Tonnen verantwortlich, erklärt Erich Zanders.

Mit der neuen Kläranlage im Kreuzauer Werk reduziert das Unternehmen die Menge auf fünf Tonnen. „Weil wir das Abwasser jetzt vorher reinigen, schützen wir auch den Kanal, weil das unbehandelte Abwasser sehr aggressiv ist“, sagt Zanders weiter. Je weniger der Kanal belastet werde, desto geringer seien langfristig auch die Kosten, die das Unternehmen für Kanalsanierungen aufbringen müsse.

Die neue Klärgasanlage, die zwischen drei und vier Millionen Euro gekostet habe, hat auch einen weiteren Effekt für die Firma selbst: Sie erzeugt Biogas, woraus wiederum Dampf hergestellt wird. Den nutzt die Firma als Energiequelle für die Produktion — anstelle von Erdgas oder Braunkohle. 5000 Kubikmeter Biogas erzeugt die Anlage laut Zanders pro Tag, was umgerechnet drei bis vier Tonnen Dampf pro Stunde bedeutet. Für die Produktion seien 50 Tonnen Dampf stündlich nötig. Mit dem aus dem Biogas erzeugten Dampf kann die Niederauer Mühle ein Sechstel der benötigten Kohlebriketts einsparen — 90 bis 100 Tonnen täglich verbrauche die Produktion bisher.

Auf das Umfeld habe die neue Anlage keinen Einfluss: Sie produziere vollkommen geruchlos.

Die neue Anlage entspricht laut Zanders dem „Stand der Technik“, ist also keine neue Erfindung — und die Niederauer Mühle ist auch nicht der einzige Betrieb, der als Zuleiter der Kläranlage in Merken darauf setzt, mit der Abwasserbehandlung Biogas zu erzeugen.

Anlage auch bei Schoellershammer

Wie Markus Seiler vom Wasserverband Eifel-Rur (WVER) mitteilt, hat auch die Firma Schoellershammer in Niederau-Krauthausen bereits eine solche Anlage in Betrieb. Neben der Niederauer Mühle und Schoellershammer ist Metsä Tissue ein weiterer „nennenswerter Einleiter“. Für wie viele Tonnen CSB die Betriebe auf der zentralen Kläranlage verantwortlich sind, wollte Seiler aus Datenschutzgründen nicht nennen.

Die großen Betriebe aus dem Nordkreis wie die Jülicher Zuckerfabrik und das Forschungszentrum Jülich würden Biogastechnik bei der Abwasserbehandlung laut Seiler dagegen bislang nicht nutzen.