Bildungsgemeinschaft Rureifel ehrt Mitglieder

Bildungsgemeinschaft Rureifel : Kommunistenverdacht und Nachwuchssorgen

Der Hula-Hoop-Reifen war schwer angesagt, ebenso der Rock‘n‘Roll – in weiten Teilen Deutschlands als „Negermusik“ verschrien. Norbert Metzker spricht vom Jahre 1958. Dem Jahr, in dem die Bildungsgemeinschaft Rureifel gegründet wurde.

Heute steht Metzker dem Verein vor, der seine ideologischen Wurzeln in der Arbeiterbewegung der 1840er Jahre hat. Jetzt darf Metzker Mitglieder für deren langjährige Zugehörigkeit auszeichnen.

Zehn Geehrte

Zu den geehrten gehört auch Felix Röhlich, der – 89-jährig – seit 60 Jahren dem Bildungsverein angehört, dadurch zu den Gründungsmitgliedern zählt und auch heute noch mitdiskutiert, wenn es um Benachteiligung oder Tagespolitik geht. Geehrt wurden auch Viktor Klein, Elfriede Nückel, Kathi Bongartz, Rosi Krehla, Peter Koschorreck, Friedhelm Wirges, Marlis Bange, Reiner Dauven und Margarethe Röhlich. Letztere konnte aus gesundheitlichen Gründen nicht an der Feier teilnehmen. Alle Jubilare sind vor 1970 dem Bildungsverein beigetreten. Eine Ehrung in diesem Rahmen findet allerdings nur alle zehn Jahre statt.

Zu den Geehrten gehören auch Gründungsmitglieder, die seit 60 Jahren dabei sind. Foto: Ursula Weyermann

Metzker blickt in seiner Rede zurück auf die Aktivitäten der vergangenen zehn Jahre. „Da fallen mir Diskussionen zur ‚Affäre Gulliaume‘ und eine Schreibwerkstatt für Jugendliche ein“, so der Festredner. Finanzkrise, erneuerbare Energien und prekäre Arbeitsverhältnisse seien ebenso Themen gewesen. Studienreisen seien nicht mehr so nachgefragt gewesen, dafür aber Tagesfahrten und Bildungsreisen. So gab es auch eine Reise auf den Spuren Karl Marx‘. Dass der Verein zum Zusammenschluss der sozialistischen Bildungsgemeinschaften zählt, hatte auch in der Vergangenheit zu einer Überwachung durch den Verfassungsschutz geführt, sagt Metzker. Man habe der Bildungsgemeinschaft DDR-Nähe und eine kommunistische Ausrichtung unterstellt.

Die Aufgabe des Vereins sei von Anfang gewesen, überwiegend Arbeitern, politische Bildung zugänglich zu machen. „Früher gab es in den Hauptschulen keinen Politikunterricht“, erinnert sich Reiner Dauven, Lehrer im Ruhestand, und mahnt: „Politische Bildung ist heute wichtiger denn je.“

Dem Verein geht es, wie vielen anderen Gruppen derzeit auch: Der Nachwuchs fehlt. Interessierte können sich über www.bg-rurland.de mit Norbert Metzker in Verbindung setzen. (wey)

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