Simonskall: Bilder mit politisch-sozialem Hintergrund

Simonskall: Bilder mit politisch-sozialem Hintergrund

Wie man verständlich über Kunst reden kann - dafür gab Walter Vitt am Samstag ein treffliches Beispiel, als er zur Ausstellung im Junkerhaus in Simonskall einführende Worte sprach. Arbeiten von Gerd Arntz werden zurzeit dort ausgestellt unter dem Titel „Zeitkritische Graphik 1919 bis 1939”.

Viele Besucher waren zur Eröffnung der Ausstellung gekommen und drängten sich im Junkerhaus auf den Etagen, um die Bilder zu betrachten. Schwarz-weiße Strenge und Klarheit erfährt man zunächst, die Holzschnitte beeindrucken durch eine direkte Aussage. Man vertieft sich beispielsweise in das munter wirkende Bild „Schaukel”, das rufende, winkende, trinkende Menschen zeigt - das quirlige Leben eben. Ähnlich empfindet man bei der „Abendfahrt”, wo Menschen auf einem schaukelnden Schiff feiern und tanzen; doch die beiden Zuschauer oben auf der Brücke sind von dem fröhlichen Treiben ausgeschlossen. Mehr und mehr erschließt sich dem Besucher der Ausstellung, dass Gerd Arntz, den man zu den „Kölner Progressiven” zählt, mit seinen Bildern eine politisch-soziale Aussage macht. Walter Vitt, der in sehr anschaulicher Weise über den Werdegang des Künstlers und sein gesellschaftskritisches Anliegen referierte, fand aufmerksame Zuhörer.

Wie beispielsweise in „Mitropa” Klassenunterschiede dargestellt sind oder im farbigen Siebdruck „Krankenhaus” krasse Benachteiligung der einfachen, wenig verdienenden Menschen sichtbar wird, das gab Walter Vitt den Besuchern mit auf den Weg bei ihren Betrachtungen. Es sei ihm ein Anliegen, in verständlicher Weise über Kunst zu sprechen, so Walter Vitt, und unter dem Beifall der Zuhörer versprach er, seinen Vortrag auszudrucken und im Junkerhaus auszulegen. Dort wird er im Gästebuch zu finden sein, sagte Franz Tiedtke vom Verein Höhenart Hürtgenwald zu. Er dankte zudem der Galerie Glöckner aus Köln herzlich, die diese wertvollen Exponate zur Verfügung stellte. Axel Buch, der Bürgermeister der Gemeinde Hürtgenwald, forderte zum Besuch im „Schmuckkästchen Junkerhaus” auf.

Eine besondere Art von Musik untermalte die Eröffnungsfeier: Der Gitarrist Reinhard Montzka spielte mit faszinierender, verblüffender Fingerfertigkeit ein italienisches und ein spanisches Stück. Und dann hatte er noch „Vincent” von Don McLean ausgewählt, die traurig-verträumte Melodie ging den Ausstellungsbesuchern nicht mehr aus dem Kopf.

Die Ausstellung dauert bis zum Sonntag, 10. Juli. Sie ist geöffnet sonntags und feiertags von 12 bis 18 Uhr und mittwochs und samstags von 15 bis 18 Uhr.

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