Düren: Beruf Bestatter: Der Tod kennt keine Uhrzeit

Düren: Beruf Bestatter: Der Tod kennt keine Uhrzeit

Hochbetrieb auf dem Ostfriedhof in Düren. An einem Freitag morgen arbeiten die Bestatter oft unter großem Druck. Bei Beerdigungsterminen im Halbstunden-Takt wird hinter den Kulissen viel gearbeitet.

Der erste Bestatter baut seine Dekoration kurz nach zehn ab, der nächste hat bis halb elf Zeit, seine aufzustellen. „Natürlich dürfen die Trauernden davon nichts mitkriegen”, berichtet Dino Breuer. Die schnellen Handgriffe müssen diskret und schnell von Statten gehen, das Resultat muss würdevoll sein.

Und so, wie es die Angehörigen bestellt haben. Eine Viertelstunde bleibt dem 31-Jährigen und seinen Mitarbeitern dann meistens nur, um die von den Angehörigen bestellte Dekoration aufzubauen. „Da kommt man ganz schön ins Schwitzen”, erzählt der Chef des Dürener Familienbetriebs Bestattungen Karl Breuer.

Wenn Dino Breuer und seine Mitarbeiter fertig sind, schießen sie immer noch ein Foto von der hergerichteten Leichenhalle, bevor die Trauergäste kommen. Vormittag ist Beerdigungszeit in Düren.

Beerdigungen haben einen festgelegten Termin. So viel zum planbaren Teil der Arbeit eines Bestatters. Den nicht berechenbaren Teil haben Dino Breuer und die Kollegen seines Berufstandes mit den Hebammen gemeinsam. Genau so, wie eine Geburt keine Rücksicht auf Tageszeiten und Terminpläne nimmt, so sterben Menschen auch zu jeder Zeit.

„Es ist schwierig, wenn man am Morgen zu drei Sterbefällen gerufen wird, wenn schon Beerdigungen auf dem Terminplan stehen”, berichtet Dino Breuer über eine der großen Herausforderungen in seinem Beruf.

Obwohl der Zeitdruck groß ist, gilt die oberste Direktive: Der Bestatter muss einen pietätvollen und einfühlsamen Eindruck hinterlassen. Deswegen darf die Anteilnahme keine aufgesetzte Maske sein, sondern tief verinnerlichte Einstellung.

Dann schafft es der Bestatter, das zweite berufliche Ich nicht mit in das Haus des Verstorbenen zu nehmen. Dieses Ich ist der Geschäftsmann, der dafür sorgen muss, dass der eigene Betrieb wirtschaftlich ist. Der Spagat zählt zu den Herausforderungen des Geschäfts mit dem Tod.

Eine Tatsache stimmt: Die Kundschaft geht nie aus. Gestorben wird immer. „Aber die Qualität der Bestattungen nimmt ab, da Menschen weniger Geld zur Verfügung haben”, berichtet Breuer aus dem Arbeitsalltag.

„Das kann ich aber gut verstehen”, so der 31-Jährige mit Blick auf die viel zitierte Wirtschaftskrise. Zumal viele Menschen unerwartet sterben und der Tod für die Angehörigen zu einem finanziellen Problem wird. Dann ist erneut Taktgefühl gefragt, ohne die Wirtschaftlichkeit aus dem Auge zu verlieren. Im Trauergespräch gibt Breuer den Angehörigen Ratschläge, um die Kosten für die Beisetzung im Rahmen zu halten.

Eine weitere Herausforderung ist die unmittelbare Begegnung mit dem Tod. „Ich habe meine erste Leiche im Kindesalter gesehen”, erklärt Breuer, dass er in den Familienbetrieb hinein gewachsen ist. Immun macht die Berufserfahrung trotzdem nicht. Zu oft begegnet der Tod dem Dürener Unternehmer auf plötzliche und tragische Weise. „Es gibt wirklich schlimme Schicksale”, sagt Dino Breuer.

Es sei schwierig, seinen Beruf zu erfüllen, wenn man selbst ergriffen ist. Auch das ist eine Herausforderung. „Wenn ich beispielsweise weiß, dass ein Kind verstorben ist, dann gebe ich mir besonders viel Mühe.” Das Mitgefühl ist oft Motivation. „Ich habe keine Kinder. Aber solche Schicksale nehmen mich immer sehr mit.”

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